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Interview

Mit voller Kraft für das Handwerk da sein

Paul Baier (62) ist seit einem Monat neuer Präsident der Handwerkskammer (HWK) in Freiburg.

Als der Schlossermeister Paul Baier aus Renchen-Ulm/Ortenau im November die Nachfolge von HWK-Präsident Martin Lamm angetreten ist, muss er ziemlich genau gewusst haben, auf was er sich da einlässt: Seit 2004 ist Baier bereits Vorstandsmitglied der Kammer, seit 2000 Vorstandsmitglied der Ortenauer Kreishandwerkerschaft und seit 1997 Obermeister der Metall-Innung Ortenau. Kein Wunder, dass er auch im Gespräch vor allem seinen unermüdlichen Einsatz für die Interessen des Handwerks ganz oben auf die Liste seiner Anliegen für sein neues Amt als achter Präsident der HWK Freiburg setzt.

Herr Baier, mit welchen Gefühlen sind Sie in Ihr Amt als HWK-Präsident gestartet?

Ich war mir von Anfang an bewusst, dass das kein leichtes Amt sein wird: Es geht immerhin darum, die Interessen von 15.500 Betrieben mit rund 100.000 Beschäftigten zu repräsentieren und deren manchmal widerstreitenden Interessen „unter einen Hut“ zu bringen und auf politischer Ebene Gehör zu verschaffen und das Bestmögliche für sie zu erreichen. Ich habe mir zusammen mit dem Kammervorstand vorgenommen, den Dialog mit Innungen und Kreishandwerkerschaften zu intensivieren. Sie sind Tragsäulen des Handwerks, die Basis, und leisten Arbeit, die von der Kammer so nicht geleistet werden kann. Und wenn wir gemeinsam auf der politischen Ebene agieren, dann finden wir auch mehr Gehör. Es geht darum, zum Beispiel zu zeigen, dass das Handwerk in der aktuellen Krise ein Garant für Stabilität und sichere Arbeitsplätze geblieben ist!

Sie geben damit das Stichwort: Wie verkraften die Betriebe das Thema Wirtschaftskrise?

Das Bild hat zwei Seiten: Handwerker, die im Bereich Innenausbau und energetischer Sanierung tätig sind, sind gut ausgelastet. Auch Betriebe wie Bauschlossereien sind einigermaßen gut dran. Im Metallhandwerk sind vor allem  die Autozulieferer von der Krise betroffen. Wir hoffen, dass da in 2010 die Talsohle durchschritten wird. Wir brauchen daher von der Politik keine kurzfristigen Aktionen, sondern langfristige Unterstützung und ein wirtschaftsfreundliches Klima. Unsere Betriebe müssen auch sehen, dass sie ihre Fachkräfte halten und fortbilden, damit sie einem kommenden Aufschwung nicht ohne qualifiziertes Personal gegenüber stehen.

Der Fachkräftemangel kommt durch den demographischen Wandel ja ohnehin. Wie geht das Handwerk mit dieser Herausforderung um?

! Wir sind da deutschlandweit dran mit unserer neuen Imagekampagne. Die Menschen müssen den Stellenwert des Handwerks wieder mehr begreifen. Das beweisen wir ja gerade in der Krise derzeit durch Flexibilität am Markt und innovative Produkte. Wir sind ein verlässlicher Partner, nirgends kann man schneller Karriere machen, als im Handwerk, wenn man Bildungsfreude und Mut mitbringt! Das Thema Generationswechsel an der Spitze von Unternehmen kommt mehr und mehr auf uns zu, da brauchen wir gute Leute.

Welche Märkte und Potenziale sehen Sie im Kammerbezirk Freiburg neben dem Bereich der energetischen Sanierung vor allem?

Am Bau und im Maschinenbau gibt es viel Bedarf für individuelle Problemlösungen, wie sie nur das Handwerk bieten kann. Da sind die Betriebe immer bemüht, ganz nah am Markt zu sein. Man darf beim Thema Innovation nicht nur an die großen Betriebe denken, gerade im Maschinenbau sind es zum Beispiel die kleinen Betriebe, die ihren Kunden einen immer größeren Mehrwert bieten. Da liegen unsere besten Chancen. Nehmen sie den Zukunftsmarkt Energie: Im kommenden Jahr werden wir zum Beispiel ein bislang einmaliges und völlig neues „Schulungs- und Demozentrum für solare und regenerative Kühlung“ in Betrieb nehmen. Neben der Energie hat der Zukunftsmarkt demographischer Wandel ein riesiges Potenzial. Eine immer älter werdende Gesellschaft betrifft den Bäcker, den Optiker und den Maurer gleichermaßen, denn wir brauchen immer mehr altersgerechte Produkte und Angebote. Darauf bietet das Handwerk die passenden Antworten und genau das ist mein Anliegen als Präsident der Handwerkskammer in Freiburg: die Stärken des Handwerks in den Fokus zu rücken.

(Ralf Deckert)


 


 

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