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Konstanz/Schopfheim

Im Sog der Weltwirtschaft

Die schwierige weltwirtschaftliche Lage spiegelt sich immer deutlicher auch in der Wirtschaft der Region Hochrhein-Bodensee wieder. Dies bestätigen die jüngsten Ergebnisse der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer zum Jahreswechsel 2008/09.

Stark rückläufige Auftragseingänge in einzelnen Industriebranchen haben den Konjunkturindex mit 91 Punkte auf den niedrigsten Stand seit 2003 fallen lassen. Noch deutlicher sind die wirtschaftlichen Bremsspuren für das „Autoland“ Baden-Württemberg insgesamt. Der Index weist für das Land nur noch einen Wert von 73 Punkten auf und erreichte somit den tiefsten Stand seit zehn Jahren. Ausschlaggebend für diese schlechten Indexwerte ist allerdings weniger die reale aktuelle Wirtschaftslage, die mehrheitlich noch immer zufriedenstellend ist, als vielmehr die stark pessimistisch geprägten Zukunftserwartungen für die kommenden zwölf Monate, die ebenfalls in den Konjunkturindex einfließen.

Aktuelle Lage: Uneinheitliches Branchenbild

Das Stimmungsbild der Wirtschaft in der Region Hochrhein-Bodensee hat sich gegenüber der IHK-Herbstumfrage 2008 weiter abgeschwächt. Rund 85 Prozent der befragten Unternehmen sind jedoch mit ihrer aktuellen Geschäftslage immer noch zufrieden. Bei der Industrie sind es drei von vier Unternehmen. Die weltweite Rezession trifft die exportabhängige Industrie deutlich stärker als das heimische Handels- und Dienstleistungsgewerbe. Auftragsbestand, Neuabschlüsse und die sinkende Auslastung der Produktionskapazitäten variieren hierbei von Branche zu Branche stark. Positive Meldungen kommen von der Pharmabranche, der Elektro-, Mess- und Regeltechnik und dem Sondermaschinenbau (teils sehr hohe Auftragsbestände). Schwierig geworden ist hingegen die wirtschaftliche Situation zum Jahreswechsel 2008/09 für viele Betriebe der Automobilzuliefererindustrie, der grundstoffverarbeitenden Chemie, des Textil- und Bekleidungsgewerbes sowie der metall- und kunststoffverarbeitenden Industrie.

Zahlreiche Firmen aus diesen Branchen haben bereits Kurzarbeit angemeldet. Gemessen am Niveau der baden-württembergischen Industrie insgesamt verzeichnet das Produzierende Gewerbe der Region Hochrhein-Bodensee jedoch ein besseres Bild. Dies hängt zum einen am hohen Stellenwert der gut ausgelasteten Pharmabranche und des Sondermaschinenbaus innerhalb des industriellen Branchenmix. Zum anderen weist die Region zwar eine hohe Dichte an leistungsstarken Automobilzulieferern auf, ist selbst jedoch nicht Automobilstandort.

Zur Stütze der Konjunktur zählen derzeit das Baugewerbe sowie der Handels- und Dienstleistungssektor und somit Bereiche, die in den zurückliegenden Jahren aufgrund der schwächelnden Kaufkraft und der Kaufzurückhaltung vieler Bürger eher die Achillesferse der wirtschaftlichen Entwicklung waren. Entgegen allgemeiner Erwartungen hat die globale Finanzmarktkrise das Konsumentenverhalten bislang nicht entscheidend negativ beeinflusst. Das Weihnachtsgeschäft lief für viele Handelsunternehmen überraschend gut und auch der Dienstleistungssektor meldete zum Jahreswechsel ein überwiegend zufriedenstellendes Bild.

Geschäftserwartungen 2009: Schwaches Exportgeschäft

Der weltweite Abschwung der Wirtschaft in Verbindung mit den ungelösten Finanzmarktproblemen beeinflusst das Stimmungsbild der heimischen Wirtschaft in Bezug auf die Geschäftserwartungen 2009 maßgeblich. Rund 40 Prozent der befragten Unternehmen gehen inzwischen von einem anhaltenden Wirtschaftsabschwung aus. Bei den Industrieunternehmen ist es sogar jeder zweite Betrieb. Gestützt wird diese Erwartungshaltung durch die bereits eingetretenen, massiven Auftragseinbrüche beim Exportgeschäft, die sogar den Auftragsrückgang beim Inlandsgeschäft übertreffen. Erstmals wird für keinen der wichtigen Auslandsmärkte innerhalb der kommenden zwölf Monate eine Zunahme beim Exportgeschäft angenommen. Da jeder zweite Euro des Industrieumsatzes in der Region Hochrhein-Bodensee mit ausländischen Handelspartnern erwirtschaftet wird, hängt die wirtschaftliche Gesundung für viele Unternehmen ganz entscheidend vom weiteren Verlauf der Weltkonjunktur ab. Eine volle Kompensation durch mehr Inlandsumsatz ist in dieser Größenordnung nicht vorstellbar.

Auswirkungen: Weniger Investitionen und weniger Beschäftigte

Die schwierige Situation auf nahezu allen Weltmärkten und die hiermit verbundenen sinkenden Geschäftserwartungen zwingen viele Unternehmen zur Anpassung ihrer Unternehmensplanungen und Unternehmensziele. Für 2009 muss daher mit einer deutlich schwächeren Investitionstätigkeit gerechnet werden. Aufgrund der weltweiten Rezession gilt dieser Trend gleichermaßen für Investitionen im In- und Ausland. Erstmals seit Jahren werden auch die Abschreibungen wieder höher ausfallen als die Neuinvestitionen. Einen direkten Zusammenhang zwischen der sinkenden Investitionstätigkeit der Unternehmen und einer abnehmenden Bereitschaft der regionalen Kreditwirtschaft zur Finanzierung von Investitionsvorhaben kann in der Region Hochrhein-Bodensee bislang nicht festgestellt werden. Zwar haben sich die Kreditkonditionen der Hausbanken in den zurückliegenden Monaten geringfügig verschlechtert, die Kreditvergabepolitik der Banken und Sparkassen an die regionale Wirtschaft für Investitions- und Betriebsmittel ist jedoch stabil geblieben. Nur weniger Kreditanträge wurden nicht verlängert oder abgelehnt. Von einer „Kreditklemme“ kann somit in der Region Hochrhein-Bodensee nicht gesprochen werden.

Unter Druck gerät nach einigen guten Jahren erneut auch der regionale Arbeitsmarkt. Bislang glänzte die Region Hochrhein-Bodensee stets mit überdurchschnittlich guten Beschäftigungs- und Arbeitsmarktdaten. Eine Trendwende wird nunmehr allgemein erwartet. Das Ausmaß dieser Trendwende ist jedoch völlig offen. Jedes vierte Unternehmen rechnet zwar mit einem Beschäftigungsabbau und zahlreiche Firmen haben auch bereits Kurzarbeit angemeldet. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften, der die Unternehmen bei der Entlassung von Mitarbeitern zögern lässt, sowie der positive Einfluss des Schweizer Arbeitsmarktes auf die Gesamtbeschäftigung in der Region lassen hoffen, dass sich der Beschäftigungsabbau in engen Grenzen halten wird.

(IHK/Prof. Dr. Marx)


 


 

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