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Autoexperte Uwe Röhrig im Capital Club

„In der Automobilindustrie herrscht Planwirtschaft."

Auch die Abwrackprämie kann nicht darüber hinwegtäuschen: die Autoindustrie steckt in der Krise. Uwe Röhrig, Inhaber der Automobilberatung International Car Concept (ICC), verfügt über mehr als 40 Jahre automobile Erfahrung. Der Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) war früher unter anderem als Vertriebschef für Mercedes-Benz und Maybach tätig. Den Mitgliedern des exklusiven Business-Clubs Manager-Lounge berichtete Röhrig jetzt über die größten Fehler der Branche.

„Die Automobilindustrie steckt in der Krise, Innovationen kommen nur halbherzig, seit Jahrzehnten dreht sich immer noch fast alles um die herkömmlichen Verbrennungsmotoren", zitiert das Manager-Magazin den Autoexperten. Zu zögerlich verlaufe die Entwicklung von Hybrid- und Elektroantrieben. Und die markante demografische Entwicklung werde überhaupt noch nicht berücksichtigt. „Es werden einfach keine Fahrzeuge für die Altersklasse 60+ angeboten. Alles, was in diesem Bereich dem Wunsch nach mehr Funktionalität entspricht, muss sich der Kunde teuer dazukaufen, zum Beispiel altersgerechte Sitze oder Einparkhilfen", sagte Röhrig laut Manager-Magazin.

Ein großes Problem sehe Röhrig in der Besetzung der Vorstands- und Abteilungsleiteretagen: „Diese Manager sind genormt, es gibt keine Entscheider mehr, keine echten Typen, dafür viel zu viele Gremien." In der Automobilindustrie existiere schon lange eine Planwirtschaft, das Problem heiße Just-in-time: „Die Vorstände wollen unbedingt Marktanteile hinzugewinnen, doch das hat auf Dauer keinen Wert".

„Wir haben in Deutschland ein knallhartes Überkapazitätenproblem, gekoppelt mit einem steigenden Produktivitätsdruck in der Branche. Und die Abwrackprämie nutzt eher den europäischen Herstellern und Zulieferern - weniger den deutschen Unternehmen“, so der ICC-Chef gegenüber den Gästen im Berliner Capital Club. „Eine kompromisslose Kundenorientierung ist deshalb mittel- und langfristig unabdingbar und der Schlüssel zum Erfolg. Und die vermisse ich in Deutschland. Auf lange Sicht erfolgreich sieht er hierzulande daher nur noch die Konzerne Volkswagen, Porsche, Daimler und BMW.

Weltweit kämen dann noch Toyota , Honda , Hyundai, Tata und die großen chinesischen Hersteller dazu. China habe es geschafft, innerhalb einer Dekade zum drittgrößten Automobilhersteller der Welt zu werden, indem man sich die Entwicklung ins Land geholt habe. In den USA werde wohl nur Ford überleben, auch dank des starken Europageschäfts.

In Deutschland müsse der Wandel im Denken schon beim Autohändler beginnen, schreibt das Manager-Magazin über Röhrigs Vortrag: „Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt, man muss ihr aber freien Lauf lassen und den Ballast jahrzehntelanger Verkaufsmuster abwerfen.“ Die meisten Manager hätten noch nie ein Auto selbst verkauft und damit auch noch nie in direkter Abhängigkeit von Erfolgsprovision ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen - für den Branchenexperten ein verhängnisvolles Versäumnis.

(Redaktion)


 


 

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