Sie sind hier: Startseite Südbaden Aktuell News
Weitere Artikel
Wirtschaftskriminalität

Jahresberichte 2008

Die in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Fallzahlen der Wirtschaftskriminalität sind im Jahr 2008 um 22,1 Prozent auf 12.975 Fälle zurückgegangen. Am stärksten war der Rückgang bei Anlage- und Finanzierungsdelikten (-1.992 auf 2.535 Fälle). Die Aufklärungsquote lag mit 97,2 Prozent unverändert hoch. Dabei konnten 3.531 Wirtschaftsstraftäter (2007: 3.633) ermittelt werden, 764 (21,6 Prozent) davon waren Ausländer.

Trotz Rückgang des Schadens auf 359 Millionen Euro (2007: 498 Millionen
Euro) habe die Wirtschaftskriminalität immer noch einen Anteil von
52,8 Prozent am Schaden der Gesamtkriminalität. „Allein diese Summe
belegt die Sozialschädlichkeit dieser Straftaten deutlich“, sagte Innenminister
Heribert Rech am Montag, 11. Mai 2009, in Stuttgart bei der Vorstellung
der Jahresberichte zur Wirtschaftskriminalität und zur Organisierten
Kriminalität 2008. „Bei zwölf der 44 von der Landespolizei geführten
Ermittlungskomplexe gegen Gruppierungen der Organisierten Kriminalität
lagen Hnweise auf organisierte Wirtschaftskriminalität vor. Dies verdeutlicht
die hohe kriminelle Energie der Täter in diesem Deliktsbereich“, so
Rech.

Entgegen dem allgemein rückläufigen Trend bei der Wirtschaftskriminalität
sei ein besorgniserregender Anstieg bei Manipulationen an Geldautomaten
(so genanntes Skimming) zu verzeichnen gewesen. Im vergangenen
Jahr seien 256 solcher Manipulationen (2007: 176 Fälle) an 104
Geldausgabeautomaten (2007: 76) festgestellt worden. Die vornehmlich
osteuropäischen Tätergruppierungen agierten dabei äußerst professionell
und flexibel. Pro Manipulation werde ein Schaden von durchschnittlich
rund 25.000 Euro verursacht. „Neben der Polizei sind auch die Kreditinstitute
in der Pflicht, ihre Kunden vor Schäden zu schützen. Deswegen sind
wir über die Innenministerkonferenz an die Bundesverbände der Kreditinstitute
und Banken herangetreten, um einen möglichst hohen Schutz durch technische Maßnahmen zu erreichen. Uns wurde zugesagt, dass bis Ende 2010 die deutschen Geldautomaten und Debitkarten vollständig auf Chiptechnologie umgestellt werden“, so der Minister. Dies sei ein wichtiger Schritt, um Skimming-Attacken zu verhindern.

Mit Sorge beobachte er die möglichen Auswirkungen der aktuellen globalen
Finanzmarktkrise auf die Kriminalität. Rech: „Wir müssen vermutlich
damit rechnen, dass besonders die Wirtschaftsstraftaten ansteigen werden.“
Die Palette reiche von Betrugs- über Insolvenzstraftaten bis hin zu
Kapitalanlagedelikten. So rufe beispielsweise der Vertrauensverlust der
Kunden gegenüber der Finanzwirtschaft vermehrt betrügerische Anlagevermittler
auf den Plan, die vermeintlich sichere und hochrentable Alternativen
anböten. Dass die dem Täter überlassenen Gelder oft in dunklen
Kanälen landeten, merkten die Opfer meist zu spät. Zudem müsse mit
steigenden Fallzahlen bei Untreue- und Betrugsdelikten gerechnet werden.
Auch eine Zunahme von Insolvenzdelikten sei nicht auszuschließen.
„Ich gehe davon aus, dass die Strafverfolgungsbehörden sich vor diesem
Hintergrund zukünftig noch ausgeprägter mit wechselnden Tatbegehungsformen,
steigender Komplexität von Wirtschaftsdelikten sowie zunehmend
risikobereiten und organisierten Straftätern konfrontiert sehen“, betonte
Rech.

Die Polizei gehe konsequent gegen die Wirtschaftskriminalität und die
Strukturen der Organisierten Kriminalität vor. Mit über 300 auf die Bekämpfung
der Organisierten Kriminalität spezialisierten Beamten seien
durch umfangreiche Ermittlungen allein im vergangenen Jahr 123 Haftbefehle
erwirkt und 12,9 Millionen Euro vorläufig gesichert worden. Um den
speziellen Anforderungen der Wirtschaftskriminalität bei den polizeilichen
Ermittlungen gerecht zu werden, sei die bereits im Jahr 1997 eingeführte
Sonderlaufbahn für sogenannte Wirtschaftskriminalisten, die neben einem
betriebswirtschaftlichen Studium über Erfahrungen in der freien Wirtschaft
verfügten und eine kriminalpolizeiliche Ausbildung erhalten hätten, vergangenes Jahr um weitere fünf Jahre verlängert worden. Im April 2009
seien fünf weitere Wirtschaftskriminalisten in die Polizei eingestellt worden.
Mit diesen stünden landesweit insgesamt 60 Beamte zur Verfügung,
die ihr extern erworbenes Fachwissen für die gezielte Bekämpfung der
vielfältigen Formen der Wirtschaftskriminalität einsetzen

(Innenministerium Baden-Württemberg)


 


 

Wirtschaftskriminalität
Polizei
Jahresberichte 2008
Finanzierungsdelikten
Kriminalstatistik

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Wirtschaftskriminalität" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: