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dpa-Skandal!

Kommentar Bluewater: Orson Welles meets Konrad Kujau

Vor mehr als 70 Jahren, am 30. Oktober 1938, sendete die US-Radiostation CBS unter der Regie von Orson Welles das Hörspiel „Krieg der Welten“. Viele Hörer hatten ihr Radio erst nach Beginn der Sendung eingeschaltet und deshalb nicht mitbekommen, dass es sich um ein Hörspiel und nicht um eine Live-Reportage handelt. Noch während der Sendung brach in weiten Teilen der USA Panik aus, denn die Menschen waren davon überzeugt, dass ein Angriff der Marsmenschen stattfand und das Ende der Welt unmittelbar bevorstand. Noch heute wird darüber spekuliert, ob Orson Welles genau diese Wirkung absichtlich erzielen wollte, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern.

Und dann 1983: Die Verlagsleitung des Stern fällt auf die angeblich echten Hitler-Tagebücher des Konrad Kujau herein. Dem ging es eigentlich nur darum, mit plump gefälschten Nazi-Devotionalien viel Geld zu machen. Als die Wahrheit und die operettenreifen Hintergründe bekannt wurden, war nicht nur der Ruf des Stern, sondern auch der gesamten Journalistenzunft für längere Zeit ruiniert.

Wer der Meinung war, dass die Medienmacher aus diesen spektakulären Fällen gelernt haben, wurde gestern eines Besseren belehrt: Die eigentlich als seriös geltende Deutsche Presse-Agentur (dpa) verbreitete die Meldung über ein angebliches Bombenattentat im US-amerikanischen Bluewater.

Im Laufe des Tages stellte sich aber heraus, dass man auf den deutschen Regisseur Henrik Stahlberg hereingefallen war. Ihm war es gelungen, mit Hilfe einer geschickten Inszenierung und gefälschten Websites im Internet die Echtheit der Meldung vorzugaukeln. Stahlbergs Bluewater-Ente war nichts anderes als eine PR-Aktion für sein neuestes Werk „Short Cut to Hollywood“, das am 24. September in den Kinos anlaufen wird. Fraglos hat er sein Ziel erreicht, denn ohne dpa wäre sein Film wohl kaum so bekannt geworden.

Stahlberg war mit seiner Aktion in seinem Sinne erfolgreich, weil er von Orson Welles und Konrad Kujau gelernt hat: Mit der glaubhaft wirkende Inszenierung in einem vorgeblich vertrauenswürdigen Medium gelang es ihm, die Medienprofis zu täuschen, die im Kampf um Einschaltquote, verkaufte Auflage und Klickraten die journalistische Sorgfaltspflicht schon mal hinten an stellen.

Auch nachdem die dpa-Führung sich in aller Form für die Bluewater-Ente entschuldigen musste und gelobte, in Zukunft Informationsquellen noch kritischer zu überprüfen, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Auf was kann man sich denn noch verlassen, wenn es einem kleinen Filmemacher gelingt, mit einfachen Mitteln professionelle Journalisten auszutricksen? Nicht auszudenken, was passiert, wenn bestimmte Interessengruppen ihre subtilen Botschaften mit solchen Methoden in die Nachrichtenkanäle einspeisen, um damit die Gesellschaft in ihrem Sinne zu manipulieren...

(Peter von Bechen)


 


 

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1 Kommentar

von Baghdadstreet Boys
11.09.09 15:26 Uhr
Bluewater und die Baghdadstreet Boys

Wenn Fiktion zu einer Real-Satire wird. Die Baghdadstreet Boys im Film "Short Cut To Hollywood" sind das Original. Die Berlin Boys 666 nur ein Fake. Den Bluewater-Selbstmordanschlag hat es glücklicherweise nie gegeben.

We Are The Baghdadstreet Boys!
Lang lebe John F. Salinger!

 

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