Weitere Artikel
Weiser Mann aus Freiburg

Wirtschaftswissenschaftler Lars Feld gehört nun zum „Rat der Wirtschaftsweisen“

Der Leiter des Freiburger Walter Eucken Instituts und Professor an der Uni Freiburg Lars P. Feld (44) ist in den „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“, den Rat der so genannten Wirtschaftsweisen, berufen worden. Unirektor Hans-Jochen Schiewer hat Feld umgehend gratuliert: „Als Rektor bin ich stolz, dass Ihre Forschungsstärke dazu beiträgt, dass unsere Universität auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik noch stärker wahrgenommen wird“, so Schiewer. Doch zum Feiern kam Feld am Mittwoch zunächst nicht, er ließ den Abend vielmehr mit einem Arbeitsessen ausklingen. Zeit für ein kurzes Gespräch war aber zuvor dennoch.

business-on.de: Herr Feld, herzlichen Glückwunsch zu ihrer Berufung, sind sie jetzt ein weiser Mann?

Lars Feld: (Lacht) Das weiß ich nicht, aber ich habe eine gewisse Expertise in Sachen Finanzwissenschaften und kenne mich da offenbar so gut aus, dass mich die Bundesregierung nun in den Sachverständigenrat berufen hat.

business-on.de: Was kommt denn da auf Sie zu?

Lars Feld: Eine Menge Arbeit: Nach den Sommerferien beginnen in Wiesbaden die Vorbereitungen für das jährliche große Wirtschaftsgutachten des Rats, das im November vorgelegt wird. Außerdem muss noch eine Expertise zu einem Fachthema erstellt werden. Da beginne ich eigentlich jetzt schon damit, Textentwürfe vorzubereiten.

business-on.de: Sie haben also eine politische Beraterrolle inne. Was raten sie denn der Bundesregierung?

Lars Feld: (Lacht wieder) Auch das ist eine schwierige, sehr allgemeine Frage. Ich stehe jedenfalls für eine nachhaltige Finanzpolitik, also für einen Abbau der Staatsverschuldung, schließlich müssen wir ja ab 2016 die „Schuldenbremse“ einhalten. Dazu benötigen wir eine Strukturreform, wenn wir weniger unserer Wirtschaftskraft in Schulden binden wollen. Wir brauchen eine andere Finanzierungsmentalität, keine „Schuldenförderungspolitik“. So etwas kann man auch hinbekommen, ohne gleich einen Aufschrei der politischen Linken zu provozieren, indem man Steuerbegünstigungen im Konsens abbaut.

business-on.de: Deutschland ist ja ganz ordentlich aus der Krise der letzten zwei Jahre heraus gekommen. Stehen uns nun die goldenen, die fetten Jahre ins Haus?

Lars Feld: Das ist schwer zu sagen. Schauen sie auf die schwierigen Gemeindefinanzen, da kommt zum Beispiel einiges auf uns zu. Die größte Baustelle sind aber die Gesundheitskosten, da hat noch niemand einen großen Wurf geschafft und ich zweifle daran, dass wir da die Kosten gesenkt bekommen. Andererseits haben wir auch schon viel erreicht, zum Beispiel durch die Arbeitsmarktreform von rot/grün. Da hat die Richtung sicherlich gestimmt, auch wenn nun im Detail nachgebessert wird. Auch in der europäischen und in der Weltfinanzpolitik stehen wir vor Herausforderungen. Die halte ich aber allesamt für zu bewerkstelligen.

business-on.de: Herr Feld, vielen Dank für das Gespräch!

Felds Amtszeit als „Wirtschaftsweiser“ beträgt zunächst fünf Jahre. Er folgt Wolfgang Wiegard, der zum 1. März aus dem Sachverständigenrat ausscheidet und ist der erste Freiburger Ökonom, der in den Rat berufen wurde. Vor seiner Zeit in Freiburg war er in Marburg tätig. Schon seit 2003 ist er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium in Berlin.

(Ralf Deckert)


 


 

Wirtschaftswissenschaftler
Lars Feld
Rat der Wirtschaftsweisen
Bundesregierung
Wirtschaftsgutachten
Staatsverschuldung
Wolfgang Wiegard
Bundesfinanzministerium

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Wirtschaftswissenschaftler" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: