Managerin ohne Grenzen
Ein Jahr lang raus
Südbaden. Von Haslach im Kinzigtal in der Ortenau nach Tansania in Ostafrika: Seit August 2009 war Elke Dieterich (37), zuletzt Marketingchefin Deutschland beim Armaturenhersteller Hansgrohe in Schiltach/Kreis Rottweil, als „Managerin ohne Grenzen“ in Tansania für eine gute Sache im Einsatz.
Sie erfülle sich mit der einjährigen Auszeit einen großen Traum, sagt die gebürtige Heilbronnerin: „Mein Job war stressig und aufreibend. Irgendwann hat auch etwas der Sinn gefehlt.“ Es war Zeit für eine Veränderung. Einen verlängerten Afrikaurlaub wollte sie nicht einlegen, sondern sie wollte ihre Berufserfahrung in ein sinnvolles Projekt einbringen. Sie kündigte und stieß schließlich auf die Stiftung „Manager ohne Grenzen“ in Stuttgart. Diese schult und vermittelt Fach- und Führungskräfte gezielt für weltweite „Non-Profit-Projekte“. Alles passte zusammen und so kam es, dass Elke Dieterich sich dafür einsetzte, dass AIDS-Waise in Tansania die Schule besuchen und ihre Großeltern und Vormünder in Fragen wie Erziehung oder Hygiene geschult werden.
„Wichtig ist, dass es sich um nachhaltige Projekte handelt und man sein Wissen in ein bereits vorhandenes Projekt einbringt“, betont Elke Dieterich das Besondere ihres humanitären Einsatzes. Nur so könne man Impulse für die Selbsthilfe im Land geben. Im Falle von Elke Dieterich hieß das: Zweimal drei Monate Tansania im Lauf eines Jahres, zum größten Teil auf eigene Kosten. Die Arbeitspalette in dem AIDS-Projekt war vielseitig, berichtet die Betriebswirtin: „Meine Aufgaben variierten von einfachen Computerkursen für die Mitarbeiter bis zur Projektplanung der nächsten Jahre.“ Das Ganze mit dem Ziel, dass die Projektmitarbeiter nach ihrer Abreise das zunächst nur schleppend angelaufene Projekt selbstständig managen können.
„Meine Zeit in Afrika ging mit vielen Dingen einher, die früher normal für mich waren und auf die ich nun verzichten musste. Ich wohnte in einem richtigen Afrikaner-Viertel. In Bussen oder auf der Strasse war ich oft die einzige Weiße.“ Strom und Internet gab es nicht immer, dafür aber immer viel Ungeziefer. Alles gehe in Tansania langsamer, „pole pole“ sagen die Afrikaner dazu, und die Erfolge seien kleiner als es die Managerin bisher aus ihrem Beruf kannte, so Dieterich rückblickend. Tansania ist eines der ärmsten Länder der Welt, zwischen sechs und acht Prozent der Bevölkerung tragen das HIV-Virus in sich, die Lebenserwartung der Mensche liegt bei rund 50 Jahren, Begriffe wie „Management“ kennt man dort kaum, da das Leben oft ein Kampf um das Nötigste ist. Irgendwann habe sie gemerkt, dass mancher Luxus des Lebens im Schwarzwald ihr gar nicht wirklich fehle. „Ich musste viel Zeit mit Warten verbringen“, sagt Elke Dieterich. Das sei gut gewesen, „um über Dinge nachzudenken und einmal nach rechts und nach links zu schauen.“ So gehe es mehr oder minder allen „Managern ohne Grenzen“, bestätigt Helene Prölß. Die Stuttgarter Marketingexpertin hat die Treuhandstiftung „Manager ohne Grenzen“ vor einem Jahr aus einem zunächst einmaligen Projekt heraus ins Leben gerufen. Bis Ende 2010 will sie rund 20 Manager in die Welt entsenden. „Jeder dieser Einsätze verändert den Menschen“, sagt Prölß. Und macht bessere Manager aus den Teilnehmern, da deren Blick für globale Zusammenhänge geschärft wird. „Das ist ein Thema, an dem die Unternehmen hier mittlerweile sehr interessiert sind!“
Die Konfrontation mit Armut und Not hat bei Elke Dieterich dazu geführt, dass sich ihre Werte verändert haben. „Für mich stand von vornherein fest, ich gebe bettelnden Menschen kein Geld.“ Daran hat sie sich gehalten. „Keiner hat Geld von mir bekommen, auch nicht, wenn es mir noch so wehgetan hat.“ Sie ist überzeugt, dass Almosen nicht hilft, weil es nicht nachhaltig ist. Bei „Manager ohne Grenzen“ ist denn auch eher von Entwicklungspartnerschaft als von Entwicklungshilfe die Rede. Arbeit und Bildung seien wichtiger als Geldspenden, sagt Elke Dieterich und hat darüber auch in Tansania Debatten führen müssen. Im Mai hat sie die Zelte in Afrika abgebrochen und ihre Arbeit für die 200 Schulkinder in 16 Schulen abgegeben. Die Schulen sind oftmals viel zu klein für die vielen Kinder, es gibt zu wenig Stühle und Bänke, Bücher fehlen sowieso. Die Fortschritte laufen „pole pole“: Die Kinder sind mittlerweile registriert und mit Schulmaterialien ausgestattet worden. Dabei geht es ums Grundsätzliche, Socken, Schreibsachen oder eine Schuluniform, die einen Schulbesuch überhaupt erst möglich macht. Die Freude der Kinder über ihre Schulsachen sei ihr der schönste Arbeitslohn gewesen, sagt Elke Dieterich. Als Berater will sie weiterhin per Mail zur Verfügung stehen. In ihren früheren Job will sie nicht zurück.
(Ralf Deckert)
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