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Medizinskandal Klinik Freiburg

Mit goldenem Handschlag

Die Uniklinik Freiburg ist ihren suspendierten früheren Chef der Unfallchirurgie los. Rund zwei Millionen Euro kostet die Uniklinik Freiburg das Ende im „Fall Friedl“. Auf diese Abfindungssumme haben sich Hans-Peter Friedls Anwälte, das Land und die Klinik nun geeinigt.

Der Mediziner, der einst als jüngster Klinikleiter in Freiburg zunächst für Furore unter der Ärzteschaft, dann für Angst und Schrecken unter den Patienten und schließlich für nahezu endlose Kosten bei Land und Klinik gesorgt hat, scheidet damit neun Jahre nach seiner Suspendierung und sechs Jahre nach seiner Verurteilung wegen Pfusch am Patienten aus dem Beamtenverhältnis aus. Die Abfindung von 1,98 Millionen Euro hat die Grünen Politikerin Edith Sitzmann scharf kritisiert, die sich viele Jahre lang hartnäckig für eine Suspendierung des Arztes und ein Novellierung des Beamtenrechts eingesetzt hat.

Der „Fall Friedl“ war ein Medizinskandal, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte: Im Herbst 2000 wurde ein Disziplinarverfahren gegen den damaligen Chef der Unfallchirurgie der Freiburger Uniklinik Hans Peter Friedl eingeleitet. Das Gericht kam am Ende des Verfahrens zur Auffassung, dass der Arzt sich der fahrlässigen und der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig gemacht hatte. In zahlreichen Fällen hatte Friedl sich Pfusch am Patienten geleistet. Es gab Fälle, in denen Operationstücher oder Bohrerspitzen in Wunden eingenäht wurden, schwere Infektionen wurden nicht hinreichend behandelt und einige Patienten des Arztes erlitten bleibende Schäden. Im Fall der vergessenen Bohrerspitze operierte Friedl seinen Patienten ein zweites Mal, ohne ihn über die Hintergründe zu informieren. Ärzte sagten zudem vor Gericht aus, dass in der Chefetage der Klinik nicht sofort auf ihre Beschwerden gegen Friedl reagiert worden sei.

Als der Chirurg Anfang 2003 schließlich zu einer Geldstrafe von 24.300 Euro verurteilt wurde, wurde das milde Urteil scharf kritisiert. Friedl, der längst suspendiert war, versäumte es, sich für seine Fehler zu entschuldigen und blieb auf der Gehaltsliste des Landes stehen. Der Staatsanwalt hatte ein dreijähriges Berufsverbot, 100.000 Euro Strafe und eine Haftstrafe zur Bewährung gefordert. Hätte er sich durchgesetzt, so wären dem Land und der Klinik viele Kosten erspart geblieben, denn Friedl wäre aus dem Landesdienst entlassen worden. So aber kassierte er über Jahre hinweg angeblich bis zu 6.000 Euro monatlich für seine C4-Professur, es kamen rund 100 Monatsgehälter zustande, eine stolze Summe von bis zu 600.000 Euro.

 Drei Jahre war er als Klinikleiter in Freiburg tätig, die Folgekosten liegen bei rund 2,5 Millionen Euro.

(Ralf Deckert)


 


 

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