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Statistik Baden-Württemberg

Nur leichter Stellenabbau trotz Verlust von 16000 Arbeitsplätzen in der Industrie im Südwesten

Im 1. Quartal 2009 gab es in Baden-Württemberg insgesamt 5,56 Millionen Arbeitsplätze. Das sind rund 1 000 Jobns weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Wie das Statistische Landesamt nach ersten vorläufigen Berechnungen des Arbeitskreises »Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder« mitteilt, ging damit der fünf Jahre währende Stellenzuwachs im Land zu Ende. Im Vergleich zum Schlussquartal 2008 lag die Zahl der Arbeitsplätze allerdings um 103 000 niedriger. Eine Abnahme der Erwerbstätigenzahl ist im ersten Quartal zwar üblich, der Stellenrückgang war mit einem Minus von jeweils 41 000 in den Jahren 2007 und 2008 aber nicht einmal halb so stark ausgefallen.

Bei den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern gab es im 1. Quartal 2009 noch ein leichtes Stellenplus. Nach vorläufigen Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im März 2009 fast 3,87 Millionen Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 2 500 mehr als im März 2008. Dabei dürfte die vermehrte Inanspruchnahme der konjunkturellen Kurzarbeit die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den baden-württembergischen Arbeitsmarkt spürbar abgemildert haben. Im März 2009 arbeiteten in Baden-Württemberg fast 212 000 Arbeitnehmer in mehr als 6 600 Betrieben kurz, so viele wie seit 1993 nicht mehr. Anders als bei den Arbeitnehmern erreichte die Zahl der Selbstständigen von Januar bis März 2009 auch wegen des Rückgangs bei der geförderten Selbstständigkeit nicht mehr das Niveau des entsprechenden Vorjahresquartals.

Südwesten stärker von der Krise betroffen als andere Bundesländer

Die Erwerbstätigkeit entwickelte sich im Südwesten von Januar bis März 2009 ungünstiger als im Durchschnitt aller Bundesländer. Bundesweit gab es gegenüber dem Vorjahresquartal noch einen leichten Stellenzuwachs um 48 000 oder 0,1 Prozent, in den alten Ländern ohne Berlin stieg die Zahl der Arbeitsplätze um rund 65 000 bzw. 0,2 Prozent. Baden-Württemberg verbuchte unter den alten Flächenländern gemeinsam mit Rheinland-Pfalz das zweitschlechteste Ergebnis. Lediglich im Saarland war der Stellenabbau stärker als hierzulande. Hamburg und Berlin erreichten im 1. Quartal 2009 mit 1,6 bzw. 1,5 Prozent Zuwachs bundesweit die beste Arbeitsplatzbilanz.

Ausschlaggebend hierfür war die unterschiedliche Entwicklung der Erwerbstätigkeit in den einzelnen Wirtschaftsbereichen. Am stärksten von der Rezession und damit auch vom Stellenabbau betroffen war das Produzierende Gewerbe, das in Baden-Württemberg vergleichsweise stark vertreten ist. In der Industrie im Südwesten gab es im 1. Quartal 2009 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum 16 000 Stellen weniger, davon alleine 13 000 im Verarbeitenden Gewerbe und 3 000 im Baugewerbe. Von den 78 000 Industriearbeitsplätzen, die bundesweit abgebaut wurden, entfiel damit jeder fünfte auf Baden-Württemberg. In den Dienstleistungsbereichen gab es dagegen ein Plus von rund 14 000 und in der Land- und Forstwirtschaft ein Plus von knapp 1 000 Arbeitsplätzen. Allerdings sind inzwischen in allen Wirtschaftsbereichen Abwärtstrends in der Erwerbstätigenentwicklung zu beobachten. In den Dienstleistungsbereichen Handel, Gastgewerbe und Verkehr sowie bei den Unternehmensdienstleistern lag die Zahl der Arbeitsplätze bereits im 1. Quartal 2009 unter den entsprechenden Vorjahresniveaus. Lediglich im Bereich öffentliche und private Dienstleister, und hier allen voran im Gesundheitswesen, gab es noch ein Plus von 17 000 Arbeitsplätzen.

Deutlich weniger Leiharbeitnehmer

Einiges spricht dafür, dass sich der Abwärtstrend in der Erwerbstätigenentwicklung im zweiten Quartal 2009 fortsetzen wird. Die Frühindikatoren, die der Erwerbstätigkeit erfahrungsgemäß vorauslaufen, zeigen eine solche Entwicklung an. Die reale Wirtschaftsleistung schrumpfte in Baden-Württemberg im 1. Quartal 2009 um fast 6 Prozent und im zweiten Quartal 2009 wird nach Angaben des Statistischen Landesamtes für Baden-Württemberg sogar ein Rückgang um fast 9 Prozent erwartet. Die Zahl der Arbeitnehmer in der Zeitarbeitsbranche – Leiharbeiter – ist seit ihrem Höchststand im Juli 2008 bis März 2009 von 87 000 auf 54 000 gesunken. Gegenüber März 2008 lag die Zahl der Zeitarbeitnehmer um 35 Prozent niedriger. Auch die Zahl der gemeldeten Stellen setzte nach neuesten Angaben der Bundesagentur für Arbeit bis Mai 2009 ihren Abwärtstrend fort und lag um 30 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Nicht zuletzt spiegelt auch die Entwicklung der konjunkturell bedingten Kurzarbeit1) die Auswirkungen der massiven Auftragsschwäche insbesondere im Südwesten wider. 

In den Monaten März bis Mai 2009 gingen aus konjunkturellen Gründen bei der Bundesagentur für Arbeit für insgesamt rund 308 000 Beschäftigte im Land Anmeldungen zur Kurzarbeit ein. Allerdings war bei der Zahl der Anmeldungen zur Kurzarbeit in den letzten Monaten ein fallender Trend zu beobachten. Vor Beginn der Kurzarbeit müssen die Betriebe eine Anzeige über den Arbeitsausfall erstatten. Die Anzeigen können somit als potentielle Zugänge zur Kurzarbeit interpretiert werden. Wie viele Personen tatsächlich kurz arbeiten, wird erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung sichtbar.

Ob bzw. wie stark sich die Zunahme der Kurzarbeit letztendlich auf die Zahl der Arbeitsplätze auswirkt, wird davon abhängen, inwieweit die Betriebe im Land die Auftragsflaute mittels Kurzarbeit überbrücken und Entlassungen vermeiden können. Dass dies nicht in allen Fällen gelingt, zeigt die aktuelle Entwicklung der Arbeitslosigkeit. In Baden-Württemberg liegen die Arbeitslosenzahlen seit Januar 2009 höher als ein Jahr zuvor. Im Mai 2009 wurden fast 61 000 Arbeitslose mehr gezählt als im entsprechenden Vorjahresmonat. Die Beschäftigungssituation dürfte sich daher im zweiten Quartal 2009 durch die gestiegene Arbeitslosigkeit verschlechtern. Allerdings blieb Baden-Württemberg auch im Mai 2009 mit einer Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent nach Bayern das Land mit der geringsten Arbeitslosigkeit. Bundesweit betrug die entsprechende Quote 8,2 Prozent.

(Redaktion)


 


 

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