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Armut ins Gespräch gebracht

Plakataktion der Freiburger AWO hat Welle der Solidarität losgetreten

Im vergangenen Juni haben in Freiburg einige Plakate mit vermeintlichen Kinderreimen mitten im Werbedschungel zwischen Bier- und Modewerbung für viel Aufsehen gesorgt: Sie thematisierten das Tabuthema Kinderarmut in der Stadt, ein Thema, das oft nicht gesehen wird, denn Armut ist mit Scham verbunden und wird von den Betroffenen gern versteckt. Die Aktion der Arbeiterwohlfahrt Freiburg (AWO) entfachte eine Diskussion in der Stadt und löste eine Welle der Solidarität für Kinder, die in Armut aufwachsen, aus, die es in solch einer Bandbreite zuvor nicht gegeben hat.

Mithilfe der Softwarefirma Lexware, der Werbeagentur Münchrath, der Werbemittelfirma Wall AG und der Stuckert Wohnbau AG konnte die AWO ihre Plakataktion über zwei Monate hinweg im Stadtbild verankern. Mit Sprüchen wie „Alle gehen zum SC, nur nicht Dennis, der ist arm“ habe man Kinderarmut ins Bewusstsein aller Bevölkerungsgruppen in der Stadt getragen, so AWO Geschäftsführer Jack Huttmann.

Die Welle der Spenden, ehrenamtlichen Engagements und Sachleistungen für arme Kinder in der Stadt sei bis heute spürbar: Ein Getränkehändler hat zusammen mit mehreren Herstellern über 700 Kisten Wasser, Saft und Apfelschorle gespendet, eine Tanzschule hat 10 Kinder zum Hip Hop Kurs eingeladen und ein Einkaufszentrum hat 200 Käsekuchen für den guten Zweck verkauft. „Durch die Plakataktion haben viele Firmen und Einzelpersonen erst gemerkt, dass sie etwas für arme Kinder tun können“, so der AWO Vorsitzende und frühere Freiburger Sozialdezernent Hansjörg Seeh. Wie viel Geld bis heute gespendet wurde, will Jack Huttmann nicht an die große Glocke hängen: „Jeder Euro zählt und kommt direkt den vielen AWO-Projekten für Kinder zugute!“

Auch in Freiburg gilt, dass etwa jedes fünfte Kind in Armut aufwächst. Die Folgen reichen von Gesundheitsproblemen durch Fehlernährung bis hin zu schlechteren Chancen am Arbeitsmarkt im Erwachsenenleben. „Es ist ein Skandal, dass sich unsere Gesellschaft noch immer Jugendliche ohne Hauptschulabschluss leistet, die am Arbeitsmarkt praktisch keine Chancen haben“, empört sich Hansjörg Seeh. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und fehlender künftiger Arbeitskräfte sei dies gesellschaftlich nicht zu verantworten. „Aber eine Milliarde Euro für Bildung kriegen die Länder nicht gestemmt, während kurz darauf 480 Milliarden Hilfe für die Banken in Deutschland bereit gestellt werden“, so Seeh weiter.

Daher habe man in der Stadt beschlossen, selbst aktiv zu werden. „Es ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, weiß Jack Huttmann. „Die strukturellen Probleme in Deutschland lösen wir nicht mit einer Spendenaktion, das ist eine Aufgabe der Politik!“ Gleichzeitig lobt Huttmann die Stadt für ihre Initiative, ein „1-Euro Mittagessen“ in Ganztagseinrichtungen für arme Kinder zu ermöglichen und 400.000 Euro für Sprachfördermaßnahmen zusätzlich bereitgestellt zu haben. „Unser neues KiTa Programm ermöglicht bald jedem Migrantenkind 30 Minuten zusätzliche Sprachförderung in der Woche“, freut sich der AWO-Chef.

Die erfolgreiche Plakataktion habe man auch anderen AWO Verbänden vorgestellt, so Huttmann. Und sie soll keine Eintagsfliege sein: Ab dem Sommer sollen neue Plakate in Freiburg dafür sorgen helfen, dass wenigstens die Tropfen weiter auf den heißen Stein fallen. „Der Spendenmarkt in Deutschland entwickelt sich mehr und mehr hin zu regionalem Engagement“, berichtet Hansjörg Seeh. Er sei daher vom weiteren Erfolg der Aktionen in Freiburg überzeugt.

(Ralf Deckert)


 


 

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