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Regional Wohnen im Alter

Neu in Bayern: innovative Alters-WG auf dem Lande

In oberbayerischen Weilheim wurde am Mittwoch die MARO Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen eG gegründet. Business-on.de sprach mit dem Initiator und einem der Vorstände, Martin Okrslar, über die geplanten Wohnprojekte nach dem Modell der “innovativen Wohnformen im Alter”, das schon jetzt ein übermäßiges Interesse findet.

business-on.de: Mehrgenerationen-Wohnen, Hausgemeinschaften, Demenz-WGs und Pflege-WGs gibt es schon einige. Was unterscheidet die MARO Genossenschaft von den bestehenden?

Martin Okrslar: Solche Wohnformen werden aufgrund ihrer hohen Lebensqualität und ihrer gemeinschaftlichen Ausrichtung bundesweit stark nachgefragt. Wir tragen dem Trend Rechnung, dass der Bau von lebenswertem Wohnraum für ältere Menschen auch im ländlichen Raum immer dringlicher wird. Aktuell beträgt die Zahl der über 80-jährigen bundesweit 4 Millionen, unter ihnen 741.000 Demenzkranke. Bis zum Jahr 2030 wird ihre Zahl um 64 Prozent steigen. Bisher jedoch werden diese neuen Wohnformen im Alter, auch “gemeinschaftliche Wohnformen” genannt, vor allem in den Städten oder Ballungsräumen angeboten. Wir bieten dies in Form einer Wohngenossenschaft eben fernab der Ballungsräume.

business-on.de: Überall wird vom Rückzug der Bevölkerung aus den ländlichen Bereichen gesprochen. Wieso sollte sich das ändern?

Martin Okrslar: Die demographische Entwicklung wird sehr kurzfristig dafür sorgen, dass wir alle mit dem Thema Pflege Erfahrungen in der eigenen Familie machen werden. Ich selbst bin durch solche Umstände im eigenen Familienkreis auf die Notwendigkeit gestoßen, dass sich hier etwas ändern muss. Und es lohnt sich nicht nur sozial, sondern auch langfristig finanziell, auf lebenswerte und auch langfristig bezahlbare Wohnmöglichkeiten im Alter zu setzen. Insbesondere die regionale Verwurzelung ist uns wichtig: besonders die Älteren möchten gern dort wohnen bleiben, wo sie immer schon waren. Tritt plötzlich der Demenz- oder Pflegefall ein und es sind keine Kinder, Nachbarn oder Freunde verfügbar, die sich um die Senioren kümmern, bleibt meist nur das Pflegeheim oder ein Pflegedienst. Beides bietet nicht immer die optimale Versorgung – egal ob in der Stadt oder auf dem Lande.

business-on.de: …und wie ist die Resonanz darauf?

Martin Okrslar: Wir bauen Wohnprojekte, bei denen der Mensch mit seinem Bedürfnis nach Anschluss und Selbstbestimmtheit Vorrang hat. Das allein hat bereits eine solche Sogkraft, dass wir bereits Reservierungen für Projekte erhalten, für die es noch nicht einmal verlässlich Baugrundstücke gibt.

business-on.de: : Warum das Modell der Genossenschaft?

Martin Okrslar: Unsere Häuser können ausschließlich auf den Schultern einer Anlegergemeinschaft entstehen, der die Sache am Herzen liegt – und die Genossenschaft macht genau das möglich. Es ist so oder so eine Geldanlage mit sozialer Wirkung. Finanziert wird der Bau der Wohnprojekte – ähnlich wie bei den Energiegenossenschaften – vor allem über die Einlagen der Mitglieder. Eine Beteiligung ist für Mitglieder mit Interesse an einem Wohnplatz, aber auch für Anleger mit dem Wunsch nach einer sozial verantwortungsbewussten Geldanlage möglich. Dabei orientiert sich die Wohngenossenschaft an den Statuten wie zum Beispiel denen der Energiegenossenschaften. Jeder trägt seinen Anteil dazu bei und kann zum Schluss davon profitieren, sei es durch eine Wohnung oder auch eine Ausschüttung.

Die Genossenschaft zahlt Anlegern eine Dividende von bis zu 4 Prozent und erwirtschaftet diese durch die Vermietung der Wohnungen und Wohngemeinschaften.

business-on.de: Welche Wohn-Modelle stehen derzeit zur Auswahl?

Martin Okrslar: Grundlegend stehen zwei Modelle zur Wahl. Zum einen die Demenz- oder Pflege-WG: Hier werden die speziellen Anforderungen wie Pflege und Betreuung durch Dienstleister gewährleistet .Als zweites Modell bieten wir das Mehrgenerationen-Wohnmodell an, das insbesondere im ländlichen Bereich von den Bürgermeistern und Stadträten als Zukunftsmodell gefordert wird. Und auch die Menschen vor Ort haben ein steigendes Interesse, in solche stark aus der Bürgerschaft getragenen Modellen zu wohnen.

business-on.de: Und wie sieht es mit der Geldanlage aus?

Martin Okrslar: Für beide Modelle werden Anleger gesucht. Jeder Anleger wird gleichzeitig Mitglied in der Genossenschaft und kann so für sich und nahe Verwandte vorsorgen, da bei der Wohnungsvergabe die Dauer der Mitgliedschaft natürlich eine Rolle spielt. Die Rendite der Geldanlage erwirtschaften wir aus der Vermietung. Bei Demenz- und Pflege-WGs wird das Eigenkapital für den Bau nur von Anlegern aufgebracht, beim Mehrgenerationen-Wohnen bringen die künftigen Bewohner selbst etwa 15 Prozent der gesamten Kosten als Eigenkapital auf. Darüber hinaus benötigen wir natürlich auch bei diesen Modellen Menschen, die ihr Geld in ein ethisch sinnvolles Projekt investieren wollen.

business-on.de: Wo entstehen derzeit solche Projekte?

Martin Okrslar: Derzeit stehen wir in Verhandlungen mit den Verantwortlichen in Weilheim und Bernried. Zudem suchen wir noch nach einem geeigneten Grundstück im Landkreis Miesbach und in Oberammergau. Unsere Planung sieht mindestens zwei Wohnprojekte pro Jahr vor.

Genossenschaftsanteile können ab dem 22.8. 2012 gezeichnet werden.

Info: Die MARO Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen eG wurde von einem fünfköpfigen Gründungsteam errichtet. In das Amt des Aufsichtsrats wurden folgende Personen gewählt: Christine Fremmer, Gründerin des gemeinschaftlichen Wohnprojekts altinum in Schongau und Steuerberaterin mit 25 Jahren Erfahrung, der Coach und Unternehmer Jürgen A. Weber aus Münsing und Guntram Windels aus Weilheim, ein emeritierter Jurist, der einen ambulanten Pflegedienst mit 650 Mitarbeitern aufgebaut und geführt hat. Neben Martin Okrslar wurde Finanzfachfrau Inge Schmidt-Winkler aus Raubling als Vorstand bestellt. 

(Edda Nebel)


 


 

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