Sie sind hier: Startseite Südbaden Lokale Wirtschaft Startups
Weitere Artikel
  • 01.12.2008, 11:12 Uhr
  • |
  • Südbaden
Semantisches Ideenmanagement

Semantisches Ideenmanagement - Modernes Vorschlagswesen mit Web 3.0 Technologie

Im Nachgang zum siebten Ideenwettbewerb des Heidelberger Innovationsforums führte business.on ein Interview mit Rico Wyder, CEO der in Zürich ansässigen Cassiber AG. Diese entwickelt eine neue Technologie für effizienteres innerbetriebliches Vorschlagswesen, das sogenannte „Ideenmanagement“.

Auf dem Heidelberger Innovationsforum reichte es für Cassiber nicht zum Gewinn des Hauptpreises, einem Business Coaching durch die Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg Connected (bwcon). Diesen gewann Frank Maute (booc GmH), mit einer onlinebasierten Software für Veranstaltungsmanagement. Aber bei näherer Betrachtung bekommt man auch nicht den Eindruck, daß Cassiber dieses Coaching wirklich nötig hätte. Die Cassiber Software basiert auf den Grundprinzipien des semantischen Webs, oftmals auch als „Web 3.0“ bezeichnet. Sie soll das Ideenmanagement effizienter und auch interaktiver machen.

Simon Schoop, Experte für Innovation & Change, führte für uns mit Rico Wyder, dem CEO von Cassiber, ein Interview.

Ideen als Quelle von Innovation

Business-on: Herr Wyder, Ihr Firmenname Cassiber ist abgeleitet aus dem altdeutschen Wort „Kassiber“. Kassiber ist eine Mitteilung, welche sich über die Mauern eines Gefängnisses hinweg setzt. Das heißt ja wohl, Sie verstehen sich als Befreier von Ideen und wollen mit Ihrer Software mittelständische Firmen wie auch Großkonzerne dabei unterstützen, das volle Potenzial der Ideen aller Mitarbeiter nutzbar zu machen? Wie tun Sie das, d.h. was macht Ihre Software so einzigartig und wie funktioniert sie?

Wyder: Wir bieten ein Ideenmanagement als Software- oder Online-Lösung an. Bei unserer Lösung werden die Ideen aller Mitarbeiter gesammelt und untereinander vernetzt – erst dann werden sie weiterverarbeitet. Wiederkehrende Ideen werden vom System erkannt, währenddessen auch der Reifegrad der Ideen erkannt werden. Bei unserer Lösung werden die Mitarbeiter mit in den Prozess einbezogen, um die Ideen in einer ersten Phase weiterzuentwickeln. Jeder kann sein Wissen einfließen lassen, bevor es zum Management weitergereicht wird. Unsere Lösung unterscheidet sich schon bei der Eingabe von anderen: Wir bieten SMS, Spracherkennungs-, E-Mail und andere Gateways an. Diese sind offen, d.h. man kann selber ein Gateway programmieren, um Ideen in dem Moment zu fassen, wenn der Mitarbeiter sie hat: zu Hause, unterwegs oder in einem Meeting.

Business-on: Das heißt, daß der erste Mehrwert Ihrer Lösung es ist, rund um die Uhr Ideen der Mitarbeiter zu sammeln?

Wyder: Genau. Der Hauptunterschied zu anderen Lösungen kommt nach der Ideeneingabe. Wir vernetzen die neu eingegebene Idee mit allen schon vorher eingegebenen, verwandten Ideen und versuchen Parameter und Ähnlichkeiten zu erkennen, um Redundanzen zu vermeiden. Das System soll zugleich immer den Reifungsprozess einer Idee erkennen und sie dementsprechend weiterverarbeiten.

Business-on: Ist diese Intelligenz der „Aussortierung“ von wiederkehrenden Ideen Ihr Alleinstellungsmerkmal ? Oder wie unterscheidet sich die Cassiber Software von den Wettbewerbern?

Wyder: Neben der kollaborativen, also gemeinschaftlich nutzbaren Oberfläche sehe ich unser Alleinstellungsmerkmal im „Clustering“, das heißt dem Einordnen im richtigen Kontext. Im zweiten Schritt errechnen wir die Relevanz der Idee anhand der Zusammenarbeit der Mitarbeiter und die Strategie des Managements. Die Firma kann individuelle Faktoren angeben, um damit die Berechnung der Ideenrelevanz zu optimieren.

Einfache Anpassung an die Kundenbedürnisse

Business-on: Wie aufwändig ist es, branchen- oder firmenspezifische Kriterien einzubauen, um die Ideenrelevanz passgenau zu berechnen?

Wyder: Wir haben bereits in der kostenlosen Version eine „dynamische Kriterienanalyse“ integriert, die vom Kunden selber definiert und gewichtet werden kann. Dies ist aber nur ein Filter für einzelne Geschäftsbereiche und hat keinen Einfluss auf den Kern des Idea-Ranking. Ein Marketing Manager kann sich einen eigenen Filter über den Idea-Rank legen, damit nur für ihn relevante Ideen selektiert werden. Man kann aber auch den Idea-Rank unternehmensspezifisch anpassen. Das System lernt sozusagen die „Sprache des Unternehmens“ und passt sich daran an. Wir erstellen so eine eigene Ontologie für das Unternehmen. Wenn zusätzliche Begriffe oder Kriterien eingebracht werden sollen, ist der Aufwand für uns nicht sehr hoch.

Business-on: Angenommen, es kommt ein Unternehmen mit zehntausend Mitarbeitern auf Sie zu und möchte Ihre Lösung bei sich integrieren. Wie lange dauert es ungefähr, das Produkt anzupassen?

Wyder: Der Prozess hängt davon ab, wie weitreichend die Systemanpassung erfolgen soll. In welches System soll die Software integriert werden? Oder kommt auch unsere Online Lösung in Frage? Pauschal ist die Gesamtdauer schwer abzuschätzen.

Semantische Softwarelösungen für jegliche Innovationsprozesse – auch  jenseits des Ideenmanagements

Business-on: Was sehen Sie als die kommenden Geschäftsfelder oder Anwendungsszenarien jenseits des Ideenmanagements?

Wyder: Wir werben jetzt schon mit einer Plattform, die intern und extern Innovationsprozesse unterstützen kann beispielsweise eine Open-Innovation-Plattform auf der eigenen Website oder in öffentlichen Foren. Als weitere Einsatzbereiche sehen wir alle Formen, die an den eigentlichen Innovationsprozess anschließen, wie z.B. Kundenfeedback, Beschwerdemanagement oder auch Knowledge Management.

Business-on: Ich bedanke mich für das interessante Gespräch.

Das Interview wurde geführt von Simon Schoop, Inhaber der 4-advice GmbH, der Unternehmensberatung für Innovation und Change.

4-advice GmbH
Hochkreuzallee 1
53175 Bonn
www.4-advice.net

(Redaktion)


 

 

Cassiber
Wyder
Schoop
Web 3.0
Ideenmanagement
Vorschlagswesen
Wehrwert

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Cassiber" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: