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Verlorenes Gepäck

Sommerzeit ist Reisezeit - Ärger am Gepäckband

Der Flug ist glücklich überstanden, doch der Schreck folgt am Gepäck­band: Der Koffer kommt nicht. 32,8 Millionen Gepäckstücke wurden 2008 fehlgeleitet, mehr als 700 000 blieben ganz verschwunden. test.de nennt die Ursachen und sagt, was Betroffene tun können.

Zahlen, Daten, Fakten

Zwar ist die Zahl der seit der weltweit fehlgeleiteten Koffer und Taschen nach Angaben des Luftfahrtdienstleister SITA 2008 erstmals gesunken - um gut 20 Prozent. Doch immer noch verschwanden 32,8 Millionen Gepäckstücke (2007: 42,4). Das sind 14 Gepäckstücke pro tausend Passagiere oder 90 000 Gepäckstücke pro Tag. Die meisten Koffer tauchten nach spätestens zwei Tagen wieder auf. 736 000 Koffer oder 0,32 Gepäckstücke pro tausend Passagiere aber blieben ganz verschwunden. SITA schätzt die Zahl der Flugreisenden im letzten Jahr auf 2,3 Milliarden.

Warum Gepäck verloren geht

Nahezu jeder zweite Verlust entstand 2008 an großen Umsteige-Flughäfen, weil das Gepäck falsch umgesetzt wurde. Zum Vergleich: 2005 waren es noch zwei Drittel des fehlgeleiteten Gepäcks. Überdies wurde ein kleinerer Prozentsatz der Gepäckstücke beim Verladen vom Bodenpersonal einfach vergessen oder mit falschen Zielanhängern versehen.

Ursachen für den Rückgang

Dass die Zahl der fehlgeleiteten Koffer und Taschen nun erstmals zurück gegangen ist, hat laut SITA verschiedene Ursachen. So sei insgesamt weniger Gepäck von den Flugreisenden aufgegeben worden. Das könne unter Umständen daran liegen, dass immer mehr Fluglinien die Gepäckaufgabe berechnen. Hinzu kämen Verbesserungen in der Logistik , mehr verfügbares Personal und mehr Zeit bei der Gepäckaufgabe generell und ganz besonders bei Anschlussflügen.

Gepäck-Pannen europäischer Airlines

Die Vereinigung der Europäischen Luftverkehrsgesellschaften (AEA) hat kürzlich für 29 ihrer Mitglieder die Zahl der Gepäckverluste ermittelt. Auf dem letzten Platz landete die britische BMI mit 24,5 fehlgeleiteten Gepäckstücken pro 1 000 Passagiere. Die deutsche Lufthansa schaffte es mit 12 fehlgeleiteten Gepäckstücken pro 1 000 Passagiere auch nur in die unteren Ränge. Die geringsten Gepäckverluste hatte die ukrainische AeroSvit. Nur 3,6 Gepäckstücke gingen pro 1 000 Passagiere verloren.

Regelungen bei Gepäckverlust

Die Rechte der Fluggäste bei Unfällen, Verspätungen und auch bei Gepäckverlust, -beschädigung oder -verspätung regelt das 1999 unterzeichnete Montrealer Übereinkommen. Zu den Unterzeichnerstaaten zählen unter anderem die Länder der Europäischen Union, die USA, Japan und Australien. In Deutschland gelten die Regeln seit Mitte 2004. Ist das Gepäck verloren, beschädigt oder kommt verspätet, müssen die Airlines für den Schaden aufkommen. Maßgeblich für die Höhe der Kompensation sind die Angaben der Passagiere, was in den Koffern enthalten war. Wie Sie das nachweisen, lesen Sie in den Tipps unten: Gepäck weg, was nun?. Bis zu 1 130 Euro (Stand: 31.03.2009) Entschädigung sind drin. Fluggäste dürfen laut Abkommen sogar dann Schadenersatz fordern, wenn die Airlines das Gepäck wenige Tage später nachliefern. Sie können Ersatzkleidung und Toilettenartikel in Rechnung stellen.

Umsetzung hapert

Der britische Verbraucherverband der Flugreisenden, AUC, zeigt sich in seinem jüngsten Bericht jedoch enttäuscht, was die Umsetzung des Montrealer Übereinkommens anbelangt: Fluggäste bekämen fast nie den Wert der Dinge ersetzt, die in den fehlgeleiteten Gepäckstücken waren. Häufig würden die Airlines Kunden nach einer Liste der in den Koffern enthaltenen Sachen und den dazugehörigen Originalkaufbelegen als Nachweis fragen. Überdies setzten die Fluggesellschaften den Zeitwert der verlorenen Gegenstände weit unter dem Kaufpreis an. Zudem könne man kaum erwarten, dass Passagiere sämtliche Quittungen für den Fall aufheben, dass eines Tages ihr Gepäck verloren geht.

Gepäck weg, was nun?

  • Sofort melden. Gehen Sie sofort zum „Lost and Found“-Schalter, um den Gepäckverlust zu melden und eine Suchanzeige aufzugeben. Verstreicht die dreiwöchige Meldefrist nach Ankunft, haben Sie keine Ansprüche auf Schadenersatz mehr. Taucht Ihr Gepäck wieder auf, wird es Ihnen - bei einigen Airlines - kostenlos nachgeliefert.
  • „Overnight Kits“. Sind sie nicht gerade in Ihrem Heimatort gelandet und damit erstmal ohne Kleidung und Waschzeug, stellen einige Airlines sogenannte „Overnight-Kits“ mit den nötigsten Toilettenartikeln und Unterwäsche zur Verfügung. Bei manchen Fluggesellschaften dürfen betroffene Passagiere auch das Nötigste bis zu einem bestimmten Betrag einkaufen. Hier sind die Flugreisenden allerdings auf die Kulanz der Airlines angewiesen.
  • Ihre Ansprüche. Im Montrealer Übereinkommen ist festgehalten, dass Fluggesellschaften bei Gepäckverlust, -beschädigung oder -verspätung haften. Fluggäste können demnach Schadenersatz fordern, dessen Höhe sich idealerweise nach den Angaben der Passagiere, was im Gepäck war, berechnet. Bis zu 1 130 Euro (Stand: 31.03.2009) Entschädigung sind möglich. Am besten heben Sie dafür tatsächlich die Kaufbelege der eingepackten Dinge auf.
  • Absicherung. Wenn Sie wertvolles Gepäck mitführen und die Entschädigungsgrenze von 1 130 Euro nicht ausreicht, können Sie bei einigen Airlines bei der Gepäckaufgabe höhere Haftungsgrenzen vereinbaren. Das kostet aber extra. Die Zuschlaghöhen unterscheiden sich von Airline zu Airline. Genaueres erfahren Sie am jeweiligen Schalter der Fluggesellschaften. Stattdessen vorher eine richtige Reisegepäckversicherung abzuschließen, davon rät Finanztest ab. Grund: Reisegepäck ist weitgehend auch über die Hausratversicherung und zum Teil über Reiseveranstalter geschützt. Zudem müssten Sie sich quasi an Ihrem Gepäck festbinden, damit die Versicherung im Falle eines Verlusts überhaupt für den Schaden aufkommt.
  • Pauschalreisen. Haben Sie eine Pauschalreise gebucht, können Sie bei Gepäckverlust, -verspätung oder -beschädigung einen Teil des bereits gezahlten Reisepreises zurückfordern. Die Obergrenze von 1 130 Euro entfällt hier. Allerdings wird immer nur der tatsächliche Schaden ersetzt - beispielsweise bei Verlust der Wert des Gepäckinhaltes oder bei Verspätung Hygieneartikel und notwendige Kleidung. Als Pauschalurlauber sollten Sie bei Ankunft am Urlaubsort sofort ihren Reiseveranstalter informieren und sich vom örtlichen Reiseleiter die Mängelanzeige schriftlich bestätigen lassen. Eine reine Reisepreisminderung sieht das Montrealer Abkommen zwar nicht vor, Ihnen stehen jedoch zwischen 5 und 30 Prozent des Tagesreisepreises pro Tag ohne Gepäck zu. Fehlt das Gepäck während des ganzen Urlaubs, stehen Ihnen bis zu 50 Prozent des Gesamtreisepreises zu. Die Airline haftet nicht, wenn sie nachweisen kann, dass sie alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hat, um eine Verspätung zu vermeiden. Mehr Informationen finden Sie in Reiserecht: Richtig reklamieren.

(Redaktion)


 


 

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