01.02.2012  09:47 Uhr

International University of Cooperative
Geplatztes Anerkennungsverfahren - Stehen Studierende vor dem Nichts?

Südbaden/Freiburg. Die private Hochschule „International University of Cooperative Education“ (IUCE) in Freiburg hat die Zulassung als Hochschule durch den Wissenschaftsrat (WR) in Köln nicht geschafft. Die „TÜV-Zulassung“ für Hochschulen scheiterte an einer ganzen Latte von Faktoren, so der 61 Seiten lange Bericht des Rates.

Es ist in etwa so, als würde man sich einen Neuwagen kaufen, froh damit losfahren, nur um dann irgendwann gesagt zu bekommen, dass die Kiste nicht für den Straßenverkehr zugelassen ist.

So bemängelte die Expertenkommission in Köln, dass die Zahl der Professoren „gerade ausreichend“ sei, die Finanzierung sei „riskant“ und nur bis 2013 gesichert. Die Grundordnung der IUCE wurde seitens der Hochschule noch während des Akkreditierungsverfahrens umgekrempelt und neu vorgelegt. Ein Zeugnis von „mangelndem Verständnis für hochschulische Entscheidungsprozesse“, so der WR-Bericht. Gegenüber den Studenten, so moniert der WR weiter, sei die Akkreditierung immer nur als Formsache dargestellt worden. Insgesamt kommt der Rat zu dem Schluss, dass die IUCE „den wissenschaftlichen Maßstäben einer Hochschule derzeit nicht entspricht“.

500 Euro Studiengebühr pro Monat

Die IUCE wurde vom privaten, staatlich anerkannten ANGELL-Schulverbund ins Leben gerufen und orientiert sich am Modell der „Dualen Hochschulen“ im Land: Ihre derzeit 200 Studierenden sollen Studium und Praxisbezug unter einen Hut bringen. Die Studiengebühr beträgt 500,- € im Monat. Doch nach jetzigem Stand der Dinge, stehen die Studenten vor einer ungewissen Zukunft: Da die Hochschule im Kern derzeit eigentlich keine Hochschule ist, werden die Abschlüsse der im Sommer anstehenden ersten 30 Absolventen nicht anerkannt und sind unter Umständen nichts wert.

Das Debakel kommt nicht aus dem Nichts: So ist die Akkreditierung, die übrigens vom Land beantragt werden muss, im ersten Anlauf nicht einmal zur Prüfung zugelassen worden. Im laufenden Verfahren wurde mehrfach nachgebessert, ein Vororttermin in Freiburg soll die zuständigen WR-Mitglieder ebenfalls nicht überzeugt haben. Und so landete die IUCE am Ende unter den etwa 15 Prozent der privaten Hochschulen, deren Zulassung im ersten Anlauf scheitert. Das Procedere sieht dann so aus, dass die Institutionen gesagt bekommen wo sie nachbessern müssen und dann meistens im zweiten Anlauf die Akkreditierung erhalten. Für die Zeit bis dahin sind in solchen Fällen vorläufige Zulassungen möglich. Fraglich ist aber, ob die IUCE so viel „Luft“ hat, denn das Verfahren dauert Monate.

Ablehnender Entscheid anscheinend völlig überraschend

Ganz so prekär sieht zumindest Claude Kuhnen, der Sprecher des ANGELL-Schulverbunds, die Lage aber nicht: Klar, die Sorgen der Studierenden, von denen sich die ersten bereits mit Anfragen an den WR gewandt haben, könne man verstehen. Aber es sei unwahrscheinlich, dass am Ende die Absolventen mit nichts dastehen. Nun müsse man sich erst einmal ein Bild der Lage verschaffen, schließlich sei der Entscheid ja völlig überraschend gekommen, so Kuhnen. Doch das sehen wie erwähnt manche Bildungsexperten anders. An dieser Stelle wird auch die Rolle des früheren Freiburger Unirektors Wolfgang Jäger hinterfragt: Jäger ist Vorsitzender des Kuratoriums der IUCE und so etwas wie der wissenschaftliche „Vater“ der akademischen Entwicklung der Hochschule. Am Dienstag war er für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, aber nun sieht auch er sich, genau wie das Land Baden-Württemberg, mit der Frage konfrontiert, wie es so weit kommen konnte, dass die IUCE ihren Betrieb nicht nur ohne Akkreditierung, sondern vielleicht auch ohne Aussicht auf dieselbe aufnahm. Denn knapp soll die WR-Entscheidung nicht zu Ungunsten der IUCE gefallen sein.

Überarbeitung war nicht ausreichend – jetzt drängt die Zeit

Klar ist jedenfalls: Das Land hat die Unterlagen der IUCE zur Akkreditierung geprüft und das Verfahren begleitet. Die IUCE Freiburg habe nach ersten Gesprächen mit dem Wissenschaftsministeriums und dem Wissenschaftsrat ein gegenüber den ursprünglichen Planungen verbessertes Konzept vorgelegt, so eine Stellungnahme des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums vom Dienstag. Im weiteren Verfahren hätten sich dann zusätzliche Kritikpunkte ergeben, die vom Wissenschaftsrat thematisiert wurden.

Das Land habe daraufhin gegenüber der IUCE auf eine erneute Überarbeitung des Hochschulkonzeptes gedrängt, die aber eben nicht ausreichend gewesen sei. „Wichtig ist, nun die Sorgen der Studierenden der IUCE und ihrer Eltern ernst zu nehmen und sie damit nicht allein zu lassen“, so ein Sprecher des Ministeriums. Die IUCE müsse hierfür ein Konzept vorlegen. Doch damit will man es in Freiburg alleine nicht bewenden lassen: Auch das Land stehe nun in der Pflicht, betont Claude Kuhnen, schließlich habe es ja die IUCE über Jahre hinweg in ihrer Entstehung begleitet. Das klingt nach einem beginnenden Ping-Pong Spiel in Sachen Verantwortlichkeit und dürfte das Vertrauen der Studierenden an der IUCE zum jetzigen Zeitpunkt kaum stärken.


 

(Ralf Deckert)

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