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Stuttgarter Medienkongress

Social Media ist kein Hype

Sie verabreden sich mit ihren Freunden in sozialen Netzwerken und kaufen im Onlineshop, die Artikel, die andere User empfehlen: die Digital Natives. Das ist die Generation Internet, die mit digitalen Medien groß geworden ist. Doch wie reagieren Medienunternehmen auf diese Entwicklung?

Dieser und weiteren Fragen gingen Experten aus der Medienbranche beim 2. Stuttgarter Medienkongress im Geno-Haus am 2. Mai 2011 nach, den die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und die Hochschule der Medien (HdM) Stuttgart erneut gemeinsam organisiert haben. Medienpraktiker, Wissenschaftler, Schüler und Studierende diskutierten dort mit den mehr als 250 Teilnehmern.

Thomas Langheinrich, Präsident der LFK, eröffnete den Kongress: „Wir konnten die Besucherzahl noch einmal toppen“, bemerkte er stolz. Er freute sich über die zahlreichen jungen Teilnehmer ebenso wie über die bereits leicht ergrauten. Mathias Wierth-Heining vom Musik- und Jugendsender MTV führte in das Tagesthema ein. Für ihn ist die Nutzung von Social Media im Alltag angekommen. „Social Media ist alles andere als nur ein Hype“, erklärte Wierth-Heining. Er stellte fest, dass es der Generation Internet bei der Nutzung vor allem darum geht, gemeinsam mit Freunden zu interagieren und Spaß zu haben.

Danach diskutierten Vertreter verschiedener Medieneinrichtungen, unter anderem vom SWR, von bigFM / RPR1, den VZnet Netzwerken oder Bechtle Verlag & Druck, mit HdM-Professor Stephan Ferdinand darüber, ob Medienunternehmen für Social Media brennen. Dies wurde von allen bejaht. Zu ihrer Zukunft befand Sven Markschläger von den VZnet-Netzwerken, dass es bei seinem früheren Arbeitgeber einen 10-Jahres-Plan gab, während sein heutiger gerade 10-Wochen vorplanen könne– weil die digitale Welt sich viel schneller drehe.

In vier Panels vertieften die Kongressteilnehmer mit Theoretikern, Praktikern und Digital Natives die Themen „Transparenz/Datenschutz“, „Social Media Praktiker“, „Neue Geschäftsmodelle“ und „Empfehlungsmarketing“. Andreas Schuller vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und Professorin Dr. Lucia Reisch von der Zeppelin University Friedrichshafen untersuchten, wem „mein digitales Ich“ gehört. Die Expertin Reisch stellte unter anderem ihr Modellprojekt „Shoppen, surfen, simsen – Verbraucherinformationen für Digital Natives“ bei Facebook vor, das Nutzer darüber informieren will, wie sie ihre Privatsphäre-Einstellungen auf dem Laufenden halten und so die Verbreitung ihrer Daten kontrollieren können. Für die Digital Natives Scarlett Mangelberger und Nico Mäder steht allerdings fest: „Eine echte Alternative zu Facebook gibt es nicht. Deshalb nehmen wir auch diese Datenschutzlücken in Kauf.“

Für Radio-Mann Stefan Scheurer, der die SWR3-Land-Community vorstellte, ist die Community vor allem dafür gemacht, damit die Hörer dort über das Programm diskutieren können. Ein weiteres Beispiel lieferte Tobias Köhler von der Stuttgarter Zeitung. Der Leiter der Online-Redaktion tobt sich gemeinsam mit anderen Autoren aus Stuttgart auf dem Blog Brezel.me aus. Dessen Absender ist zwar die Stuttgarter Zeitung, doch ernste Berichterstattung findet man dort nicht. „Das Projekt bietet ein Spielfeld, um an die Leute heranzutreten, die wir sonst nicht mit der Stuttgarter Zeitung erreichen“, so Köhler. Digital Native Falk Ebert zu den vorgestellten Projekten: „Ich persönlich freue mich, wenn die alten Medien mitmischen, und ich lese auch sehr gerne Brezel.me.“

Wie man mit der Community Geld verdienen kann, beschrieb Robert Drakogiannakis von der Band „Angelika Express“. Die Musikgruppe setzte auf das Internet und auf ein neues Vertriebssystem: Die Fans finanzieren die Alben und sind quasi Anteilseigner der Band. „Sie fühlten sich als Kulturförderer. Wir waren dadurch nicht mehr so anonym für sie“, erklärt Drakogiannakis. Für den Digital Native Christian Steinert ist das ein hervorragendes Modell: „Ich kann mich damit identifizieren. Der Künstler sieht so, ob es in die richtige Richtung geht.“

Für die Partizipation schwärmt auch Jörg Plathner vom Unternehmen MairDumont, das unter anderem die Reisewebseite „Marco Polo“ betreibt. Für ihn stellt sich nicht die Frage, ob Empfehlungen von Experten oder Usern kommen sollen, vielmehr mache die Kombination das Nutzungserlebnis aus: „User-Empfehlungen werden wieder Input für unsere Fachautoren sein.“

Der „Stuttgarter Medienkongress“ selbst wurde maßgeblich von Studierenden der HdM konzipiert und gestaltet. Franziska Roth, Teilnehmerin des Qualifikationsprogramms Moderation der HdM, führte durch die Veranstaltung. Die Studenten-Teams kümmerten sich neben der Organisation auch um die inhaltliche Gestaltung des Kongresses, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das Marketing sowie um die Produktion des Eingangsfilms „Social Communities und die Digital Natives”.

HdM-Professor Dr. Boris Alexander Kühnle war mit dem „2. Stuttgarter Medienkongresses“ zufrieden: „Das Konzept ging wieder auf. Es wurde nicht nur über, sondern auch mit den Digital Natives diskutiert.“ Dr. Angela Frank, stellvertretende Präsidentin der LFK, ergänzte: „Wir sind sehr glücklich über die Kooperation mit der HdM. Die Veranstaltung lebt vom Engagement der Studierenden.“

(Redaktion)


 


 

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