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Kunden unterstützen Kaufhäuser

Tausende Unterschriften für Rettung von Karstadt

Der Riese ächzt unter seinen Schulden: Arcandor und damit Karstadt steht kurz vor der Insolvenz. Doch zehntausende Kunden im Südwesten wollen, das "ihr" Karstadt erhalten bleibt. Business-on.de nennt Gründe für die Schieflage und sagt, wieso die Warenhaus-Kette überlebensfähig ist. Darüber gibt es Informationen aus Filialen in Baden.

Karstadt gehört zu Arcandor, und Arcandor braucht Geld, viel Geld. Alte Kredite laufen aus, Banken wollen neue nicht finanzieren. Der Konzern möchte eine Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Millionen Euro und einen Kredit über 200 Millionen – doch ob es die geben wird, ist unsicher. Wieso sollte er Staat ein marodes Unternehmen retten, den Niedergang nur hinauszögern und am Ende Millionen Euro versenken? Die Entscheidung eilt – es droht die Insolvenz zum 12. Juni, weil dann ein großer Kredit beglichen werden muss.

Ralf Stehning ist Betriebsratsvorsitzender in Freiburg. Er betont: "Freiburg steht in der Rangfolge der Karstadt-Filialen ganz oben. Im Vergleich zum Vorjahr sind sowohl Ergebnis als auch Umsatz besser – und das ohne Personalabbau." Das Geschäftsjahr habe am 1. Oktober angefangen: "Die Zahlen für das erste halbe Jahr sind fantastisch. Die Wirtschaftskrise ist bei uns nicht angekommen, alle südbadischen Karstadt-Filialen haben hervorragende Zahlen."

Und woher kommt die finanzielle Schieflage? Stehning macht dafür das alte Management um Thomas Middelhoff verantwortlich. Fehlentscheidungen habe es gegeben. Hintergrund: Middelhoff kam 2005, fand den früheren Karstadt-Quelle-Konzern als Sanierungsfall vor und hinterließ ihn bei seinem Abgang im Dezember 2008 auch so. Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick übernahm Anfang 2009 das Ruder bei dem nun Arcandor genannten Konzern. Der Freiburger Betriebsratschef: "Seitdem redet man mit der Basis, seitdem gibt es Konzepte, da merkt man, dass der ganze Konzern nach vorne läuft." Was er betont: "Die Krise tut uns besonders weh, weil wir auf dem richtigem Weg sind. Probleme haben wir durch finanzielle Altlasten. Gäbe es die Wirtschaftskrise nicht, hätten wir die Refinanzierung (zur Refinanzierung Definition) schon durch. Auslaufende Kredite wären normalerweise verlängert worden, nun ist das schwierig." Allerdings gebe es auch bundesweit ein paar Filialen, bei denen es nicht so gut läuft.

Allein in Freiburg haben die Mitarbeiter bisher über 10 000 Unterschriften von Kunden zur Rettung von Karstadt gesammelt. Stehning: "Wir mussten die Kunden deshalb gar nicht ansprechen. Die sind reingekommen und haben gefragt "Wo kann ich unterschreiben?". Wir kriegen Schmetterlinge im Bauch bei dieser positiven Resonanz, das ist unbeschreiblich." Was er von der Regierung erwartet: "Das man uns bei den Zahlen und der Entwicklung nicht hängen lässt und nicht 56000 Arbeitsplätze kaputt gemacht werden."

Allein in Freiburg sind es über 400 Mitarbeiter, die um ihren Job bangen. Rund 280 Karstadt-Angestellte, Mitarbeiter der Migros-Filiale und bei einer Schmuckfirma im Haus, dem Essanelle-Friseur und in den Abteilungen meist selbständige Propagandistinnen z. B. für Haushaltswaren.

Weiter nördlich in Offenburg liegt die Karstadt-Filiale direkt in der Innenstadt, dort arbeiten rund 120 Mitarbeiter. Die stellvertretende Betriebsrats-Vorsitzende Angelika Doll sagt, das bislang 6000 Unterschriften von Kunden für den Erhalt gesammelt wurden. "Die unterschreiben fast alle, sie unterstützen uns voll." Mit den anderen Kollegen vom Betriebsrat war sie gestern in Nürnberg bei einer Demonstration der Quelle-Kollegen des Arcandor-Konzerns. "Wir haben sie unterstützt, die Kollegen von Quelle waren auch am Mittwoch vor einer Woche in Berlin dabei, als wir demonstriert haben." Seit 14 Jahren ist Angelika Doll bei Karstadt: "Ich arbeite hier sehr gern. Das Sortiment ist gut und die Mitarbeiter halten zusammen." Der Umsatz in Offenburg sei sehr gut – auch durch die Franzosen, die mit der Euro-Einführung häufig in Deutschland einkaufen. Die beiden Geschäftsführer in Offenburg und Freiburg waren heute nicht erreichbar.

Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro hat ein Angebot zur Übernahme der Karstadt-Warenhäuser gemacht. "Wir sind sicher, dass wir von den 90 Häusern 60 übernehmen und in unser Galeria-Kaufhof-Konzept integrieren können", sagte Metro-Finanzvorstand Thomas Unger der Tageszeitung "Die Welt". Der Freiburger Betriebsratsvorsitzender Ralf Stehning kritisiert daran, dass ein Drittel der Häuser schließen würde und befürchtet auch im Nachhinein weitere Schließungen, wenn das derzeit unterschiedliche Sortiment angeglichen werde. Er ist gegen diese Übernahme.

Karstadt hat in folgenden Orten Filialen in Baden-Württemberg: Esslingen, Freiburg, Karlsruhe, Karlsruhe Sporthaus, Konstanz, Konstanz Sporthaus, Leonberg, Lörrach, Ludwigsburg, Offenburg, Singen, Stuttgart Bahnhof Sporthaus und Stuttgart Stadtmitte.

(Redaktion)


 


 

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