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Bio versus konventionelles Fleisch

Die Deutschen essen gerne Fleisch. Und die Deutschen essen gerne billig. Wozu eine Geringschätzung des Essens führen kann, ist in beunruhigender Regelmäßigkeit an Lebensmittelskandalen zu erkennen. In der Konsequenz gelobt der Konsument Besserung und setzt auf Biokost. Doch ist Bio wirklich besser als konventionelles Fleisch, das eventuell sogar beim Discounter angeboten wird?

Aktuell scheint die Lust auf Fleisch gebremst. Die Lebensmittelbranche, insbesondere durch die derzeitigen Skandale auch die Fleischerzeugnisbranche steht unter enormen medialen Beschuss. Kaum ein Tag scheint zu vergehen, an denen kein neuer Betrugsfall aufgedeckt wird.

Gesellschaftlich lässt sich stets mit der Entdeckung eines neuen Skandals ein kurzzeitiges Umdenken hinsichtlich des Verbraucherverhaltens bemerken. Dort wo medial etwas an die Öffentlichkeit dringt und dort für die entsprechende Kritik sorgt, wird zum einen von den Behörden schneller etwas getan. Zum anderen wird von Verbrauchern der Konsum intensiver hinterfragt und das Wie und das Woher der Lebensmittelerzeugung rückt verstärkt in den Fokus. Während sonst meist nach preiswerten Angeboten gegriffen wird, distanziert sich der Konsument kurzweilig von der vorherrschenden Billigwahn-Mentalität.

Statt beim Discounter wird wieder vornehmlich Frischware gekauft. Denn wer sich vor Betrug, also nicht gekennzeichneten Zusätzen in den Lebensmitteln schützen will, so der Rat eines Experten, kauft frisch und bestenfalls von regionalen Anbietern. So ist gewährleistet, dass zum einen das Produkt möglichst über kurze Lieferwege transportiert wird, zum anderen ist der Herstellungsweg transparenter als bei beispielsweisen Fleischeinkäufen aus dem Ausland. Kurz: Der Kunde weiß, woher sein Fleisch stammt.
Zusätzlich wollen sich Konsumenten gerne absichern, indem sie auf Bio-Fleisch statt auf das Steak vom konventionellen Tier zurückgreifen. Ärgerlich nur, dass der vermeintlich qualitative Unterschied sich nicht selten gravierend im Preis bemerkbar macht. Ein Steak, um beim Fleisch zu bleiben, dass das Gütesiegel „Bio“ trägt kostet oft doppelt so viel wie das vom Tier aus konventioneller Haltung.

Lohnt sich die Mehrausgabe für eine Biomarke?

Als Argument für den höheren Preis dienen oft geschmackliche Unterschiede. Aber laut dem Untersuchungsergebnis von „Stiftung Warentest“ konnten qualitative Unterschiede im Test nicht nachgewiesen werden. Test.de hatte 80 Rückensteaks vom Ökoschwein mit konventionellen Schweinesteaks verglichen und ist zu dem Ergebnis gekommen,  dass das Ökosteak weder besser schmeckt noch appetitlicher riecht. Auch wässerte das konventionelle Fleisch kaum mehr als das Biofleisch.

Ebenfalls sei das Futter nur bedingt herauszuschmecken. Im Gegenteil: stehe viel Kraftfutter auf dem Speiseplan, ließe sich der Verbraucherwunsch nach viel intramuskulärem Fett leicht erfüllen. Das besteht aus winzigen Fettdepots im Muskelfleisch, die ausschlaggebend für den Geschmack des Fleisches sind.
Einziger Pluspunkt für das Biofleisch sei die gesundheitliche Komponente. Bei amtlichen Kontrollen wurden bundesweit bei jedem 300. Schein aus konventioneller Haltung Antibiotikarückstände festgestellt. Allerdings würden diese Rückstände enorm schnell vom Tier verwertet. Trotzdem könnten durch die Zufüttern von Antibiotika oder anderen Medikamenten resistente Bakterien im Fleisch entwickeln, die mit dem Essen in den menschlichen Darm gelangen und dazu führen könnte, dass bei einer Krankheit Antibiotika versagen.  
Bei den vielen Konjunktiven bleibt die Frage, ob sich die Mehrausgaben für Fleisch von Tieren aus biologischer Haltung lohnt?

Biofleisch: Mehr Tierschutz als Geschmack?

„Nein“, heißt es seitens von Lebensmittelexperten- und -kontrolleuren des Veterinär- und Verbraucherschutzamtes im Landkreis Helmstedt. Das Gütesiegel „Bio“ beziehe sich eher auf den Tierschutz, sprich auf die Haltungsform der Tiere, auf die Anbauweise des Gemüse, des Obst, oder eben des Tierfutters. Mit anderen Worten: Tiere würden definitiv zum Kauf von Bioprodukten raten, dem Gaumen hingegen ist die Wahl der Tierhaltung sicher einerlei.

Für den Geschmack einzig wichtig sei die Genetik des Tieres. So  fand auch Stiftung Warentest starke Qualitätsunterschiede sowohl unter den getesteten Biofleischstücken als auch unter den Proben des konventionelles Fleischs. Ob ein qualitativ gutes Stück Fleisch auf dem Grill brutzelt sei vor allem auch eine Glücksache beim Einkauf.

Das hieße jedoch nicht, dass Biosiegel unnütz oder schlecht seien.
So verzichtet beispielsweise die Marke „Landjuwel“ komplett auf die Zugabe von Medikamenten. Die Philosophie des Siegels „Demeter“ ist es, die Tiere konsequent so zu behandeln, dass Angst, Stress und Schmerzen vermieden werden können. Und auch „Bioland“ sowie andere ökologische Verbände setzen auf artgerechte Tierhaltung, auf Transparenz und auf Richtlinien, die größtenteils strenger sind als die EU-Öko-Verordnungen.

Getreu dem Motto “ein glückliches und gesundes Schwein“ liefert hochwertigeres Fleisch, fühlt sich letztendlich auch der Verbraucher besser.

Wichtig ist aber vor allem, dass durch das auch dank Krisen und Skandale veränderte Kaufverhalten, die Billigpreisspirale gestoppt werden kann, die letztendlich Betrügerein, wie beim aktuellen Fleischskandal der Fall, begünstigt.
Gewissen und Geschmacksnerven könnten jedoch auch ohne Siegel befriedigt werden, indem auf regionale Produkte aus kleinem Handel zurückgegriffen wird, heißt es von den Kontrolleuren. Wer weiß, wo sein Schwein vor der Schlachtung im Dreck gewühlt hat, beißt mit weitaus weniger Skepsis in sein Steak.

(Katharina Loof)


 


 

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