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Sabine Prohaska

Sich im Team über eine Schlucht hangeln oder gemeinsam kochen?

Führungskräfte durchqueren mit dem Jeep die Sahara. Projektleiter hangeln sich durch Hochseilgärten. Erlebnislernen ist gefragt. Doch müssen die Seminardesigns hierfür stets „exotisch“ sein? Nein, sagt Sabine Prohaska, Trainer- und Coachausbilderin aus Wien. Sie müssen vor allem zielführend sein.

business-on.de:  Frau Prohaska, Manager balancieren in schwindelnden Höhen und steigen in tiefe Höhlen hinab. Immer mehr Unternehmen scheinen in ihre Trainings Elemente zu integrieren, in denen ihre Mitarbeiter gemeinsam etwas erleben. Welche „eher ungewöhnlichen“ Trainingsdesigns kennen Sie?

Sabine Prohaska: Viele. Die Angebotspalette reicht von den klassischen Outdoor- sowie Survivaltrainings, über Seminare, in denen die Teilnehmer gemeinsam kochen, malen, musizieren oder mit den verschiedensten Materialien etwas bauen bis hin zu Seminaren mit Pferden und Wölfen. Der Phantasie sind beim sogenannten Erlebnislernen keine Grenzen gesetzt.

Metaphern für den Betriebsalltag

business-on.de: Warum sind solche Seminarformen, zum Beispiel beim Teambuilding, so gefragt?

Sabine Prohaska: Weil viele Unternehmen die Erfahrung gesammelt haben: Wenn unsere Mitarbeiter gemeinsam eine Aufgabe oder Herausforderung meistern, dann schweißt dies sie stärker zusammen, als wenn sie nur im Seminarraum sitzen. Zudem bleiben die Lerninhalte besser haften, weil über das gemeinsame Erleben sogenannte Erinnerungsanker geschaffen werden.

business-on.de: Worin unterscheiden sich diese „Event-Trainings“ von den klassischen Trainings?

Sabine Prohaska: Der zentrale Unterschied liegt im unmittelbaren Erleben – zum Beispiel wie ein Team funktioniert. Oder wie eine Aufgabe gelöst werden kann, von der die Teilnehmern zunächst dachten: Das ist unmöglich. Dabei gilt es jedoch zu beachten: Das Erlebte stellt bei diesen Seminaren stets nur eine Metapher dar. Entsprechend wichtig ist die anschließende Reflektion. Zum Beispiel: Welches Verhalten haben wir beim Floß-Bauen gezeigt und was lernen wir daraus für unseren Arbeits- oder Führungsalltag? Erfolgt diese Reflektion nicht, wird das Erleben zum Selbstzweck, da kein Transfer erfolgt.

Die Kernfrage lautet: Was ist das Trainingsziel?

business-on.de: Eignen sich die verschiedenen Formen des Erlebnislernens eigentlich für jedes Trainingsziel? 

Sabine Prohaska: Nein. Die Ausgangsfrage muss lauten: Welches Ziel möchten wir mit der Trainingsmaßnahme erreichen? Das Trainingsdesign muss sich sozusagen dem Lernziel unterordnen, sonst wird Letzteres schnell nicht erreicht. Hierfür ein Beispiel: Angenommen ein Unternehmen möchte, dass seine Vertriebsmitarbeiter stärker als Team agieren. Dann würde ich dem Unternehmen keinen Raft empfehlen. Denn wenn ein Boot einen reißenden Fluss hinabgleitet, dann muss ein Insasse das Sagen haben und die anderen Insassen müssen sozusagen seinen Kommandos folgen. Denn in Stromschnellen ist zum Diskutieren keine Zeit. Sinnvoller wäre es in diesem Fall, gemeinsam ein Floss zu planen und zu bauen, damit jeder Teilnehmer seine Fähigkeiten und Fertigkeiten einbringen kann. 

business-on.de: Was kosten solche Seminare eigentlich?

Sabine Prohaska: Das variiert stark. Wenn ein Team nur gemeinsam kocht, dann ist dies selbstverständlich günstiger, als wenn es auf Kamelen eine Wüste durchquert. Allgemein gilt: Die Kosten sind in der Regel höher als bei einem klassischen Seminar. Denn bei Seminaren, die stark auf ein Erlebnislernen speziell in der Natur setzen, ist häufig neben dem eigentlichen Trainer eine geschulte Fachkraft wie ein Bergführer nötig. Außerdem benötigt man das passende Equipment.

business-on.de:  Welchem Zweck dienen Veranstaltungen, bei denen vor allem Abenteuer und Mutproben im Vordergrund stehen?

Sabine Prohaska: Sie verfolgen oft zwei Ziele. Zum einen den Aufbau von wechselseitigem Vertrauen, da es bei den integrierten Übungen häufig um die Frage geht: Inwieweit kann ich meinem Kollegen vertrauen beziehungsweise inwieweit bin ich bereit, ihm zu vertrauen? Zum anderen das Wahrnehmen und Verschieben eigener Grenzen – zum Beispiel indem man etwas tut, von dem man zunächst dachte: Das kann ich nicht. Solche Trainings kommen vor allem zum Einsatz, wenn in Unternehmen Veränderungen anstehen, die von dem Einzelnen neue Denk- und Verhaltensmuster erfordern.

Wichtig ist die Reflektion

business-on.de: Lenkt der Eventcharakter solcher Seminare nicht von den eigentlichen Trainingszielen ab?

Sabine Prohaska: Das kann geschehen. Deshalb ist die Reflektion des gemeinsam beziehungsweise individuell Erlebten unter professioneller Anleitung so wichtig. Denn den Teilnehmern erschließt sich oft nicht unmittelbar, was hieraus für ihren Arbeits- oder Lebensalltag folgt.

business-on.de:  Garantiert das eigene Erleben einen besseren Transfer in den Berufsalltag als ein rein theoretisches Vermitteln der Information?

Sabine Prohaska: Aus der modernen Hirnforschung weiß man, dass Erlebtes – vor allem wenn es mit positiven Emotionen besetzt ist – langfristig im Gehirn verankert wird; jedoch nur, wenn es entsprechend aufgearbeitet und verarbeitet wird. Erfolgt dieses Aufarbeiten nicht, bleibt nur das tolle Erlebnis im Gedächtnis haften. Der Lerneffekt tendiert also gegen null. Wie erwähnt, ist für den Lernerfolg die positive Emotion, also zum Beispiel das Erfolgserlebnis sehr wichtig. Deshalb sollten die Trainings die Teilnehmer zwar fordern, aber keinesfalls überfordern. Sonst ist die Gefahr groß, dass das Training zum Beispiel für eher unsportliche Teilnehmer zum Alptraum wird und das Gegenteil des intendierten Ziels erreicht wird.

Entscheidend ist der Transfer

business-on.de:  Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl der Veranstalter achten? Woran können sie im Vorfeld erkennen, dass bei dem Training vermutlich etwas Sinnvolles herauskommt?

Sabine Prohaska: Wie bereits gesagt, ist das Erleben kein Selbstzweck. Vielmehr soll die gewünschte Veränderung erreicht werden. Deshalb sollten Unternehmen unter anderem darauf achten, inwieweit die Trainer aufgrund ihrer Biografie dazu in der Lage sind, die hierfür nötigen Reflektions- und Transferprozesse bei ihren Mitarbeitern auszulösen. Sie sollten auch darauf achten, dass das Seminardesign ausreichend Zeit für den Transfer vorsieht. Erleben und Be- sowie Verarbeiten müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

business-on.de:  Welche Anforderungen stellen solche Trainings-designs an die Trainer?

Sabine Prohaska: Sie müssen zunächst ausgewiesene Fachkräfte für die jeweilige alternative Trainingsart sein – also zum Beispiel bei Kletterevents erfahrene Bergführer oder -steiger. Das ist wichtig für die Sicherheit der Teilnehmer. Sie müssen aber auch die Arbeits- und Kommunikationsprozesse in Unternehmen kennen und persönlichkeits- oder teambildende Prozesse bei Menschen auslösen und verantwortlich begleiten können. Also zum Beispiel eine Coaching- oder Trainingsausbildung haben. Eine Einzelperson kann diese Anforderungen oft nicht erfüllen. Deshalb kommen bei solchen Trainings häufig Trainerteams zum Einsatz.


(Andreas Lutz)


 


 

Trainingsdesign Sabine Prohaska Survivaltraining Betriebsalltag

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