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Zigarrenhersteller

Trotz höherem Umsatz Entlassungen bei Villiger

Der Umsatz des Waldshuter Zigarrenherstellers Villiger ist im vergangenen Jahr um gut acht Prozent auf 122 Millonen Euro gestiegen. Vor allem in Deutschland stieg der Umsatz. Dies, so Marcel Ziltener, Geschäftsführers CFO von Villiger, gegenüber business-on, vor allem im Bereich Handelsmarken, wo das Unternehmen nicht mit eigenem Namen zu erkennen ist. Trotzdem wurden kürzlich 22 Mitarbeiter entlassen – das Unternehmen nennt als Gründe höhere Herstellkosten und Pläne der EU. Villiger beschäftigt weltweit 840 Mitarbeiter, in Waldshut 180.

Zum 120-jährigen Jubiläum legt die Villiger Gruppe zu. Der Jahresumsatz 2008 der Villiger Gruppe ist um 8,3 Prozent auf 122 Mio. Eurogestiegen (2007: 112 Mio. Euro). Wesentlicher Wachstumstreiber war das deutsche Inlandgeschäft. Auch das Schweizer Geschäft erzielte durch die im Februar 2008 erfolgte Übernahme von „Wuhrmann Cigars“ ein Umsatzplus von 0,9 Prozent erzielen, dies trotz der zunehmenden Rauchverbote im Schweizer Markt. Lediglich der Export blieb hinter den Erwartungen zurück.

Die Villiger Gruppe trotzt der anhaltenden Wirtschaftskrise und den verstärkt auftretenden Rauchverboten. „Die Neulancierung der 1888 Longfiller Premium Cigarre war ein Riesenerfolg“, sagt Heinrich Villiger, Inhaber der Villiger-Gruppe. „Das Feedback der Kunden und Raucher ist überwältigend und bestätigt, dass wir den richtigen Kurs eingeschlagen haben“. Aber auch andere Klassiker wie die Original Krumme (in Deutschland unter dem Namen Curly & Culebras vermarktet) und das Cigarillo Sortiment zeigen Stärke in einem hart umkämpften Markt. Die 120-jährige Kompetenz in der Cigarrenmanufaktur hat sich bestätigt, sodass Villiger weiterhin auf Qualität und Innovation setzen wird.

Peter Witzke, Geschäftsführer der 840 Mitarbeiter zählenden Villiger Gruppe, ist trotz des verhalten Absatzes in den ersten Monaten für das laufende Jahr weiterhin optimistisch. Der Optimismus gründet auf eine Reihe von geplanten Neueinführungen im nationalen aber auch internationalen Bereich. Auch der Schweizer Markt entwickelt sich, trotz der Anti-Raucher-Stimmung, positiv: „Wir sind seit vielen Jahren ein führender Anbieter im Schweizer Zigarren- und Zigarillomarkt. Unsere strategischen Marken sind flächendeckend erhältlich und geniessen einen sehr hohen Bekanntheitsgrad“, sagt Peter Witzke.

Die strategische Aufbauarbeit in den wichtigsten Exportmärkten geht weiter voran und soll mittelfristig 50 Prozent der Unternehmenserlöse einspielen. In Frankreich, dem wichtigsten europäischen Markt, ist Villiger seit Anfang 2006 in Paris mit einer eigenen Vertriebsorganisation vertreten und trägt damit der Bedeutung dieses Marktes Rechnung. „In weiteren wichtigen Märkten haben wir neue Partnerschaften geknüpft, um das Potential besser erschließen zu können“, so Peter Witzke. Aufgrund dieser Aufbauarbeit wurden die erwarteten Ziele im Exportgeschäft noch nicht ganz erreicht. „Die Ergebnisse bestätigen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden, aber noch etwas Geduld üben müssen, bis die Aufbauarbeit abgeschlossen ist“, bestätigt Witzke weiter. In Deutschland stieg der Umsatz vor allem im Billigsegment der sogenannten Eco Cigarillos, was die Margen verringerte. Trotzdem wächst der Bekanntheitsgrad laufend und die Flächenabdeckung in Deutschland ist erfolgreich. „Durch die Integration der Longfiller Division El Mundo del Tabaco ab Oktober 2008 wurde das Ergebnis im vierten Quartal positiv beeinflusst“, sagt Peter Witzke.

Rauchverbote

Die anhaltenden Diskussionen über die Rauchverbote in der Gastronomie gehen nicht spurlos am Handel vorbei, wie die Zurückhaltung bei der Auftragserteilung für Tabakprodukte zu Anfang des Jahres 2008 gezeigt hat. „Die Genussraucher werden jedoch weiterhin Wege finden, eine gute Cigarre bzw. ein gutes Cigarillo entspannt zu rauchen“, sagt Peter Witzke. „Gegenüber der Zigarretten-Industrie haben wir den Vorteil, dass man die Cigarre geniesst und nicht einfach mal schnell vor die Türe geht. Unsere Kunden sind Aficionados, die ihre Cigarren auch in den eigenen vier Wänden genussvoll rauchen“, so Witzke weiter. „Wir begrüßen eine Bundesregelung für den Nichtraucherschutz in der Gastronomie, die eine räumliche Trennung von Rauchern und Nichtrauchern vorsieht, aber zur Zeit gibt es noch eine Vielzahl von Bundesländern bzw. Kantonen, die mit weiterreichenden Einschneidungen für den mündigen Bürger über das Ziel hinausschießen und somit zur gesellschaftlichen Ausgrenzung von einem Viertel der Bevölkerung führt“, sagt Peter Witzke.

Aussichten 2009

Die Lancierung der neuen Villiger Premium Aroma Linie mit den Geschmacksrichtungen Vanilla, Whisky und Aromatic war der Startschuss zu einer Produktoffensive, die sich über das Jahr hinweg weiter fortsetzen wird. Weitere innovative Produkte und Line Extensions von bestehenden erfolgreichen Marken werden in den kommenden Monaten die Genussfreunde beglücken. „Wachstum über Distributionsausbau und Neuprodukte gilt unserem Hauptaugenmerk. Vor allem im Export gibt es hier noch einiges aufzuholen. Das sind Chancen, die wir nutzen müssen, um der allgemeinen schwierigen Marktlage entgegen steuern zu können.“, sagte uns Peter Witzke. Das Potential dazu ist vorhanden.

Entlassungen

Rauchverbote, Kostendruck und Pläne der EU nennt Villiger als Gründe Entlassungen: Trotz einer zurzeit noch stabilen Absatzentwicklung dank der Erschließung von neuen Absatzkanälen im Inland wie auch im Exportgeschäft sollen Kosten deutlich reduziert werden. Von den 379 Beschäftigten des Unternehmens sind vom Personalabbau in den beiden Werken Waldshut-Tiengen und Bünde insgesamt 22 Mitarbeiter betroffen. Das Unternehmen sei sich seiner sozialen Verantwortung bewusst und habe um die wirtschaftlichen Nachteile für den Verlust der Arbeitsplätze der einzelnen Mitarbeiter zu mildern, mit den Betriebsräten ein Interessenausgleich und Sozialplan geschlossen.
Hintergrund: Die zunehmenden Rauchverbote in öffentlichen Räumen und insbesondere in der Gastronomie sowie die Preiserhöhungen der sogenannten ECO Zigarillos als Folge der Änderung der Zigarrendefinition zu Anfang des Vorjahres führten auch in Deutschland im I. Quartal dieses Jahres zu einem weiteren Rückgangder Nettoversteuerung von Zigarren und Zigarillos (Mengen) in Höhe von 21,1 Prozent. Bereits im I. Quartal des Vorjahres 2008 verzeichnete die Nettoversteuerung von Zigarren und Zigarillos einen Rückgang von 34,4 Prozent, der sich im Quartalsvergleich 2009 zu 2008 wohl abgeschwächt hat, aber nach wie vor laut Villiger dramatisch ist.

Von dieser Entwicklung, die zu einer beträchtlichen Erhöhung der Kosten führt, ist praktisch die gesamte deutsche Zigarrenindustrie betroffen. Zudem konnte die Umstellung des Maschinenparks für die Herstellung der ECO Zigarillos auf neue Formate und Produkteigenschaften als Folge der Definitionsänderung im Vorjahr nur unter großen personellen und finanziellen Anstrengungenumgesetzt werden. Damit reduzierte sich die netto versteuerte Menge von Zigarren und Zigarillos im I. Quartal des Vorjahres bereits um 551 Millionen Stück und im I. Quartal dieses Jahres um weitere 207 Millionen Stück für die gesamte Branche. Die damit verbundene Erhöhung der Herstellkosten konnte nicht im gleichen
Umfange an den Konsumenten durch höhere Verkaufspreise weitergegeben werden. Die EU-Kommission plant eine weitere Änderung der Zigarren- und Zigarillodefinition zum Ende dieses Jahres, die diesen Trend fortsetzen wird.

Die 1888 gegründete Villiger-Gruppe ist ein Schweizer Familienunternehmen in der vierten Generation, das international tätig ist. Jährlich werden in den Werken über 600 Millionen Cigarren und Cigarillos produziert. Die Gruppe beschäftigt weltweit 840 Mitarbeiter und erzielte 2008 einen Jahresumsatz von Euro 121,7 Mio. Die Schweizer Produktion befindet sich in Pfeffikon/LU, die deutschen Herstellungsbetriebe in Waldshut-Tiengen und in Bünde/Westfalen. Darüber hinaus werden in der indonesischen Freihandelszone Ngoro Tabakdeckblätter für die Produktion in Europa aufbereitet.

(Redaktion)


 


 

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