Volksabstimmung zu Stuttgart 21
So hat Freiburg entschieden
Südbaden. Mit kühlem Kopf und heißer Nadel gestrickt: Keine 72 Stunden nach Schließung der Abstimmungslokale legt das Amt für Bürgerservice und Informationsservice (ABI) bereits den Bericht „Volksabstimmung über die Gesetzesvorlage des S 21-Kündigungsgesetzes am 27. November 2011“ in Freiburg vor. Auf 25 Seiten versammelt er Ergebnisse und Analysen zum Abstimmungsverhalten der Freiburger Bürgerschaft beim Volksentscheid zu Stuttgart 21.
An Erklärungsbedarf mangelt es dabei nicht. Zum wiederholten Mal nahm am vergangenen Sonntag die Stadt Freiburg bei Wahlen oder Abstimmung eine Sonderrolle ein. Aus der Reihe der Ergebnisse in den übrigen Gemeinden mit über 30.000 Einwohnern fällt sie deutlich heraus. Nirgendwo war der Anteil der „Ja“-Stimmen für den S21-Ausstieg so hoch wie in Freiburg (66,5%). Mit Heidelberg (58%) und Tübingen (57,7%) folgen weitere Universitätsstädte und Grünen-Hochburgen. Nur in 13 der 57 Gemeinden mit über 30.000 Einwohnern fand das Kündigungsgesetz eine Mehrheit bei den Abstimmenden. Den höchsten Anteil an „Nein“-Stimmen weisen Ulm (69%), Schwäbisch Gmünd (67,7%) und Biberach an der Riss (67,3%) auf.
Die Abstimmungsbeteiligung hing erkennbar davon ab, in welchem Maße die Bürgerinnen und Bürger der jeweiligen Gemeinden vom Neubau des Bahnhofs in Stuttgart betroffen sind. Am höchsten war die Beteiligung in Leinfelden-Echterdingen (67,9%) – hier soll im Zuge der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm ein ICE-Haltepunkt am Flughafen entstehen – in Stuttgart selbst (67,8%) und in Ostfildern (66,4%). Das geringste Interesse fand die Volksabstimmung in den südbadischen Gemeinden Rastatt (28,8%), Lahr (30,3%), Weil am Rhein (31,6%) und Kehl (32,1%). Auch in Freiburg (44,6%) wurde der Landesschnitt um 3,7 Prozentpunkte verfehlt. Bei sonstigen Wahlen fällt Freiburg meist durch eine überdurchschnittliche Beteiligung auf, dies war am Sonntag nicht der Fall.
Unter den 21 Schaubildern und Tabellen sticht auch das Abstimmungsverhalten in den verschiedenen Freiburger Bezirken ins Auge. Hier reicht die Beteiligung von 65,8% im Vauban bis zu 25,6% in Weingarten. Auch das Maximum an Ja-Stimmen wurde im Vauban verzeichnet (83,8%), gefolgt von Oberwiehre (73,8%), Rieselfeld (72%) und Alt-Stühlinger (71,9%). Die höchsten Nein-Anteile wurden – mit einer Ausnahme – samt und sonders im Freiburger Westen und am Tuniberg gemessen. In Waltershofen waren 45,2% der Abstimmenden gegen den S21-Ausstieg, in Lehen 44,2%, in Landwasser und in Günterstal 42,7%, in Tiengen 41,6% und in Hochdorf 41,4%.
Eine der Erkenntnisse, die die Autoren des Berichtes daraus ziehen: Die Abstimmungsbeteiligung war am höchsten in den Hochburgen der Grünen und der FDP, hier lag sie auch deutlich über dem städtischen Durchschnittswert. In den Hochburgen der SPD und der Linken liegt sie deutlich, in den Hochburgen der CDU leicht unter dem Durchschnitt.
Alle weiteren Daten und Analysen sind dem Schlussbericht zu entnehmen, der in der Reihe „Beiträge zur Statistik der Stadt Freiburg im Breisgau“ erschienen und für 5 Euro plus Versandkosten beim Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung, Fahnenbergplatz 4, 79098 Freiburg, erhältlich ist. Zu bestellen ist das Heft unter Fax 0761/201-5522 oder statistik@stadt.freiburg.de. Außerdem kann der Bericht kostenlos unter www.freiburg.de/statistik heruntergeladen werden.
(Stadt Freiburg)
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