Sie sind hier: Startseite Südbaden Lokale Wirtschaft
Weitere Artikel
Salomon macht es Böhme und Keidel nach

Freiburgs Oberbürgermeister verteidigt sein Amt im ersten Wahlgang

Dieter Salomon (49, Die Grünen) hat es knapp geschafft und bleibt der vorerst einzige „grüne“ Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt. Im ersten Wahlgang konnte er sich gestern gegen seine Herausforderer, den Freiburger Kultur- und Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach (54, SPD) und den parteilosen Hochschullehrer Günter Rausch durchsetzen.

Rausch (58) war als Vertreter der Bürgerinitiative „Wechsel im Rathaus (WiR)“ der erste Freiburger OB-Kandiat, der aus einer Bürgerinitiative heraus zur Wahl angetreten war. Salomon erhielt 50,5 Prozent der Stimmen. 2002 war er im zweiten Wahlgang mit 64,4 Prozent der Stimmen gewählt worden. Kirchbach erreichte 29,2 Prozent, Günter Rausch konnte überraschende 20,1 Prozent erreichen.

Wie seine Vorgänger Eugen Keidel und Rolf Böhme (beide SPD) konnte der promovierte Politologe Salomon seine Wiederwahl also gleich im ersten Wahlgang unter Dach und Fach bringen. Und wie bei seinem Vorgänger Rolf Böhme zuletzt 1998 fiel auch bei Salomon die die Wahl recht knapp aus. Er zeigte sich nach Bekanntgabe seines Wahlsiegs dennoch erleichtert und froh: „Ich freue mich, bin sehr dankbar und unheimlich glücklich!“ Die knappe Mehrheit von 50,5 Prozent störe ihn nicht weiter, „Mehrheit ist Mehrheit“, so der Wahlsieger, der vor allem in den konservativeren Stadtteilen viele Stimmen gewinnen konnte und in seinen früheren Hochburger wie dem Öko-Stadtteil Vauban Stimmverluste hinnehmen musste. Dort konnte „Wir“-Kandidat Rausch in einem Bezirk gar 60 Prozent der Wähler für sich gewinnen.

Nachdenkliche Gesichter bei einigen Grünen und Zufriedenheit bei den CDU-Politikern auf dem Freiburger Rathausplatz, als um 19.06 Uhr das Wahlergebnis feststand. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so knapp wird“, so die Freiburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae. „Es ist ein Erfolg, der auch etwas nachdenklich macht, da wir Grüne Wähler an Günter Rausch verloren haben.“ Grünen Stadträtin Lioba Grammelspacher ergänzte: „Wir wussten, dass die Wahl kein Selbstläufer wird und sind nun froh, erfolgreich gekämpft zu haben.“ Glücklich mit dem Ergebnis zeigte sich der Freiburger CDU-Chef und Landtagsabgeordnete Klaus Schüle, der sich fast als Wahlsieger fühlen durfte, da die CDU in Freiburg in weiten Teilen mit Salomons Stadtpolitik einverstanden ist und erstmals keinen Kandidaten ins Rennen schickte: „Das war eine Punktlandung, die gut für Freiburg ist“, wenn man ihn frage, ob er „seinen“ Kandidaten durchgebracht habe, dann wiederspreche er „nur schüchtern“. CDU-Stadtrat Daniel Sander sagte, er hoffe, dass nun die Zusammenarbeit im Rathaus wieder besser in Gang komme, die Konkurrenz zwischen Salomon und von Kirchbach habe sich zuletzt lähmend ausgewirkt. FDP-Stadtrat Sascha Fiek sah das ähnlich: „Es wird spannend, wie die künftige Zusammenarbeit der beiden sich gestalten wird“, der Wahlabend lasse da wenig Gutes erwarten, so die einhellige Meinung der anwesenden Stadträte. Salomon watschte seinen Herausforderer von Kirchbach denn auch gleich im ersten Interview auf der Rathausbühne ab und ließ durchblicken, dass ihn die Kandidatur seines Bürgermeisterkollegen von Kirchbach noch immer nicht kalt lässt: Da bleibe sicher persönlich etwas haften, nun könne von Kirchbach seine „beschränkten Fähigkeiten“ ja wieder in die Dezernentenkonferenz der Stadt einbringen. Kirchbach konterte, er sei ein guter Wahlverlierer, nun hoffe er, dass Salomon sich als guter Gewinner erweisen werde. Er gab sich enttäuscht vom Wahlausgang, „wenn man antritt, will man auch gewinnen“, so sein Resümee. Politisch habe seine Kandidatur der Stadt aber etwas gebracht, da er soziale Themen habe platzieren können. So sah es auch des SPD-Landtagsabgeordnete und Freiburger SPD-Vorsitzende Walter Krögner: „Ulrich von Kirchbach hat mehr Wähler mobilisieren können, als das SPD-Potenzial zuletzt hergab.“ Die SPD habe es seit Jahren in Freiburg schwer, daran werde sich nun nicht viel ändern. Zufrieden mit seinen 20 Prozent war hingegen „WiR“-Kandidat Günter Rausch, er habe in nur zwei Monaten Wahlkampf viele Menschen für seien Idee einer Politik der Bürgerbeteiligung gewinnen können und sei überzeugt, dass auch Amtsinhaber Salomon nun mehr auf die Interessen der Freiburger Bürgerschaft eingehen müsse.

154 000 Freiburgerinnen und Freiburger waren zur Wahl aufgerufen, rund 10.000 mehr als bei der letzten Wahl vor acht Jahren. Die Wahlbeteiligung fiel von zuletzt 51,3 Prozent auf 45,2 Prozent. Die Gründe dafür dürften vielfältig gewesen sein, das schöne Wetter lockte eher ins Straßencafé als ins Wahllokal und manche Wähler dürften die Sache ohnehin als sicheren Sieg Salomon empfunden haben und so nicht zur Wahl gegangen sein. Auch der langweilige Wahlkampf mag sein Übriges beigetragen haben. „Es gab schon beschämendere Wahlbeteiligungen im Land“, bewertete Salomon die Wahlbeteiligung. Das sah Wahlleiter und Erster Bürgermeister Freiburgs Otto Neideck (CDU) anders: „Die Wahlbeteiligung ist extrem enttäuschend“, aber er sei froh, dass das Rathaus nun wieder „arbeitsfähig“ sein werde.

KOMMENTAR: Keine Überraschungen an der Dreisam, Freiburg wählt weiterhin anders: Wie fast schon erwartet hat Grünen-OB Dieter Salomon sein Amt verteidigt. In Freiburg wird in den kommenden Jahren weiterhin schwarz-grüne Realpolitik machbar sein, Der Rathauschef musste bei seinem Stammpublikum Federn lassen und holte die Wähler der CDU ins Boot. Darunter wird nun vor allem die SPD zu leiden haben. Das Ergebnis ihres über Parteigrenzen hinweg geschätzten Kandidaten Ulrich von Kirchbach reichte erwartungsgemäß nicht für den Machtwechsel. Wenn Salomon nun sagt, künftig könne von Kirchbach „seine beschränkten Fähigkeiten“ weiter in die Stadtpolitik einbringen, dann spricht das einerseits nicht gerade für die Souveränität des Wahlsiegers. Es zeigt aber auch, dass die Rückkehr zum Tagesgeschäft im Freiburger Rathaus ein steiniger Weg sein wird.

(Ralf Deckert)


 


 

Oberbürgermeister
Wahlgang
Dieter Salomon
Ulrich von Kirchbach
Günter Rausch
Wahlbeteiligung
Wahllokal

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Oberbürgermeister" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: