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Überleben in der Krise

Wie Südbadens Wirtschaft sich gegen die weltweite Rezession stemmt!

Laut Zahlen des Statistischen Landesamtes haben wir im „Ländle“ derzeit kaum Grund zum Feiern. Die Zahl der Firmenpleiten im ersten Quartal ist bundesweit im Jahresvergleich um 10 Prozent angestiegen, in Baden-Württemberg sogar um 18 Prozent. Auch die Privatinsolvenzen nehmen im Zuge der Wirtschaftskrise weiter zu. Aber: Es könnte – zumindest in Südbaden - schlimmer aussehen. Laut einer Studie des Konjunkturforschungsinstituts BAK in Basel steht Südbaden in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise besser da als der Rest Deutschlands. Gründe sind die Dichte der Pharmaindustrie im Dreiland und die vielen Dienstleister in der Region.

Im Frühjahr 2009 bestätigte die Entwicklung am Arbeitsmarkt im Bezirk Freiburg diese Sichtweise. Zwar hat zum Beispiel im April hat die Zahl der Arbeitslosen gegen den jahreszeitlichen Trend zugenommen, doch lag mit 1,3 Prozent der Anstieg deutlich unter dem Landesdurchschnitt mit 3,8 Prozent. Gerade das Gesundheitswesen als Top-Arbeitgeber im Raum Freiburg gehört zusammen mit dem Bereich Medizintechnik zu den am wenigsten von der Krise betroffenen Branchen, ein Glücksfall für Stadt und Umland. „Im Landkreis hält sich der Arbeitsmarkt noch deutlich besser als der Durchschnitt in Baden-Württemberg. Grundsätzlich gilt: Je weiter weg von Kfz-Zulieferern und Maschinenbau, desto besser die Lage“, fasst Karsten Schalich vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald die Lage zusammen. „In letzter Zeit beobachte ich etwas mehr Anfragen zu Förderprogrammen und Finanzierungsmöglichkeiten.“

Dass Konjunkturprogramme tatsächlich helfen können, zeigt die Situation beim Brandschutzexperten Hekatron in Sulzburg, der zu den Boom-Unternehmen in der Region gehört: 2008 war ein Rekordjahr für das Unternehmen und das erste Quartal 2009 wurde mit einem Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr abgeschlossen, so Marketing Sprecher Detlef Solasse. Man profitiere zum Beispiel davon, dass derzeit, auch dank der Bundesprogramme, noch kräftig gebaut werde. Rund 450 Mitarbeiter hat das Unternehmen, das in eine Technik- und eine Vertriebs-GMBH gegliedert ist. Die Tochter des schweizerischen Traditionsunternehmens Securitas blickt auch zuversichtlich in die Zukunft. „Mittlerweile schreiben sieben Bundesländer bei Bauvorhaben Brandmelder vor“, sagt Solasse. „Für die kommenden Monate haben wir rund 400.000 entsprechende Bestellungen vorliegen.“ In der Produktion setze man auf Roboter, die aber keine Arbeitsplätze überflüssig machen werden, so Solasse weiter. 2010 rechne man mit weiteren 500.000 Bestellungen allein im Bereich der Rauchmelder.

Gut ins Jahr 2009 ist auch Mack Rides in Waldkirch gestartet. Die 80 Mitarbeiter des Unternehmens bauen Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte für Vergnügungsparks. Beim Thema Wasserachterbahnen ist das Unternehmen Weltmarktführer. „Wir sind derzeit gut ausgelastet“, sagt Geschäftsführer Christian von Elverfeldt. Ähnlich wie bei den Vergnügungsparks profitiere man sogar in gewisser Weise von der schlechten Wirtschaftslage. „Da ist einmal der Trend zum Urlaub vor der eigenen Haustür ein Faktor. Wir haben aber auch gelernt, uns so flexibel aufzustellen, dass wir auch mal eine Durststrecke durchstehen können.“ Achterbahnen wie die neue Attraktion „Blue Fire“ im Europa Park werden in Waldkirch entwickelt, aber nicht notwendigerweise komplett dort gebaut. „Es ist in unserer Branche extrem wichtig, schnell reagieren zu können, um keine Aufträge ablehnen zu müssen. Da haben wir in den letzten Jahren viel hinzu gelernt.“ Wie sich die Zukunft entwickle könne er aber nicht absehen, so von Elverfeldt weiter. Neueinstellungen seien derzeit, wie auch bei Hekatron, kein Thema.

Und die Menschen im Land? Die sehen in der aktuellen Lage offenbar auch eine Chance für eine Neuausrichtung der Prioritäten. Laut einer Untersuchung der Stiftung für Zukunftsfragen vom Juni, stehen Innovationen im Bereich Umwelt- und Lebensqualität ganz oben auf der Liste der gewünschten Wege aus der wirtschaftlichen Misere. Es findet eine Rückbesinnung auf Werte statt. Ein Unternehmen, das zum Beispiel nicht von der aktuellen Krise betroffen ist, ist die einst in Freiburg gegründete Bioladenkette Alnatura, die im vergangenen Jahr ihre Umsätze um ein sattes Viertel auf über 300 Millionen Euro steigern konnte.

(Ralf Deckert)


 


 

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