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Wolfgang Grupp

„Abhängigkeit ist mir ein Gräuel“

Wolfgang Grupp ist Inhaber der Textilfirma Trigema. Im Interview mit business-on.de verrät er, wie wichtig ihm, trotz seiner Abneigung gegenüber dem Internet, der Online-Shop ist und was er von den Kaufhauskönigen Karstadt, Quelle, Hertie & Co. hält.


business-on.de: Herr Grupp, zunächst einmal als Einstieg: Sie sind ja doch sehr bekannt durch die Medien. Kennen Sie business-on.de, das Online Wirtschaftsportal?

Wolfgang Grupp: Nein, dies kenne ich nicht, da ich mich selber mit dem Internet nicht beschäftige, solange ich nicht speziell gefragt werde.

"Der Online-Shop ist für Trigema ein Geschenk des Himmels."

business-on.de: Aber so ganz kann man sich dem World Wide Web heutzutage doch nicht verschließen. Oder?

Wolfgang Grupp: Ich verschließe mich überhaupt nicht. Ich stehe ja auch Ihnen gerne Rede und Antwort. Ich kümmere mich den ganzen Tag um meine Firma und habe keine Zeit und auch kein Verlangen, mich selbst zu beschäftigen, indem ich im Internet surfe. Doch auch wir haben selbstverständlich einen Online-Shop und auch ich recherchiere Informationen im Internet. Seit 2004 betreibt Trigema einen Online-Shop, der für uns ein ganz wichtiger Verkaufskanal ist und auch eine wesentliche Position einnimmt.

Das Internet ist für uns eine große Chance, weil wir nicht überall vertreten sind. Somit können wir theoretisch alle Verbraucher ansprechen und haben eine gewisse Autarkie und sind nicht mehr in der Abhängigkeit wie früher vom Handel. Ich habe schon vor über 20 Jahren erkennen müssen, dass ich in einer bedarfsgedeckten Wirtschaft als Produzent auch ein Teil der Handelsfunktion übernehmen muss, um nicht in Abhängigkeit vom Handel zu geraten. Wir eröffneten damals unsere ersten Testgeschäfte. Der Online-Shop ist für Trigema ein Geschenk des Himmels.

"Unsere Kunden haben versagt!"

business-on.de: Heißt das, dass Sie nach wie vor den direkten Verkauf höher bewerten?

Wolfgang Grupp: Der direkte Verkauf ist für Trigema natürlich im Moment noch wesentlich bedeutender, aber das Online-Geschäft hat große Zuwachsraten; jährlich zwischen 30 bis 40 Prozent. Wir haben letztes Jahr etwa 50.000 Päckchen gepackt und dieses Jahr werden es sicher wieder 30 Prozent mehr sein. Aber die Mischung aus stationärem Handel mit unseren Testgeschäften und dem Online-Versandhandel finde ich positiver als nur Online-Handel oder nur Testgeschäfte.

Die Handelsfunktion musste Trigema übernehmen, nicht weil ich größenwahnsinnig war und immer mehr wollte, sondern weil ich erkennen musste, dass im Prinzip unsere „Kunden“ versagt haben. Denken wir nur an die Kaufhauskönige oder Versandhauskönige, was ist aus ihnen geworden? Karstadt, Quelle, Hertie, Horten, Neckermann und viele andere mehr.

business-on.de: Was war das Hauptversagen ihrer Kunden?

Wolfgang Grupp: Sie haben den Wandel der Zeit nicht rechtzeitig erkannt. Die Kaufhauskönige hätten erkennen müssen, dass mit der zunehmenden Motorisierung nicht mehr in Innenstädten alles unter einem Dach gewünscht wird, sondern dass die Leute mit dem Auto einmal wöchentlich einkaufen wollen. Dafür wären Häuser auf der grünen Wiese notwendig gewesen. Somit haben sie den SB-Leuten und später den Discountern den Vortritt gelassen.

"Trigema bietet Qualitätsware zum günstigen Preis in Deutschland an."

business-on.de: Was halten Sie davon, dass Ihre Kunden vermehrt bei der Konkurrenz im Ausland einkaufen?

Wolfgang Grupp: Das muss nicht unbedingt ein Nachteil, sondern kann auch eine Chance sein. Denn in einem Hochlohnland will der Verbraucher nicht Billigware bzw. billige Qualität, sondern er will, sofern er einen Arbeitsplatz hat und ein entsprechendes Einkommen, sich auch Qualität gönnen. Deshalb haben, je mehr Billigware auf dem Markt angeboten wird, wir die Möglichkeit, Qualitätsware zum günstigen Preis in unserem Heimatland anzubieten. Ich bin stolz, dass in meinen 42 Jahren als Geschäftsführer und Inhaber von Trigema noch nie eine Stunde kurz gearbeitet wurde, noch nie eine Person aus Arbeitsmangel entlassen werden musste und ich stets den Kindern unserer Mitarbeiter einen Arbeitsplatz im Unternehmen angebieten konnte.

business-on.de: Wichtig sind Ihnen ja bekanntlich auch erneuerbare Energien. Hat sich daran etwas geändert?

Wolfgang Grupp: Erneuerbare Energien sind für uns eine große Chance. Wir brauchen ständig neue Produkte, damit wir der Konkurrenz immer voraus sind. Wir versuchen konstant, innovative Produkte sehr schnell zu produzieren. Wir haben zum Beispiel das erste kompostierbare T-Shirt entwickelt. Es hat keinerlei chemische Substanzen, ist zu 100 Prozent „Natur“. Es war für uns ein Meilenstein, dass im Deutschen Pavillon in Shanghai als Weltneuheit präsentiert wurde. 

Auch bereits Anfang der 80er Jahre habe ich mit der Kraft-Wärme-Kopplung zu 100 Prozent Eigenstrom produziert, weil ich erkennen musste, dass ich sonst in Abhängigkeit von einzelnen Energieversorgern geraten würde.

business-on.de: Wird es in Zukunft weitere innovative Produkte aus dem Hause Trigema geben?

Wolfgang Grupp: Selbstverständlich darf ich nicht aufhören, konstant neue Produkte zu entwickeln, die dem Verbraucher einen Vorteil bringen. Dafür bezahlt er auch gerne etwas mehr und nur solche Produkte können auch in der Zukunft die Arbeitsplätze in Deutschland sichern.

business-on.de: Herr Grupp, recht herzlichen Dank für das Gespräch.

Was Herr Wolfgang Grupp über seine Mitarbeiter sagt und was er Unternehmensgründern rät, lesen Sie hier.

(Redaktion)


 


 

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