Sie sind hier: Startseite Südbaden Aktuell News
Weitere Artikel
Zeitungsbranche

Deutsche Verleger müssen umdenken

Deutsche Zeitungen müssen spannend und aufregend sein. Wenn nicht, werden sie auf Dauer nicht mehr funktionieren. Dessen ist sich Hendrik Brandt, Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ), sicher. Gemeinsam mit anderen Fachleuten, erörterte er im Rahmen der verdi-Diskussionsrunde zum Thema "Zukunft des Qualitätsjournalismus" Herausforderungen und Chancen der Printmedien von heute.

"Zeitungen, die nicht spannend und nicht aufregend sind, können auf Dauer nicht mehr funktionieren.", sagt HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt. Zusammen mit dem ehemaligen Chefredakteur der Frankfurter Rundschau (FR), Wolfgang Storz, und Ulrich Janßen von der Deutschen Journalisten-Union erörterten die Fachleute die Herausforderungen und Chancen der Printmedien von heute.

"Wegsterben der alten Verleger"

Die Qualität sinkt und sinkt kontinuierlich, beklagen Journalisten seit Längerem. "So funktioniert es nicht mehr", so Storz vor rund 80 Journalisten und Medienmachern aus Niedersachsen. "Das Netz raubt den traditionellen Medien die Macht."

Vereine und andere Interessengruppen müssten heute eben nicht mehr durch "das Nadelöhr HAZ" gehen, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

"Was im Netz steht, darauf müssen wir als Tageszeitung natürlich heute reagieren", konstatiert Brandt zum Umgang seines Hauses mit den neuen Medien. Ordnung und Übersichtlichkeit zu schaffen, darin liege die größte aller Herausforderungen.

Storz hingegen beklagt das "Wegsterben der alten Verleger", die über das wirtschaftliche hinaus noch ein publizistisches Interesse gehabt hätten: "Es gibt kein ökonomisches Interesse der Verleger, in Innovationen zu gehen", lautet seine Einschätzung.

Die aber genau brauche es, wollen sich Printmedien weiter behaupten wollen. Angesichts des Niederganges selbst renommierter Blätter wie El Pais, Le Monde oder Guardian müsse der Journalismus jetzt "neu denken, wo er anfängt beziehungsweise wo er aufhört", weiß der ehemalige FR-Chefredakteur.

"Legebatteriejournalismus" als Problem

Auf die Frage, ob es überhaupt Marktwirtschaft auf dem Medienmarkt gibt beziehungsweise welche Aufgabe Medien haben sollten, sagt Brandt, dass ein "interessegeleiteter Journalismus" nicht funktionieren kann.

"Ich sehe in Deutschland weit und breit keinen Versuch, der Krise mit Kreativität und Originalität zu begegnen", bedauert auch Rolf Nobel, Professor für Bildjournalismus in Hannover, die Situation in der bundesdeutschen Zeitungslandschaft.

"Unsere Nachbarn in Europa sind da viel weiter als wir", lobt HAZ-Leser Nobel etwa die in Amsterdam erscheinende Tageszeitung "de Volkskrant" als mögliches Vorbild für deutsche Zeitungsmacher.

Dass die Sparsamkeit der Verlage zu weniger Qualität führt, wird nicht erst seit gestern beklagt. Kritisiert wurden immer wieder Arbeitsbedingungen von Journalisten. Diese sprechen angesichts des ökonomischen Drucks sogar von "industriellen Fertigungsprozessen" und "Legebatteriejournalismus".

Janßen kritisiert, dass in den Zeitunghäusern von Flensburg bis Garmisch gegen tarifvertragliche Regelungen, etwa bei der Arbeitszeit, regelmäßig verstoßen wird: "Das ist tagtäglich der Normalfall", beklagt Janßen beispielsweise, dass freie Kollegen vielerorts noch immer nicht nach den Vergütungsregeln bezahlt werden.

(Redaktion)


 


 

Zeitungen
Verleger
Journalismus
Print
Online
Rolf Nobel
Hendrik Brandt
Wolfgang Storz
Ulrich Janßen

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Zeitungen" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: