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Wirtschaftskrise

Zu viel Fremdkapital im Mittelstand ?

Prof. Dirk Stroeder von der Fachhochschule für Oekonomie und Management in Stuttgart ist sich sicher: „Mittelständische Unternehmen haben sich zu sehr auf Fremdkapital verlassen“. In einer von der privaten Fachhochschule für Oekonomie & Management (FOM) Stuttgart veröffentlichten Pressemitteilung geht hervor, dass noch im Oktober 2008 die Mehrheit der befragten Berunftstätigen noch von einer stabilen Wirtschaftslage ausging. Mittlerweile habe sich diese Stimmung aber geändert.

Mit der Wirtschaftskrise kam die Unsicherheit: Unternehmen verschieben Investitionen, scheuen das Risiko und warten lieber ab. Direkt nach der Lehman-Pleite sah das noch ganz anders aus: In einer bundesweiten Befragung der Fachhochschule für Oekonomie & Management (FOM) ging noch im Oktober 2008 die Mehrheit der rund 1200 befragten Berufstätigen aller Branchen von einer relativ stabilen Wirtschaftslage aus und bewertete Beschäftigungsentwicklung und Investitionstätigkeit ihrer Unternehmen durchaus positiv.

Inzwischen hat sich die Stimmung in fast allen Branchen geändert. „Den schnellen Stimmungswandel führen wir auf zwei Dinge zurück: Einerseits auf die zunehmend restriktive Kreditvergabe der Banken, andererseits auf die durchweg pessimistische Berichterstattung in den Medien“, so Prof. Dr. Dirk Stroeder, Mittelstandsexperte bei der FOM in Stuttgart. „Die ständigen Negativ-Schlagzeilen beeinflussen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Alle warten ab – und lähmen damit die Wirtschaft.“ Das wird vor allem für mittelständische Unternehmen zum Problem, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden.

Über 70 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland stellt der Mittelstand, kaum ein anderes Bundesland ist so von mittelständischen Unternehmen geprägt wie Baden-Württemberg. „Viele Mittelständler haben sich in der Vergangenheit zu sehr auf Fremdkapital verlassen – nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen. Das war ein Fehler“, so Prof. Stroeder. Galt die Liquidität des Finanzsystems bislang als selbstverständlich, ist sie das nach den Ereignissen des letzten Herbstes nicht mehr. „Die Risiken schlagen letztendlich immer in der Liquidität und im Eigenkapital ein. Viele kleinere Mittelständer haben eine Eigenkapitalquote von zehn Prozent oder noch weniger – das reicht aber nicht aus, um wirtschaftliche Krisenzeiten zu überleben. Ausreichendes Risikodeckungspotential ist also ein Muss! Daher ist dies auch immer wieder ein Thema in unseren Vorlesungen, schließlich bilden wir den Führungsnachwuchs von morgen aus.“

Analyse und Entwicklung der Finanzkrise und erste Lösungsansätze stehen deshalb genauso auf den Lehrplänen wie die risikoorientierte Bewertung geplanter Investitionen, Maßnahmen zur Senkung der Fixkosten und Konzentration auf die Kernkompetenzen. Neue Planungstechniken zeigen auf, wie sich bestimmte Risiken auf die Unternehmen auswirken und welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden sollen. „Unternehmer sollten in der Zukunft beispielsweise die Höhe der Gewinnausschüttung überdenken und dafür Sorge tragen, dass ein Großteil des Gewinns im Unternehmen bleibt, wodurch die Eigenkapitalquote erhöht und die Abhängigkeit von Kreditgebern gesenkt wird. Auch die Öffnung hin zu neuen Formen der Kapitalbeteiligung kann langfristig lebensnotwendig sein. Statt jetzt aber noch weiter abzuwarten, müssen die Unternehmen zunächst ihr Risiko- und Krisenmanagement verbessern sowie die Liquidität sichern“, empfiehlt Stroeder. „Im Übrigen sollten Unternehmen gerade die aktuellen Krisenzeiten nutzen, um ihr Geschäftsmodell ganz grundsätzlich zu hinterfragen, um nach der Krise mit den richtigen Konzepten durchstarten zu können.“

(Redaktion)


 


 

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