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Ausbildung und Beruf

„Betriebliche Erstausbildung stärken“

4. IHK-Ausbildungsforum stand im Zeichen der Nachwuchssicherung

Siegen.Immer mehr junge Menschen machen ihr Abitur. Für viele von ihnen ist der Gang an die Universität die einzig angestrebte Option und eine betriebliche Ausbildung keine wirkliche Alternative. Schülerinnen und Schüler sehen im Studium die bestmögliche Chance, sich hochwertig zu qualifizieren und später im Beruf erfolgreich zu sein. Dieser Trend muss umgekehrt werden. Den Jugendlichen in unserem Land muss klarer werden, dass ein Karriereeinstieg über eine betriebliche Lehre im Vergleich zur universitären Ausbildung zwar andersartig, jedoch gleichwertig ist.“ Dies war die Kernbotschaft, die Prof. Dr. Michael Heister vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn an die über 250 Besucher des 4. Ausbildungsforums der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) in der Siegerlandhalle richtete. 

Je mehr Schüler das Gymnasium besuchten, desto mehr Raum müsse gerade an dieser Schulform die Berufsorientierung finden. Bei der Rekrutierung von Auszubildenden seien die Firmen aufgefordert, kreativere Wege zu beschreiten und die eigenen Zielgruppen auszuweiten. „Wird die Zielgruppe kleiner, muss man das Spielfeld kreativ ausdehnen“, betonte Heister. So lohne es sich, Studienabbrecher sowie junge Menschen aus dem Übergangssystem einzubeziehen – und auch Flüchtlinge. Diese Gruppe könnte demnach zum Beispiel einen geeigneten Einstieg über ausbildungsbegleitende Deutschkurse, zusätzlichen Berufsschulunterricht und mehrwöchige Betriebspraktika finden. 

IHK-Geschäftsführer Klaus Fenster appellierte an die Ausbildungsverantwortlichen, die betriebliche Ausbildung durch Zusatzqualifikationen und die Integration von Weiterbildungsinhalten für Abiturienten interessant zu machen. Man müsse die betriebliche Lehre nicht unbedingt kürzen, um sie gegenüber Studiengängen attraktiver zu gestalten. Demselben Ziel könne auch eine inhaltliche Anreicherung der Ausbildung dienen. Die abermals hohe Teilnehmerzahl des Forums dokumentiere das ungebrochene Interesse der heimischen Unternehmen an der beruflichen Bildung. Die wiederum befinde sich derzeit in einem grundlegenden Wandel, betonte Fenster. Noch seien die Zahlen auf dem Lehrstellenmarkt im IHK-Bezirk Siegen zwar insgesamt stabil, doch die demographischen Veränderungen würden die Betriebe schon binnen kurzer Zeit vor erhebliche Herausforderungen stellen. Fehlendes Personal entwickle sich zum Flaschenhals des unternehmerischen Handelns. Das Gebot der Stunde sei daher eine kreative Personalförderung. Zahlreiche Unternehmen hätten in letzter Zeit ihr Engagement in diesem Feld deutlich verstärkt. Dies sei aus Sicht der IHK uneingeschränkt zu begrüßen. 

Im Anschluss an die Vorträge fanden sich die Teilnehmer der Veranstaltung in fünf Workshops zusammen. Sie diskutierten darin über Themen wie die betriebliche Integration von Flüchtlingen, die Qualitätsoffensive „Gütesiegel Ausbildung Südwestfalen“ sowie die Bedeutung von Social Media und Jobbörsen im digitalen Zeitalter. Zudem erfolgte im Rahmen des Ausbildungsforums eine Preisverleihung. Willi Brase, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und langjähriger Vorsitzender des IHK-Berufsbildungsausschusses, stellte den zum zweiten Mal verliehenen „Ausbildungs-Frieder“ der IHK samt Preisträger vor. Diese Auszeichnung ehrt kleine und mittelgroße Unternehmen, die das Internet besonders gut für die Gewinnung von Azubis einsetzen. Jugendliche aus fünf heimischen Schulen hatten die Internetauftritte der teilnehmenden Unternehmen analysiert und anschließend die Sieger ermittelt. Die beste Bewertung erhielt dabei die Wilhelm Schauerte GmbH & Co. KG aus Lennestadt. Den zweiten Rang belegte die Demler Spezialtiefbau GmbH & Co. KG aus Netphen. Die Firmen Dango & Dienenthal Maschinenbau GmbH und Hees Bürowelt GmbH (jeweils aus Siegen) erzielten gemeinsam den dritten Platz. Willi Brase hob bei der Preisverleihung hervor, die jugendlich besetzte Jury habe bei der Begutachtung viele Kriterien im Blick gehabt – so etwa die Frage, wie die Unternehmen im Internet das Thema „Karrierechancen nach der Ausbildung“ darstellen. Junge Menschen wollten zudem über konkrete Bewerbungstipps sowie authentische Bilder und Videos den Betrieb kennenlernen, um sich so einen eigenen Eindruck zu verschaffen.

(Redaktion)


 


 

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