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Außenwirtschaft

Deutsche Systematik und chinesische Pragmatik

Wer in China Geschäfte macht, kann nachher viel erzählen.

Siegen/Olpe. Wenn Yabing Xu, gebürtige Chinesin, die dort über viele Jahre als Geschäftsführerin deutscher Unternehmen tätig war, sagt: „In China ist nichts unmöglich und nichts ohne weiteres möglich“, dann beschreibt sie damit die Situation, die China nach dem Umbruch vor etwa 30 Jahren derzeit durchlebt, wohl zutreffend. „Der Umbruch hat uns komplett überfordert“, sagte Xu jetzt vor dem Außenwirtschaftsausschuss der Industrie- und Handelskammer Siegen. Die chinesische Gesellschaft sei heute orientierungslos. Sie folge weder religiösen, noch ideologischen Einflüssen. „Nur das schnelle Geld zählt“, so die Referentin. Eine große Loyalität ihrer Mitarbeiter könnten die Betriebe nicht erwarten. Ein Jobwechsel verspreche für jüngere Führungskräfte häufig das 2 bis 5-fache Gehalt und fördere die Risikobereitschaft.

Weniger risikobereit aber sind die Beschäftigten, wenn es darum geht, Entscheidungen selbst zu verantworten. Die Entscheidung des Chefs hat eine größere Bedeutung als bei uns. Rainer Dango, Vorsitzender des Ausschusses, berichtete von einer deutlichen Verunsicherung der chinesischen Verhandlungspartner. „Offenbar werden eigentlich zuständige Beschäftige heute auch finanziell für mögliche Kompetenzüberschreitungen zur Verantwortung gezogen. Das führt dazu, dass Entscheidungen zunehmend nach oben delegiert werden. Wir kommen, zum Beispiel bei Maschinenabnahmen vor Ort, kaum noch zu schnellen Ergebnissen“, so Dango. Mark Georg berichtete ebenfalls über eine zunehmende Zurückhaltung der chinesischen Verhandlungspartner. „Offenbar befürchten sie, in den Verdacht der Begünstigung zu kommen. Selbst eine Besprechung bei gemeinsamem Essen findet heute kaum noch statt.“ Die früher auch bei größeren Geschäften weit verbreitete Korruption habe offensichtlich jetzt zu einer Überreaktion geführt, die geschäftliche Kontakte heute erheblich erschwerten. Gegenüber Korruptionsversuchen verfolge sein Unternehmen konsequent eine „Null-Toleranz“-Strategie. „Auch wenn uns dadurch ein Geschäft verlorengeht“, so Georg. Blockaden im alltäglichen Behördenverkehr lassen sich oftmals nur durch kleine Geschenke auflösen. „Die Grenzen zur Korruption sind fließend“, erläuterte Yabing Xu. Jenseits aller kulturellen Unterschiede gebe es auch viele Gemeinsamkeiten zwischen der deutschen und der chinesischen Arbeitsweise. „Wenn sich deutsche Systematik und chinesische Pragmatik paaren, verspricht das gute Ergebnisse“, so Xu.

Wer in China produzieren will, braucht gute Mitarbeiter vor Ort. Die Krah-Gruppe aus Drolshagen ist seit 1999 mit eigenen Unternehmen in China tätig. „Wir haben heute vier Joint-Ventures im Großraum von Shanghai mit mehr als 600 Mitarbeitern“, so Christian Hermann, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Das Personal werde komplett vor Ort gewonnen. Größere Probleme habe es bisher nicht gegeben. „Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden“, so der Unternehmer. Die Suche nach geeigneten Partnern ist nach Auffassung von Dieter Franke, geschäftsführender Gesellschafter MPower GmbH, der richtige Weg für die Unternehmen, die im chinesischen Markt wachsen wollen. „Es lohnt sich, die vorhandenen Geschäftsbeziehungen eines bereits etablierten Unternehmens zu nutzen. Auf diese Weise gelingt es, sich rasch neues Absatzpotential zu erschließen“, so Franke. Es gibt nach seiner Einschätzung keinen Markt, der auf absehbare Zeit ein gleichwertiges Marktpotential wie China bietet.
Gastgeberin des Außenwirtschaftsausschusses war diesmal die EMG Automation GmbH in Wenden. Das Unternehmen bedient mit seinen Hochtechnologie-Produkten Nischenmärkte im Bereich der Mess- Steuer - und Regeltechnik. Die in Wenden gefertigten Bandlaufregelungen bilden einen wichtigen Kern des gesamten Produktspektrums. Die Exportquote liegt bei ca. 80 Prozent. Nach den Beobachtungen von Siegfried Koepp, Geschäftsführer des Unternehmens, verstehen es die chinesischen Anbieter, ihre Produkte funktional und preisgünstig anzubieten. „Der deutsche Maschinenbau hat dieses mittlere Segment zunehmend aus den Augen verloren und sich nur noch als Premiumanbieter im Nischenbereich positioniert“, so Koepp. Bisher fehle der chinesischen Konkurrenz noch die hohe Kreativität, mit der in Deutschland die Produkte weiterentwickelt werden. Ein Know-how-Abfluss sei im China-Geschäft nicht zu verhindern. „Deshalb müssen wir weiterhin innovativer sein als unsere Konkurrenz.“

Koepp, der auch Vorsitzender des VDMA NRW ist, bezeichnete die derzeitige Auftragsentwicklung der Branche als nicht zufriedenstellend. „Wir liegen im Durchschnitt aber immer noch auf einem hohen Umsatzniveau, wenngleich es große Unterschiede in den einzelnen Segmenten gibt, die der VDMA vertritt“. Der Maschinen- und Anlagenbau hat in Deutschland etwa 1 Millionen Beschäftigte, in NRW allein etwa 200.000, so Koepp. Dem Außenwirtschaftsausschuss der IHK Siegen gehören etwa 40 vom Präsidium für jeweils zwei Jahre bestellte Unternehmerinnen und Unternehmer an, die sich mit außenwirtschaftlichen Fragen befassen. Der Ausschuss trifft sich zweimal im Jahr. Er fördert den Informationsaustausch und gibt Impulse für die Arbeit der IHK.

(Redaktion)


 


 

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