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Im Gespräch

Deutschland neu bauen! Interview mit Dr. Patrick Adenauer

Seit fast 50 Jahren vertritt die Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer, kurz ASU, die Interessen von Familienunternehmen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Seit 2005 hat der Verband einen Präsidenten mit politischem Charisma. Der Enkel von Ex-Bundeskanzler Adenauer, Dr. Patrick Adenauer, begann sein Amt mit einer klaren Ansage: „Deutschland neu bauen“.

Der Name verpflichtet
Für die Entscheidung, das Ehrenamt des Präsidenten der ASU anzunehmen, brauchte er ein bißchen Bedenkzeit. Dr. Patrick Adenauer engagiert sich zwar gern, vor allem wenn er das Gefühl hat, etwas bewegen zu können. Und der Name verpflichtet selbstverständlich. Aber die Liste der Ehrenämter war bereits lang: Vizepräsident im Verband der Bauindustrie Nordrhein-Westfalen e.V., Vorstandsmitglied des Deutschen Stahlbauverbands, Mitglied im Bund Katholischer Unternehmer, Gründungsmitglied der Kölner Grün Stiftung, Mitglied im Rotary Club, Kuratoriumsmitglied der Kölner Musikschule und last but not least Fan des 1. FC Köln. Ganz nebenbei – nein, natürlich hauptberuflich - ist der Umtriebige geschäftsführender Gesellschafter des sehr erfolgreichen und traditionellen Bauunternehmens Bauwens GmbH & CoKG.

Sein Halbbruder, der Architekt und IHK-Präsident Paul Bauwens-Adenauer, hatte ihn 1989 in die Firma geholt. Nach einer Umstrukturierung in 2006 entstand aus dem Unternehmen die Bauwens Real Estate Group mit den Tochtergesellschaften Bauwens Construction, Bauwens Development und Bauwens Asset Management.

Wiederherstellung von Freiheit, Selbständigkeit, Eigentum

Dr. Patrick Adenauer, 1960 in Köln geboren, studierte an der Uni Köln Betriebswirtschaft, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Nachdem auch die Familie zugestimmt hat, nimmt er die ASU-Präsidentschaft mit voller Energie an. In seiner Antrittsrede geht er mit den „Sozialkleptokraten“ hart ins Gericht. Von „Vollkasko-Staat“ und „Sozialer Stallfütterung“ ist die Rede, aber auch von dem Willen zum Wiederaufbruch. Sein Unternehmer-Verständnis ist Programm: „Wiederherstellung von Freiheit, Selbständigkeit, Eigentum“. Sehr schnell wird er zum anerkannten Repräsentanten in Politik, Wirtschaft und Medien. Daher verwundert auch nicht, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn in ihren Innovationsrat holt. Das Gremium setzt sich aus renommierten Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, an der Spitze Prof. Dr. Heinrich v. Pierer, Vorsitzender des Aufsichtsrates Siemens AG. Die Aufgabe der illustren Runde ist es, die Kanzlerin in Sachen neue Technologien und Transfer, aber auch in Standortfragen zu beraten.

business-on.de: Herr Dr. Adenauer, als Präsident der ASU vertreten Sie die Interessen von 5.000 Mitgliedern, die insgesamt 1,7 Millionen Mitarbeiter beschäftigen und mit knapp 10 Prozent zum Jahresumsatz der deutschen Wirtschaft beitragen. Sie erwähnten, dass die ASU in Zukunft stärker als „Verband der Familienunternehmer“ in die Öffentlichkeit gerückt werden soll. Was unterscheidet einen Familienunternehmer von einem angestellten Manager?

Dr. Patrick Adenauer: Unsere Familienunternehmer, wie beispielsweise Oetker, Tengelmann, Vorwerk, Porsche und die vielen Mittelständler, sind aktiv involviert in das Unternehmensgeschehen. Sie denken langfristiger, sind an einer optimalen Wertentwicklung ihres Unternehmens interessiert und verfolgen vor allem eine langfristige Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen. Es sind gute Marktwirtschaftler. Ihr Profil zu schärfen, ist mir besonders wichtig, gerade weil das Bild des Berufsmanagers –bisweilen zu Recht- in der Öffentlichkeit negativ besetzt ist.

business-on.de: Kurz nachdem Kanzler Schröder das Handtuch geworfen hat, veröffentlichte die ASU ein Manifest zur Wiederbelebung von Freiheit, Selbständigkeit und Eigentum. Die Empfehlungen an die Politik sind in einem Reformprogramm festgehalten. Was hat die große Koalition bisher angepackt bzw. erledigt? Lassen Sie uns die Top 5 im Schnellverfahren durchgehen:

1. Vereinfachung des Steuersystems? Fehlanzeige.
2. Liberalisierung des Kündigungsschutzes? Mit diesem Arbeitsrecht nicht machbar.
3. Umfassender Bürokratieabbau? Eingerichtet wurde der Normenkontrollrat, ansonsten ist noch nichts spürbar geschehen.
4. Umfassender Subventionsabbau? Massiver Abbau findet nicht statt.
5. Gesetzliche Öffnungsklauseln im Tarifrecht? Ist nicht verhandelbar in der großen Koalition.

business-on.de: In der Koalitionsvereinbarung wurde u.a. ein Gesetz zur Erleichterung der Unternehmensnachfolge angekündigt, das die Rahmenbedingungen für Erbschafts- und Schenkungssteuer auch im Sinne von Familienunternehmen verbessern soll. Was hat sich getan?

Dr. Patrick Adenauer: Zu lange nichts. Die ASU hatte bereits 1995 einen Vorschlag zur Unternehmensnachfolge eingereicht. Der jetzige Entwurf der Regierung, der eine jährliche Steuerstundung von 10 Prozent über einen Zeitraum von 10 Jahren vorsieht, ist noch nicht praxistauglich. Die Definition von betriebsnotwendigem und nicht betriebsnotwendigem Vermögen geht an der Realität vorbei.

business-on.de: Die geplanten Gesetze zur Unternehmensnachfolge und zur Senkung der Unternehmensteuern haben erneut die Diskussion um die Wiedereinführung der Vermögenssteuer zur Finanzierung von Bildung angefacht, u.a. von den Gewerkschaften. Was ist Ihre Antwort auf die zunehmenden Umverteilunggelüste der Linken?

Dr. Patrick Adenauer: Je mehr Gesetze gemacht werden, um Unternehmen für staatliche Aufgaben zu missbrauchen, desto mehr Unternehmen werden auswandern und um so mehr werden Arbeitsplätze verloren gehen. Schon Lincoln sagte zu Recht: „Ihr werdet den Armen nicht helfen, wenn Ihr die Reichen ausmerzt.“.

business-on.de: Welche Aufgaben nimmt der Verband der Familienunternehmer wahr bzw. welche Ziele hat er sich gesetzt?

Dr. Patrick Adenauer: In erster Linie ist die ASU natürlich Interessensvertretung der Familienunternehmer. Unser Ziel ist, so steht es auch in der Satzung, neben der Förderung von Selbständigkeit, Eigentum und Selbstverantwortung insbesondere auch für eine saubere Ordnungspolitik zu kämpfen.

business-on.de: ... auch im Hinblick auf Reformen?

Dr. Patrick Adenauer: Ja, der politische Reformwille scheitert an divergierenden Interessen, deswegen ist es um so mehr unsere Aufgabe, unseren Einfluss geltend zu machen und Druck auf die Regierung auszuüben. Die Problematik wird besonders sichtbar bei der Arbeitsmarkt-Politik und bei den sozialen Sicherungssystemen. Beim Arbeitsrecht wünschten wir uns eine Liberalisierung wie in der Schweiz, wo die Mitarbeiter zum Marktpreis arbeiten können. Die Diskussion um Mindestlöhne, so wie sie die SPD derzeit führt, schafft lediglich neue Barrieren. Was wirklich Beschäftigungseffekte bringt, sind niedrige Arbeitskosten und flexible Löhne. Mindestlohn und Mindesteinkommen sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. In diesem Punkt unterstützen wir die Meinung des IFO-Instituts.

business-on.de: Und was ist mit der Rente?

Dr. Patrick Adenauer:Tatsache ist, dass sich die Rentenbezugszeit um bis zu 100 Prozent erhöht hat. Allein deswegen war die Rente schon lange nicht mehr sicher. Das hat auch Norbert Blüm gewußt. Offensichtlich aus wahltaktischen Gründen hat er die notwendige Rentenreform gescheut. Jetzt muss unsere Generation für die Versäumnisse seiner Politik büßen. Denn die Zeit reicht nicht aus, um ausreichend Vorsorge zu treffen.

business-on.de: Das Versprechen der CDU, die Lohnnebenkosten zu senken, ist bisher nur zum Teil eingelöst worden und wird in der großen Koalition als Ziel wohl nicht mehr weiterverfolgt. Was nun?

Dr. Patrick Adenauer: Wir müssen halt wieder mehr arbeiten. Denn nur so lassen sich unsere relativ zum Ausland hohen Lohnstückkosten bei gleichbleibenden Löhnen senken. Dadurch bleibt die Kaufkraft erhalten und die Preise müssen nicht steigen.

business-on.de: Könnten Sie sich, Herr Adenauer, eine politische Karriere vorstellen?

Dr. Patrick Adenauer: Nein, ich bin zwar ein politischer Mensch, aber eine Karriere als Politiker kommt für mich nicht in Frage. Der Politikerjob ist inzwischen total unattraktiv, weil Sie nicht mit offenem Visier für Ihre Meinung kämpfen können. Die besten Ordnungspolitiker werden frustriert, wie beispielsweise Friedrich Merz. Die eigene Meinung fällt der parteipolitischen Raison zum Opfer. Es ist an der Zeit, die Politiker wieder zu einer klaren Haltung zu ermutigen.

business-on.de: Wie lange wollen Sie der ASU als Präsident zur Verfügung stehen?

Dr. Patrick Adenauer:Gerne noch die nächsten zwei Jahre, im Mai stelle ich mich dafür zur Wahl. Mehr als vier geht aber zum Glück nicht, weil das Amt auf maximal vier Jahre laut Statuten ausgelegt ist.

business-on.de: Die Wiederwahl wird ja kein Problem sein, jedenfalls wünschen wir weiterhin viel Erfolg bei allen Vorhaben.

(Karin Bäck)


 


 

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