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Die Jamin-Kolumne: Auf einen Cappuccino

Mit Jugendfänger Raab ist kein Staat zu machen

Abschalten oder Plattitüden à la Stammtisch

Was die politischen Themen betrifft, sind wir ja heute ohnehin schon so weit, dass Ministerialbeamte wie Politiker selbst Experten brauchen, die ihnen ihre eigene Politik erklären. Warum sollten junge Menschen sie verstehen, wenn schon ihre Eltern keinen Durchblick mehr haben? Die Themen sind so kompliziert geworden, dass viele Menschen einfach abschalten oder sich mit Plattitüden auf Stammtisch-Niveau behelfen.

Viel konnte die Jugend im übrigen nicht vom sogenannten Kanzler-Duell erwarten – keiner der Teilnehmer hatte wirklich noch Jugendthemen in seinem Rucksack. Die vier Fernsehmoderatoren waren schon im reifen Alter – Anne Will ist 47, Maybrit Illner 48, Peter Kloeppel 54 und "Jugendfänger" Stefan Raab 46 Jahre alt. Angela Merkel ist 59 Jahre alt und wird sich in vier Jahren aufs Altenteil zurückziehen, falls sie nicht - wie Altkanzler Gerhard Schröder – einem russischen Energiegiganten zu Diensten sein will. Peer Steinbrück hat mit 66 Jahren bereits das Rentenalter erreicht und besserte ja schon vor seinem Start als Kanzleraltkandidat seine Altersvorsorge mit Vortragshonoraren auf.

Das Kanzler-Duell und die Wahl des 46-jährigen Stefan Raab als Jung-Moderator macht auch deutlich, wie schlecht es um die Jugendszene in Deutschlands TV-Landschaft bestellt ist. Selbst das hochsubventionierte öffentlich-rechtliche Fernsehen hat es nicht geschafft, eine schlagkräftige Riege junger Fernsehmoderatorinnen und TV-Moderatoren auszubilden und zu etablieren. Die alten Schlachtrosse hocken vor ihren Telepromptern und weichen keinen Zentimeter.

In Politik und Medien haben die Alten die Meinungshoheit

In der Politik wie in den Medien halten die Alten die Meinungshoheit besetzt. Man operiert gerne an der Jugend vorbei, gerade so, als habe man Angst vor ihrer kaum zu kontrollierenden Wildheit und ihrem unkonventionellen Handeln.

Das zeigt sich auch an der Auswahl der Medien. Die Parteien trauen den klassischen Medien – TV, Hörfunk, Tageszeitungen Magazinen und Plakatierung – noch immer mehr als ihren Internet-Auftritten. Wer wissen will, wie ernst etwa Tageszeitungen die Jugend nehmen, muss sich nur sogenannte „Jugendseiten“ ansehen oder die redaktionellen Themen, mit denen die Chefredakteure junge Leser erreichen wollen – wenn überhaupt, schreibt man über die Jugend, statt für sie. Was bleibt der Jugend anderes als die Flucht ins Internet?

Wahlkampf: Die gähnende Langeweile am Straßenrand

Die Politik ist da nicht besser. Wie wenig die Parteien die Lebenswelten und Bedürfnisse der Jugend im Fokus haben, zeigt sich z.B.an den fürchterlich konservativen, gähnend langweiligen Wahlplakaten am Straßenrand. Deren Botschaften sind zudem so leicht zu durchschauen und peinlich simpel, dass man keine Lust verspürt, überhaupt darüber nachzudenken: „Ich werde mal Energie-Riese.“ „Wir für bezahlbare Mieten.“ „Der Osten wählt rot.“ „Jede Familie ist anders – und uns besonders wichtig.“ „Wachstum braucht Weitblick – und einen stabilen Euro.“ „Damit Deutschland stark bleibt.“

Manche Plakate haben nicht mal mehr eine Pseudo-Botschaft. Da ist dann nur noch der Name des Kandidaten Programm. So macht man Jugend zur schweigenden Mehrheit.

Bis nächsten Freitag. Auf einen Cappuccino...
                                                                  Ihr Peter Jamin

Unser Autor ist Schriftsteller, Journalist und als Berater für Kommunikation seit Jahrzehnten immer wieder auch für ausgewählte Projekte von Unternehmen und Werbe- und PR-Agenturen tätig. Sein soziales Engagement gilt der Situation von Angehörigen vermisster Menschen, auf deren Situation der Publizist in Büchern, TV-Dokumentationen und Artikeln seit mehr 20 Jahren immer wieder aufmerksam macht.

(Peter Jamin)


 


 

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