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Digitalisierung

Digitalisierung und der Wandel in der beruflichen Bildung

Wenn immer mehr Produkte und Prozesse digitalisiert werden, muss sich das auch auf die berufliche Bildung und die Mitarbeiter auswirken. Wie diese Veränderungen aussehen und welche Wege gegangen werden können, wurde jetzt bei einer Podiumsdiskussion in der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) ausgelotet.

Siegen. Wenn immer mehr Produkte und Prozesse digitalisiert werden, muss sich das auch auf die berufliche Bildung und die Mitarbeiter auswirken. Wie diese Veränderungen aussehen und welche Wege gegangen werden können, wurde jetzt bei einer Podiumsdiskussion in der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) ausgelotet. Gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband für den Kreis Olpe e. V., den Arbeitgeberverbänden Siegen-Wittgenstein, der IG Metall Olpe, der IG Metall Siegen und der Universität Siegen hatte die IHK zu der Veranstaltung eingeladen. Experten beleuchteten das Thema aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln.
„Wir haben den Wandel vom Blechbiegen hin zur Verarbeitung elektronischer Bauteile hinter uns gebracht“, beschrieb Erich Bullmann, Betriebsrat der Trilux GmbH & Co. KG aus Arnsberg, den weiten Weg des Unternehmens. „Die Alternativen für die Beschäftigten waren entweder sich weiterzubilden oder den Arbeitsplatz zu verlieren.“ Das war ein schmerzhafter Prozess, doch weil Belegschaft und Geschäftsleitung an einem Strang zogen, konnte er gelingen. Andreas Volprecht von der LEWA Attendorn GmbH & Co. KG berichtete aus Sicht seiner Lehrwerkstatt: „Die Jugendlichen haben immer mehr damit zu tun, dass sie mit ganzen Prozessen arbeiten. Dafür brauchen sie eigentlich eher zwei Ausbildungen – zum Beispiel Industriemechaniker und Elektroniker –, damit sowohl die Breite als auch die erforderliche Tiefe erfasst werden.“ Prof. Dr. Maren Petersen (Universität Bremen) hat sich in ihrer Zeit bei der Laser Zentrum Nord GmbH beziehungsweise dem Institut für Laser- und Anlagensystemtechnik (iLAS) der Technischen Universität Hamburg-Harburg intensiv mit den Veränderungen von Qualifikationsanforderungen für Facharbeiter, Techniker und Produktionsmitarbeiter beim Einsatz neuer Technologien in der Fertigung, insbesondere der hochautomatisierten laserbasierten Produktion, beschäftigt. Dabei konnten deutliche Verschiebungen der Qualifikationsanforderungen festgestellt werden. Deshalb ihr Rat an die Beschäftigten: „Lernt, lernt, lernt!“ Nur durch stetiges Weiterlernen könnten die Mitarbeiter ihr Wissen aktuell halten und dafür sorgen, ihre Arbeitsplätze zu erhalten.

Eine Lanze für die betriebliche Ausbildung brach Jörg Ferrando. Als Politischer Sekretär der IG Metall-Zentrale in Frankfurt/Main ist er unter anderem mit der Neuordnung der IT-Berufe befasst. Aus seiner Sicht würden die Neuordnungsverfahren in der Regel ausreichend schnell auf die veränderten technologischen Gegebenheiten reagieren. „Ausbildungsbetriebe können ja bereits jetzt betriebliche Notwendigkeiten in diesem Rahmen abdecken. Wenn dann noch über Zusatzqualifikationen Spezialisierungen erreicht werden, sind die Facharbeiter eigentlich gut gerüstet“, so Ferrando.

Auch Winfried Schwarz, Geschäftsführer der EJOT Holding GmbH & Co. KG, sieht in der Ausbildung die Zukunft. „Wir brauchen auch in Zukunft noch mehr Facharbeiter als Ingenieure. Und letztere brauchen Praxiserfahrungen, weshalb wir das Duale Studium bevorzugen.“ Auch unter den Bedingungen von Industrie 4.0 werde im Betrieb praktisches Wissen benötigt, vielleicht sogar noch mehr als heute, weil der Einsatz immer spezialisierter werde.

Manfred Kämpfer, Leiter des Berufskollegs Technik Siegen, der die Diskussion moderierte, fasste zusammen: „Alle sind sich einig, dass Lernkompetenzen die wichtigste Ressource für die Zukunft sind.“ Dies unterstrich IHK-Geschäftsführer Klaus Fenster: „Wer weiß, wie man lernt, wird auch in der digitalen Fabrik seinen Platz finden. Die Berufsbildung kann dafür eine gute Grundlage bilden, gerade weil sie praxis- und bedarfsorientiert ist.“ Umso wichtiger sei es, auf regionale wie betriebliche Besonderheiten eingehen zu können, indem zum Beispiel Zusatzqualifikationen für leistungsstarke Auszubildende oder auch Angebote des dualen Studiums aufgegriffen werden. Lernmotivierte Beschäftigte könnten unter den Vorzeichen der Digitalisierung einen echten Mehrwert für ihr Unternehmen bedeuten.

(Redaktion)


 


 

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