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Stadtwerke starten offiziell mit Glasfaser und Erdgas in Holtum

Aufsichtsrat entschied am Montagabend, Erdarbeiten haben schon begonnen

Werl-Holtum. Nachdem am Montagabend der Aufsichtsrat einstimmig entschieden hat, geht das Glasfaser-Projekt in Holtum jetzt offiziell an den Start. Die Stadtwerke Werl erschließen in Holtum zunächst die Haupttrasse und verlegen dort Glasfaser-Leerrohre sowie die Erdgashauptleitung; von der Haupttrasse aus werden die weiteren Straßenzüge mit den jeweiligen Haushalten, die einen Anschluss gewünscht haben, sukzessive erschlossen. Das Projekt soll bis 2020 dauern. 

Ursprünglich war eine Beteiligung von 40 Prozent der 356 Holtumer Gebäude angestrebt worden, doch angesichts des Pilotcharakters dieses Projektes wird nun mit einer Beteiligungsquote von 31 Prozent gestartet. „Das ist absolut zukunftsweisend nicht nur für Holtum, sondern für ganz Werl“, so Bürgermeister Michael Grossmann während eines Pressegespräches am Dienstagmorgen in der Schützenhalle Holtum. Ortsvorsteher Klaus Nordmann: „Es hat doch einige Mühe gekostet, den Bürgern klar zu machen, dass die einmaligen Anschlusskosten von rund 1700 Euro für einen Glasfaseranschluss eine gute Investition in die Zukunft sind; jede Immobilie in Holtum wird ja damit enorm aufgewertet.“ Für neue Erdgaskunden gibt es daneben eine Finanzförderung seitens der Stadtwerke. 

Aktuell laufen Bauaktivitäten für die Haupttrasse Hemmerde-Prozessionsweg u. a. „Am Jahenbrink“, „Grotekittelstraße“, „Lohbredde“ und „Hemmerder Weg“. Diese Trasse wurde als erster Schritt gewählt, um eine Datenanbindung an die vorhandene Infrastruktur der Stadtwerke Unna GmbH zu schaffen und damit erstmals den Providern einen Zugang zum Netz der Stadtwerke Werl GmbH zu ermöglichen. Das Gros der Aufträge für die Erdarbeiten ging an heimische Firmen.

Die Erschließung von Holtum erfolgt in mehreren Abschnitten in den Jahren 2017 bis 2020. Bis auf einige unwirtschaftliche Erschließungsflächen im Außenbereich sind ca. 90 % der Holtumer Gebäude an Erdgas und Glasfaser anschließbar. In Teilbereichen werden parallel auch Stromkabel der Stadtwerke und Wasserleitungen der Gelsenwasser AG ausgewechselt bzw. verstärkt. In dem genannten Zeitraum sind Verkehrsbeeinträchtigungen nicht zu vermeiden. In die Leerrohre wird nach Ende der Erdarbeiten das eigentliche Glasfaserkabel „eingeblasen“. Die Stadtwerke beabsichtigen das Glasfasernetz sämtlichen Providern, die mit den Stadtwerken kooperieren wollen, im Sinne eines „Open Access“ anzubieten, damit die Kunden sich Ihren favorisierten Provider aussuchen können. 

In den kommenden Tagen werden die Erdgas- und Glasfaserkunden individuell angeschrieben. Die Stadtwerke informieren dann über Zeit- und Projektplanung; ein grober Termin für die Erstellung des individuellen Hausanschlusses wird in den Kundenbriefen mitgeteilt. Während des Projektes werden aktuelle Informationen auf der Internetseite der Stadtwerke bereitgestellt.

Für die Stadtwerke Werl ist das Projekt ebenfalls eine Investition in die Zukunft. „Wir investieren hier insgesamt 2 Mio. Euro. Mit unserer Technologie werden unsere Netze auch noch für die kommenden Generationen nutzbar sein und weniger störanfällig sein als Leitungen die so gerade eben unter der Grasnarbe verlegt werden“, erläutert Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Heinz. Auf Seiten der Stadtwerke wird das Projekt von Arne Lorenz von Reisswitz vorangetrieben: „Glasfaser überträgt Informationen in Lichtgeschwindigkeit. Die Kapazitätsgrenzen der Glasfaser sind heute noch gar nicht erreicht. Wir investieren hier in eine absolut zukunftsträchtige Technologie. Andere Technologien, nämlich das über Vectoring veredelte Kupferkabel oder gar VDSL seien immer nur eine Übergangslösung.“ Aufsichtsratschef Wilhelm Topp: „Das zeigt auch, dass die Stadtwerke Werl mehr können, als bloß Strom, Gas und Wasser zu liefern. Wir sind ein moderner Infrastrukturdienstleister.“

In mehreren Infoabenden in der Holtumer Schützenhalle hatten Experten der Stadtwerke sowie des regionalen Telekommunikationsanbieter HeLiNET im Laufe des Winters den Bürgern Fragen zum Thema Glasfaser und Gasanschluss beantwortet. Häufig ging es demnach um Fragen zur Technologie und zur Anschlusserstellung.

Aktuell liegen Aufträge für 31 % der Holtumer Gebäude vor. Da einige Anschlussberatungen noch ausstehen und erfahrungsgemäß bei Start der Bauarbeiten weitere Anschlussaufträge eingehen, wird effektiv eine Quote von ca. 35% erwartet. Spätere Erdgas- und Glasfaseranschlüsse sind selbstverständlich möglich, aber nicht mehr zu den bisher gewährten Sonderkonditionen. Diese gelten noch bis zum 31.05.2017. Neben Holtum erfolgt die Glasfasererschließung der Gewerbegebiete Runtestraße, Am Maifeld und Prozessionsweg.

Stichwort: Schnelles Internet

Ein Glasfasernetz, auch photonisches Netz, ist ein Übertragungsmedium zur Datenkommunikation in Form einer Verbindung mehrerer Glasfaserkabel-Systeme. Daten werden nicht per Strom sondern mit Hilfe von Lichtimpulsen übertragen. Dies geschieht in Lichtgeschwindigkeit; es gilt als ausgesprochen zukunftssicher; kein anderes Medium bietet mehr Bandbreitenreserven als Glasfaser. Das deutsche Glasfasernetz hat derzeit eine Länge von etwa 340.000 km. Von diesen liegen mit rund 200.000 km Glasfaserkabel rund 60 Prozent des deutschen Glasfasernetzes im Großraum Berlin. Wer heute Internet nutzt, kommt über Datenraten von 16 Mbit/sec meist nicht hinaus. Mit Glasfasertechnologie sind im Privatkundenbereich Bandbreiten bis zu einem Gigabyte möglich. 

Schnelles Internet wird auch über Vectoring möglich. Hierbei werden allerdings keine GF-Kabel bis ins Haus verlegt, sondern allenfalls bis zum nächsten Verteilerkasten. Vectoring ist zwar schnell, aber nicht so schnell wie Glasfaser.

Schnelles Internet wird auch über LTE-Funkstrecken möglich. Dies erfordert entsprechend viele Sendemasten, wird als Zwischenlösung vor allem in sehr ländlichen Gebieten (Eifel) eingesetzt und gilt als recht störanfällig. Die Datenraten sind mit Glasfasertechnologie nicht zu vergleichen.

(Redaktion)


 


 

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