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Einzelhandel

Kreativ und online durch die Krise

IHK-Einzelhandelsausschuss beschäftigte sich mit Corona-Auswirkungen

Siegen/Olpe. „Diejenigen Händler, die in der Vergangenheit an ihrer Online-Sichtbarkeit gearbeitet haben, hatten in der Zeit des durch die Corona-Pandemie verursachten Shutdowns einen leichteren Stand.“ Dieses Fazit zog jetzt Handelsreferent Marco Butz vor dem Einzelhandelsausschuss der IHK Siegen. Der Onlinehandel sei es, dessen Umsätze in den vergangenen drei Monaten nach oben geschossen seien. „Fast auf das Niveau des Vorweihnachtsgeschäfts. Und daran können, nein, sollten alle Einzelhändler vor allem in diesen Tagen partizipieren.“ 

Mit welch kreativen, aber simplen Mitteln das möglich ist, verdeutlichte Carmen Kikillus. Die Inhaberin des Damenmodegeschäfts Fashion NOW! in Freudenberg verschickte und lieferte selbst Überraschungspakete an ihre Stammkundinnen aus. „Die Frühjahrsware war bezahlt, musste raus. Also habe ich im Prinzip das gemacht, was die großen Versandhäuser noch vor 20 Jahren gemacht haben: Ich habe meinen Kundinnen Auswahlpakete gepackt.“ Da sie ihre Kundinnen kennt, wusste sie, welche Größen, welchen Stil sie bevorzugen. Das sprach sich herum. Auch weil sie ihre Ausliefertouren auf sozialen Kanälen dokumentierte. Sodass am Ende nicht nur Stammkundinnen, sondern auch neue Kundinnen und sogar Männer für ihre Frauen Überraschungspakete bei Carmen Kikillus orderten. Das Zurücksenden oder -bringen der nicht benötigten Auswahl klappte nicht minder problem- und kontaktlos. 

„Auch uns hat der eigene Online-Shop während des Corona-Shutdowns geholfen, Umsätze zu generieren“, resümierte Thomas Corte, Inhaber von Euronics XXL Corte in Attendorn. Selbst wenn die Erträge längst nicht mit denen in normalen Zeiten übereinstimmten. „Wir haben einen eigenen Online-Shop, den wir über Google regional bewerben.“ Entsprechend nutzten besonders hiesige, aber durchaus auch überregionale Kunden den virtuellen Laden. Thomas Corte: „Statt einmal musste der Paketdienst zweimal täglich kommen.“ Seit der Wiedereröffnung kommen die Kunden lieber wieder selbst vorbei. „Normalerweise trägt der Online-Shop mit 5 bis 8 % zum Gesamtumsatz bei. Während der angeordneten Schließung waren es rund 60 %. Allerdings 60 % von dezimierten Umsätzen.“
Verkauf geschlossen, Werkstätten geöffnet: Das war die Situation in den Autohäusern während der Krise. „Deshalb haben wir erstmals in unserer 59-jährigen Firmengeschichte der Autohaus Keller GmbH & Co. KG Kurzarbeit beantragt“, berichtete Ausschussvorsitzender Wolfgang Keller. „Wenn auch nur für den Vertrieb. Die waren quasi ohne Beschäftigung.“ Zwar hätten Autos theoretisch online bestellt werden können, davon machten die Kunden aber keinen Gebrauch. Erst seit Ende Mai gebe es wieder Bewegung bei den Verkaufszahlen für Neuwagen. Wolfgang Keller ist gespannt auf die Auswirkung der Mehrwertsteuerreduzierung. „Das könnte in der Automobilbranche tatsächlich etwas bringen.“ Überhaupt versucht das Autohaus Keller nach der Wiedereröffnung des Verkaufs bewusst positive Stimmung zu verbreiten. „‚Gönn dir was!‘ lautet das Motto“, so Wolfgang Keller. „Mit Klagen verkauft man keine Autos.“
Selbst am Lebensmitteleinzelhandel ist die Pandemie nicht spurlos vorbei gegangen, auch wenn hier weiter Umsätze gemacht worden sind. Gestiegene Kosten für Sicherheitspersonal, Abstandsregelungen, Desinfektionsmittel und ein völlig geändertes Kaufverhalten der Kunden, wie Sascha Estel, Geschäftsführer der Lidl Vertriebs-GmbH & Co. KG in Burbach, auflistete, sind große Herausforderungen. Das gelte auch für die Bestimmungen, ergänzte Jorg Dornseifer, Geschäftsführer von Dornseifers Frischemarkt. „Wir haben Filialen in sechs Landkreisen, allesamt in NRW. Aber wir mussten uns mit sechs unterschiedlichen Regelungen herumschlagen. Kann das Land hier nicht für einheitliche Regelungen sorgen?“ „Das hat die Kunden noch mehr verunsichert, als sie es durch die neue Pandemiesituation ohnehin schon waren“, bestätigte Sascha Estel. Ein Teil der in den vergangenen Monaten erzielten hohen Umsätze sei nur vorweggenommen worden, urteilte Dr. Heiko Seitz, Leiter Immobilien und Expansion der ALDI Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG in Bad Laasphe. Zudem seien höhere Kosten für die Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Kunden entstanden. „Inzwischen ist es wieder ruhiger, auf Normalniveau.“ 

Um auch die kleinen Einzelhändler zumindest wieder auf dieses Niveau zu heben, stellte IHK-Mitarbeiter Boris Edelmann dem Ausschuss „seine“ Dienstleistung vor. Er bringt in einem ersten Schritt Händler und Dienstleister in die sozialen Medien, optimiert deren Auftritte dort und wirft einen Blick auf ihre Google-Business-Einträge. In Corona-Zeiten per Videokonferenz, inzwischen wahlweise auch wieder in Form von Firmenbesuchen. „Geplant waren 60 Unternehmen im Jahr, inzwischen bin ich bereits bei knapp 40“, berichtete er von einem großen Bedarf und einer guten Resonanz – auch seitens der Kunden auf die neuen Auftritte der Händler. „Flankiert wird das Ganze durch unsere Seminare und Workshops, von denen einige bereits online stattfinden mussten“, zeigte Boris Edelmann auf. „Aber wir werden weiterhin, wo es geht, Online-Seminare anbieten.“ Warum? „Weil die Händler keine Zeit für Fahrten aufwenden müssen und zwischendurch sogar mal den einen oder anderen Kunden bedienen können.“ 

Auch wenn die beiden von Boris Edelmann betreuten Projekte weit vor Corona von der IHK-Vollversammlung beschlossen worden seien, das Ziel dieser Dienstleistung sei klar, betonte Marco Butz abschließend: „Sollte es zu einer zweiten Welle kommen, wollen wir bis dahin möglichst viele Händler online sichtbar haben.“

(Redaktion)


 


 

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