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Einzelhandelsentwicklung

Einzelhandel als gestaltende Kraft begreifen

IHK stellt Leitgedanken zur Einzelhandelsentwicklung vor

Siegen/Olpe. Wie sehr der stationäre Einzelhandel Gesicht und Attraktivität der Innenstädte und Ortszentren bestimmt, zeigt sich spätestens dann, wenn er sich vor Ort zurückzieht. Seit Jahren befindet sich der Handel auch in unserer Region im Umbruch. „Fachmarktzentren und Factory Outlet Center auf der grünen Wiese und Shopping Malls in den Oberzentren gehören heute genauso zum Bild wie vereinsamte Einkaufsstraßen in Stadtteilzentren und Leerstände in einstigen Top-Lagen. Informationsquelle Nummer eins ist längst das Internet. Händler wie Kunden wickeln zunehmend auch ihre Bestellungen online ab“, beschreibt IHK-Vizepräsident Jost Schneider die Situation. 

Der Einzelhandel brauche in den kommenden Jahren mehr denn je eine ausgewogene Entwicklung. Gemeinsam müssten die Verantwortlichen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung hierfür neue Impulse für die hiesigen Stadt- und Ortszentren setzen, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener. Diesem Ziel dient auch eine umfangreiche Bestandsaufnahme zur Attraktivität der Zentren und Innenstädte in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe, die derzeit im Auftrag der IHK und der beiden Arbeitsgemeinschaften der Sparkassen und Volksbanken durchgeführt wird. Klaus Gräbener: „Gemeinsam mit der heimischen Kreditwirtschaft möchten wir herausfinden, wie attraktiv Bürger und Verwaltungen die Zentren finden. Fachkräfte bestimmen heute ihren Lebensmittelpunkt zunehmend auch nach weichen Standortfaktoren. Es geht längst nicht mehr nur darum, ob sie hier lukrative Jobs und berufliche Perspektiven finden, sondern auch ein Umfeld, das es ihnen leicht macht, ihren Lebensmittelpunkt in unsere Region zu verlegen. In der zweiten Jahreshälfte sollen die Kommunen die Untersuchungsergebnisse und damit fundierte und differenzierte Handlungsempfehlungen in den Händen halten.“ 

Was aus Sicht des Einzelhandels hierfür grundsätzlich erforderlich ist, zeigt die IHK in ihren „Leitgedanken zur Einzelhandelsentwicklung“ auf, die im IHK-Einzelhandelsausschuss erarbeitet und zwischenzeitlich durch die IHK-Vollversammlung verabschiedet wurden. Ein zentraler Punkt ist, den örtlichen Einzelhandel noch stärker als gestaltende Kraft zu begreifen. Die mehr als 5200 Einzelhandelsbetriebe in den beiden Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe haben 2017 einen Umsatz von knapp 2,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. „Sie bieten nicht nur zahlreichen Menschen Beschäftigung und Einkommen, sondern bestimmen maßgeblich die Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden. Außerdem stärkt der Einzelhandel mit seinem Steueraufkommen, seinem Sponsoring und seinen Spenden das öffentliche Leben, ist ein verlässlicher Partner lokaler Initiativen oder Vereine und in den Dörfern häufig ein sozialer Treffpunkt“, erläutert der Vorsitzende des IHK-Einzelhandelsausschusses, Wolfgang Keller. Die IHK greift diese Argumente auf und unterstützt die Händler mit der Imagekampagne „Heimat shoppen“, an der zuletzt rund 800 Einzelhändler in 16 Städten und Gemeinden teilnahmen. 

Das alleine reiche jedoch längst nicht aus, betont Wolfgang Keller. So müssten Land und Kommunen den planerischen Fokus noch stärker darauf legen, die Zentren zu stärken und die Nahversorgung zu sichern. Längst sei bekannt, wie sich großflächige Einzelhandelsbetriebe mit zentrenrelevanten Sortimenten an Randlagen auswirken können: Die Zentren werden im Wettbewerb benachteiligt, öffentliche und private Investitionen werden entwertet und die Nahversorgung nachhaltig gefährdet. Die IHK rät daher dringend, zentrale Versorgungsbereiche auszuweisen und durch die Bauleitplanung rechtlich verbindlich abzusichern. Außerdem empfehlen die Handelsexperten, die Städtebauförderung anzupassen: Die Kommunen in Nordrhein-Westfalen sollen Finanzierungsanteile durch private Dritte nutzen können, wie dies anderswo bereits möglich ist. Auch der Ausbau der digitalen Infrastruktur solle in der Städtebauförderung stärker berücksichtigt werden, damit neue Geschäftsmodelle entstehen können. Es dürften insbesondere diejenigen stationären Einzelhandelsbetriebe eine Zukunft haben, die digital sichtbar werden. 

Allerdings habe der örtliche Einzelhandel auch Stärken, die es auszubauen gelte. „Für den stationären Handel spricht eindeutig seine Service- und Beratungskompetenz. Hier kann er sich von der Konkurrenz im Internet, aber auch im Wettbewerb mit anderen Händlern vor Ort deutlich abheben. Investitionen in die Aus- und Weiterbildung können daher für die betriebliche Existenz entscheidend sein“, unterstreicht Jost Schneider. Auch die Vernetzung der Einzelhändler und Werbegemeinschaften untereinander sei ein Pfund, das sich auf Dauer auszahle. Unternehmerische Zusammenschlüsse lieferten häufig neue Ideen, um Projekte des Eventmanagements zu entwickeln, zu finanzieren und umzusetzen. Mit derartigen Aktionen könnten Alleinstellungsmerkmale geschaffen werden, um die Attraktivität des Standortes zu steigern. 

Die IHK wird die Leitgedanken zur Einzelhandelsentwicklung in den kommenden Wochen an Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung in der Region versenden und dabei alle Akteure einladen, gemeinsam an deren Umsetzung vor Ort mitzuwirken.

(Redaktion)


 


 

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