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Was ist die Mobilitätswende? – Zukunft des Automobils

„Der Plug-In-Hybrid-Motor ist das Modell der Zukunft und das ist gut für uns!“ Prof. Dr. Günther Schuh machte in seinem Vortrag vor rund 140 Gästen von Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein (USW) und Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Siegen. „Der Plug-In-Hybrid-Motor ist das Modell der Zukunft und das ist gut für uns!“ Prof. Dr. Günther Schuh machte in seinem Vortrag vor rund 140 Gästen von Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein (USW) und Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) aus seinem Herzen keine Mördergrube. Der Inhaber des Lehrstuhls für Produktionssystematik und Direktor des FIR e. V. an der RWTH Aachen sowie Gründer der Unternehmen StreetScooter und e.GO Mobile betonte, dass die „Mobilitätswende“ in Zukunft das Bedürfnis nach individueller Mobilität ebenso komfortabel und individuell befriedigen muss wie das Auto dies heute bereits tut. Seine Vision ging darüber hinaus: „Wir werden dieses Bedürfnis in Zukunft noch viel besser befriedigen können.“ Und die Begründung dafür: Die Industrialisierung habe in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Überproduktion in vielen Bereichen geführt. Dadurch seien die Fertigungskosten insgesamt so gering geworden, dass sich die Gesellschaft eine viel zu geringe Auslastung in zentralen Bereichen leisten könne. Die von Schuh aufgeführten Werte ließen die Zuhörer große Augen machen: So würden städtische Verkehrsflächen laut seinen Berechnungen nur zu 3 % tatsächlich ausgelastet, Autos zu 4 % und Bussitze zu 7 %. Stau sei offenbar das Ergebnis einer „mäßigen Intelligenz, ob künstlich oder natürlich“, wie Schuh augenzwinkernd mitteilte, die dazu führe, dass alle zur selben Minute dieselbe Strecke fahren wollten oder müssten.

In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Emissionsfreiheit höhere Bedeutung erlangten, sei dies so nicht mehr hinnehmbar. „Wenn Verkehr flexibel ist, müssen die Verkehrssysteme dies auch sein“, so Schuhs vehementes Plädoyer. Beispiel Messeverkehr: „Seit mehr als 30 Jahren wird hier eine Steuerung angewandt, die den Verkehr morgens mehrspurig Richtung Messe leitet und einspurig zurück, am Ende des Messetags aber genau andersherum. Was spricht eigentlich dagegen, dies im normalen Stadtverkehr genauso zu machen?“ Stattdessen würden immer noch feste Spuren mit fixen Schildern markiert, die den Notwendigkeiten jedoch allenfalls notdürftig Genüge täten.

Schuh stellte sein Mobilitätskonzept für die Zukunft vor. Die Besonderheit: Es wurde aus der Sichtweise eines Produktionssystematikers entwickelt. Unter diesem Blickwinkel achtet Schuh insbesondere auf eine gute Auslastung und hohe Produktivität, auch im Verkehr. So ist er der Auffassung, dass insbesondere auf dem Land auf Dauer private, individuelle Fahrten nicht wegzudenken seien, weil dies die effizienteste Methode darstelle, Menschen über längere Strecken zum gewünschten Zeitpunkt ans Ziel zu bringen. Für die Innenstädte wiederum sei es wichtiger, hier auf gemeinschaftlichen Verkehr zu setzen, der aber bequem sein müsse, um akzeptiert zu werden. Schuh setzt in seiner Vision für die Mobilitätswende auf „Mover“. Das sind batterieelektrisch angetriebene Kleinbusse mit bis zu 15 Plätzen, die über ein Ridesharing-System die Fahrgäste möglichst schnell ans Ziel bringen. „Privat-Pkws, Car-Sharing-Fahrzeuge und ,Mover‘ treffen sich am Rande der Innenstädte in sogenannten Hubs, die ein schnelles und bequemes Umsteigen ermöglichen.“ Prof. Schuh ist sich sicher, dass auf diese Weise Menschen bequemer und schneller ans Ziel kommen und deshalb auch bereit sind, umzusteigen. Dadurch wird der Verkehr in den Innenstädten insgesamt reduziert, flüssiger und vor Ort emissionsfrei. Linienbusse sind laut Schuh nur auf den Hauptstrecken sinnvoll einzusetzen. Teil des gesamten Mobilitätskonzepts ist allerdings auch das Elektrofahrzeug e.GO Life, das laut Schuh für den innerstädtischen Kurzstreckenverkehr konzipiert sei.

Hier kam an dem Abend zusätzlich eine südwestfälische Komponente ins Spiel: Ergänzend zum Vortrag von Prof. Günther Schuh stellten Michael Vitt und Detlef Walter von der LEWA Attendorn GmbH eine dort konzipierte und umgesetzte Roboter-Schweißanlage vor, die den Karosserierahmen des e.GO fertigt. Die Teilnehmer konnten diese in einer 3D-Simulation erleben und auch die fertigen Teile des Vorder- und Hinterwagens sehen. Dadurch wurden die Besonderheiten des Kleinwagens auch noch einmal deutlicher.

Und den eingangs erwähnten Hybrid-Motor, d. h. der Antrieb besteht aus einem batterieelektrischen Motor und einem Verbrenneraggregat oder einer Brennstoffzelle, lobte Schuh als die Form für die Zukunft aus, weil dieser innerstädtisch emissionsfrei fahren könne und dennoch sowohl lange Strecken als auch schwere Lasten bewältige. Gut für den Industriestandort Deutschland sei dies deshalb, weil sich die deutschen Unternehmen durch Know-how-intensive Produkte auszeichneten, was auch hier notwendig sei. Der Vorsitzende der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein, Jörg Dienenthal, und IHK-Präsident Felix G. Hensel waren sich mit dem Referenten einig, dass es sich dabei keineswegs um eine Übergangslösung handle.

(Redaktion)


 


 

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