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Exportwirtschaft

Chaos-Brexit bereitet erhebliche Sorgen

Großbritannien drohten massive Investitionsverlagerungen, mit allen negativen Auswirkungen. Etliche Unternehmer hofften insgeheim zudem auf eine zweite Volksabstimmung.

Siegen. „Der Brexit wird sich auch auf die heimische Wirtschaft sehr negativ auswirken. Er kann bei uns zu einem Verlust von Wachstum führen und letztlich auch bestehende Arbeitsplätze gefährden“, sorgt sich IHK-Präsident Felix G. Hensel. Das Vereinigte Königreich sei für die Exportwirtschaft in Nordrhein-Westfalen das drittwichtigste Ausfuhrland. Dies werde vielfach in der öffentlichen Debatte nicht hinreichend verdeutlicht. Im vergangenen Jahr seien Waren im Wert von mehr als 13 Mrd. € von NRW aus nach Großbritannien exportiert worden. „Allein unsere regionalen Industriebetriebe führen rund 600 Mio. € dorthin aus. Nimmt man andere Wirtschaftszweige hinzu, liegt der Gesamtexport der regionalen Wirtschaft ins Vereinigte Königreich noch erheblich darüber. Mindestens 300 Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe liefern auf den britischen Markt. Mehr als 30 verfügen über Niederlassungen dort, einige zudem über eigene Produktionsstätten“, erklärt Felix G. Hensel weiter. 

„Es gibt mittlerweile Stimmen im Unternehmerlager, die nur noch genervt auf das ewige Hin und Her zwischen der britischen Regierung und der EU reagieren. Einig sind sich die Unternehmen in der Einschätzung, dass ein Chaos-Ausstieg ohne Abkommen das mit Abstand schlimmste denkbare Szenario darstellt, und zwar für beide Seiten“, bekräftigt IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener. Großbritannien drohten massive Investitionsverlagerungen, mit allen negativen Auswirkungen. Etliche Unternehmer hofften insgeheim zudem auf eine zweite Volksabstimmung. Dies sei kürzlich am Rande der IHK-Vollversammlung erneut deutlich geworden. Klaus Gräbener: „Bekanntlich stirbt ja die Hoffnung zuletzt.“ 

Die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens endet am 29. März 2019. Viel Zeit verbleibe da nicht mehr. Britische und heimische Unternehmen brauchten daher jetzt Klarheit. Die Politiker auf der Insel müssten endlich den Ernst der Lage erkennen. Felix G. Hensel: „Es bleiben nur noch knapp drei Monate Zeit. Wird diese Zeit nicht genutzt, drohen problematischste Einfuhrprozedere an der britischen Grenze. Die Zollbehörden im Vereinigten Königreich sind sicherlich nicht hinreichend auf die drohenden Zollverfahren vorbereitet. Chaotische Zustände sind die wahrscheinliche Folge, wenn man weiterhin sehenden Auges auf die Katastrophe zusteuert.“ Allein die Zollbürokratie würde deutsche Unternehmen mehr als 200 Mio. € zusätzlich kosten. Zudem stünden Just-in-Time-Produktions- und Lieferketten auf dem Spiel; und das nicht nur bei den Automobilzulieferern. 

Klaus Gräbener: „Die Lage ist zu gefährlich für taktische Spielchen jeder Art. Ohne Abkommen gibt es keine Übergangsphase, die alle betroffenen Unternehmen dringend benötigen.“ Je länger der Ausgang offen ist, desto schwieriger werde es für alle. Der ausgehandelte Vertrag mit der EU begrenze die Risiken des Brexits für die Wirtschaft. „Dieses komplexe Gesamtpaket wieder aufzuschnüren, wie von britischer Seite immer wieder gefordert, hierfür fehlt mittlerweile die Zeit“, unterstreichen Felix G. Hensel und Klaus Gräbener abschließend, „nicht die EU wollte den Brexit, sondern die Briten. Daher liegt der Ball nun auf der Insel. Großbritannien muss sich jetzt entscheiden, nicht die Kontinentaleuropäer.“

(Redaktion)


 


 

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