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Fachkräfte

Universitäres Potential noch besser ausschöpfen

Siegen/Olpe, 27. August 2014 – „Mehr als 18.000 junge Menschen studieren derzeit an der Universität Siegen. Sie stellen ein wichtiges Reservoir gut ausgebildeter Fach- und Führungskräfte dar. Wir sollten alles daran setzen, diese Studierenden noch wirkungsvoller an unsere Region zu binden.

Bei dieser wichtigen regionalen Gemeinschaftsaufgabe können viele regionale Akteure wertvolle Beiträge leisten.“ Dies ist nach den Worten von IHK-Hauptgeschäftsführer Franz J. Mockenhaupt die wesentliche Konsequenz, die sich aus der neuen IHK-Untersuchung „Studierende der Universität Siegen – Potentiale zur Fachkräftesicherung der Region?“ ergibt. Mehr als die Hälfte der Studierenden stamme aus einer anderen Region. Gelänge es, zumindest einen Teil dieser jungen Leute im Umkreis zu halten, wäre dies ein wichtiger Schritt angesichts der demografischen Herausforderungen. 73 Prozent der Studierenden wünschten sich ausdrücklich eine stärkere Verzahnung von Universität und Unternehmen, ebenso viele der Befragten bereits während der Studienzeit mehr Bezüge zur Arbeitswelt. Franz J. Mockenhaupt: „Die Studierenden wünschen sich mehrheitlich ganz offenkundig, die Grenzen zwischen dualer Ausbildung und universitärer Bildung aufzuheben. Es lohnt sich daher, die diesbezüglichen Kooperationsbemühungen von Universität und Wirtschaft weiter auszubauen. Wir sind hier zu jeder Form der Zusammenarbeit bereit.“ 

Im Auftrag der IHK Siegen wurden von Frau Dr. Sonja Weber-Menges abermals mehr als 6000 Studentinnen und Studenten befragt. Im Nachgang zu der im Dezember 2013 veröffentlichten Studie, die sich ausschließlich mit ausländischen Studierenden befasste, standen dieses Mal nur junge Leute mit deutschem Pass im Mittelpunkt des Interesses. Die gestellten Fragen waren nahezu identisch. Signifikante Unterschiede in den Einschätzungen ergaben sich dabei nicht. Sabine Bechheim vom Berufsbildungszentrum (bbz) der IHK Siegen, die die Studienergebnisse vorstellte, wies darauf hin, dass die wissenschaftlich-theoretische Qualität des Studiums von den befragten deutschen Studierenden meist als gut bezeichnet werde. Dennoch würden die Studierenden durchaus auch Defizite erkennen: „Vor allem kritisierten die Befragten die Theorielastigkeit des Studiums, eine mangelnde Verbindung zwischen Theorie und Praxis sowie eine unzureichende Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Viele wünschen sich die Ausweitung von Praxisphasen, um ein angemessenes Rüstzeug für den Einstieg in die Arbeitswelt vermittelt zu bekommen.“ Defizite sähen die jungen Leute auch, geeignete Praktika-Plätze in der Region zu erhalten. Bechheim: „Dies ist jedoch vor allem eine ausländer-spezifische Problematik, die zum großen Teil auf mangelnde deutsche Sprachkenntnisse zurück zu führen ist. Aus Sicht der ausländischen Studierenden bevorzugen Arbeitgeber die deutschen Bewerber.“ Jedoch auch einige deutsche Studierende berichteten über Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Praktikumsplatz. Auch deswegen erhalte der Praxisbezug des Studiums eher mittlere bis negative Werte. 

Die aus Sicht vieler Studierender wenig zielgerichtete Studienstruktur stelle einen weiteren wichtigen Kritikpunkt dar. Insgesamt würden die Rahmenbedingungen für das Studium an der Universität weniger gut beurteilt als die Studienqualität an sich. Kritisiert würden hierbei vor allem die zunehmende Bürokratisierung und Verschulung des Studiums. Die Studierenden bemängelten auch, dass die einzelnen Institutionen und Fachbereiche in der Universität zu wenig miteinander kooperierten. Sie empfänden die Studienordnungen teilweise als unübersichtlich. Hinzu kämen überfüllte Kurse, eine hohe Fluktuation beim Lehrpersonal sowie zu eng gesetzte Termine für Klausuren und Hausarbeiten.

Die Lebensqualität vor Ort wird von den deutschen Studierenden im Durchschnitt auf einer fünfstufigen Skala mit 2,5 bewertet. Dabei beurteilen Studierende, die aus der näheren Umgebung stammen, die Lebensqualität deutlich besser als diejenigen, die von außerhalb zum Studium nach Siegen kommen. Vor allem das Wohnungsangebot und die Verbindungen im öffentlichen Personennahverkehr, jedoch auch das kulturelle Angebot und die Freizeitmöglichkeiten sind Punkte, die eher kritisch betrachtet werden. Dasselbe gilt für das äußere Erscheinungsbildung der universitären Umgebung und vor allem der Stadt Siegen. Die heimische Bevölkerung wird von den deutschen Studierenden meist als freundlich, jedoch reserviert bezeichnet. Nur wenige bezeichnen die Bevölkerung als aufgeschlossen und kontaktfreudig, einige hingegen sogar als unfreundlich. Interessant in diesem Zusammenhang: Das Urteil der befragten ausländischen Studierenden über die hiesige Bevölkerung fällt deutlich freundlicher aus.
Nicht einmal 20 Prozent der deutschen Studierenden sind der Meinung, dass es in der Region keine passenden Arbeitsstellen für sie gebe. Trotz besserer Informationen fehlt es deutschen Studierenden ähnlich wie bei ausländischen Studenten vielfach an beruflicher Orientierung und Wissen über die Möglichkeiten auf dem deutschen und auch auf dem regionalen Arbeitsmarkt, betonte IHK-Geschäftsführer Klaus Gräbener: „Weit überwiegend kennen die Studierenden die regional ansässigen Unternehmen nicht. Allenfalls die Kreditinstitute, mit denen sie direkt zu tun haben, oder bundesweit agierende Unternehmen wie die Krombacher Brauerei sind ihnen wirklich bekannt. Wie viel unsere Wirtschaft an beruflicher Perspektive bietet, entzieht sich damit den allermeisten Studierenden. Das wollen wir ändern.“ Die IHK sehe für sich selbst auf vier Feldern Handlungsbedarf. Man habe begonnen, Praktikaplätze zu akquirieren, die man der Universität transparent machen werde. Die eigene Präsenz bei universitären Veranstaltungen werde zudem verstärkt, den Anfang mache man im November bei der Kontaktmesse „Wirtschafts- und Ingenieurtag“. Zugleich würden die Studierenden bei Veranstaltungen wie etwa den Ausbildungsmessen und auch in den eigenen Medien noch intensiver als bisher in den Blick genommen werden. Schließlich werde man gemeinsam mit anderen regionalen Partnern potentiellen Studienabbrechern verdeutlichen, dass die heimischen Firmen vielfältige Karrierechancen bieten.

(Redaktion)


 


 

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