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Eine Corona-App hilft uns allen

Blickpunkt Corona: Fragen an Prof. Dr. Christian Gawron, Professor für Internettechnologien, Software-Engineering, Natural Language Processing an der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn zur Pepp - PT- App

Iserlohn. Politik und Bevölkerung in Deutschland diskutieren zurzeit über die Nutzung einer App, die hilft, Infektionsketten zu verfolgen. Die erste Corona-Warn-App auf Basis des neuen Standards Pepp-PT soll dabei zum Einsatz kommen. In der Akzeptanz einer solchen App sind die Bürger*innen zwiegespalten. Auch wenn viele den Nutzen einer Corona-App sehen, haben viele Bürger*innen Angst vor einem Verlust ihrer Privatsphäre: Anfang April waren laut einer Umfrage von Infratest dimap nur 47% der Deutschen bereit, so eine App auch zu nutzen. Prof. Dr. Christian Gawron beleuchtet aus der Sicht eines Informatikers Für und Wider einer Corona-App vor dem Hintergrund des Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing (Pepp-PT).

Frage: Welchen Nutzen hat die Verfolgung von Infektionsketten und wie kann eine App dabei helfen?

Prof. Dr. Christian Gawron: Einige asiatische Länder, etwa Taiwan, sind bisher sehr erfolgreich darin, die Corona-Pandemie durch die Verfolgung von Infektionsketten und Quarantänemaßnahmen einzudämmen, während wir in Europa bisher vor allem auf Social Distancing setzen. Der amerikanische Mathematik-Blogger Grant Sanderson hat in einer Simulation untersucht, wie effektiv einzelne Maßnahmen gegen die Pandemie wirken. Dabei kommt heraus, dass Social Distancing grundsätzlich funktioniert, aber nur dann, wenn auch alle mitmachen. Halten sich nur 80% der Menschen an die Regeln, so lässt die Wirkung von Social Distancing stark nach. Die Verfolgung von Infektionsketten zeigt sich in der Simulation robuster: Auch wenn man nur 80% der Infizierten isoliert, wird die Pandemie gestoppt. Zu beachten ist, dass es sich dabei um Simulationen handelt, die man nicht ohne weiteres auf die Realität übertragen kann. Dennoch scheint die Isolation von Infizierten eine effektive Maßnahme zur Eindämmung der Infektionen zu sein.

Eine App zur frühzeitigen Identifikation von Kontaktpersonen kann insbesondere in der aktuellen Situation helfen, wo nicht genügend Tests für Massentests zur Verfügung stehen, und das Risiko einer Lockerung der Kontaktbeschränkungen mindern.

Frage: Die Plattform Pepp-PT ist von mehr als 100 Expert*innen aus 8 europäischen Ländern entwickelt und von Soldaten der Bundeswehr in Berlin getestet worden. Damit sollen Menschen schnell und anonym alarmiert werden, falls sie Kontakt zu anderen Nutzern der App hatten, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Wie kann man eine solche App zur Verfolgung von Infektionsketten umsetzen ohne dass der Einzelne seine Privatsphäre aufgeben muss?

Prof. Dr. Christian Gawron: Die Idee hinter den aktuell diskutierten Apps und dem Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing (PEPP-PT) ist es, dass keine personenbezogenen Daten und keine Standortdaten gesammelt werden. Stattdessen erhält jedes Handy eine anonyme ID. Gespeichert wird, welche IDs miteinander in Kontakt waren – ohne einen Personenbezug. Wird eine Person positiv auf SARS-CoV2 getestet, so wird die Information über diese anonyme ID gemeldet und die Kontaktpersonen werden - ebenfalls anonym - informiert.

Die Anwendung beruht auf Freiwilligkeit: Die Kontaktpersonen werden informiert, dass sie Kontakt zu einem Infizierten hatten. Sie sollten sich anschließend freiwillig in Quarantäne begeben oder testen lassen. Es gibt aber keine zentrale Stelle, die das überwachen könnte, da keine personenbezogenen Daten gespeichert werden.

Frage: Wie kann man überprüfen, dass die App nicht heimlich Daten über mich sammelt?

Prof. Dr. Christian Gawron: Vertrauen schafft an dieser Stelle nur Transparenz. Hinter der Plattform PEPP-PT steht kein großer Konzern oder eine Behörde, sondern ein Verein. Der Quellcode der Anwendung und der Infrastruktur wird offengelegt, so dass er von öffentlichen Stellen wie Datenschutzbehörden und von der Zivilgesellschaft (etwa dem Chaos Computer Club oder anderen anerkannten Experten) zeitnah überprüft werden wird. Aus meiner Sicht ist das die Voraussetzung für eine breite Akzeptanz der Anwendung.

Die aktuellen Beschränkungen des öffentlichen Lebens bedeuten starke Einschränkungen unserer Grundrechte. Eine vertrauenswürdige App, die es uns ermöglicht, unter Wahrung der Privatsphäre Infektionsketten zu stoppen, hilft uns allen, diese Beschränkungen aufzuheben ohne die Gesundheit großer Teile der Bevölkerung zu gefährden.

(Redaktion)


 


 

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