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Gefährlicher Import

Zahnersatz aus China vs. Erdbeeren aus China

Erst kürzlich sorgten Importe aus China für eine Welle der Entrüstung: Erdbeeren aus der Volksrepublik waren mit Noroviren belastet. Eine Magen-Darm-Epidemie war die Folge. Der Zahntechnikermeister Ronald Lange aus Bous weiß noch um andere gefährliche Importe aus dem Fernen Osten: In seiner Branche hat man es immer wieder mit gesundheitsschädlichem und schlecht gefertigtem Zahnersatz made in China zu tun.

„Zahnersatz aus China wird immer häufiger zum Problem“, weiß Ronald Lange, Zahntechnikermeister aus Bous. „Die extremen Preisunterschiede treiben viele dazu, Prothesen aus dem Fernen Osten zu ordern. Dabei ist der Preis keineswegs günstig, sondern wirklich billig! Der billige Preis wird dadurch gewährleistet, dass in China wird der Großteil der zahntechnischen Produkte unter menschenverachtenden Bedingungen in riesigen Fabriken hergestellt werden. Von ungelernten Billiglöhnern. Qualitätsansprüche gibt es in solch einem Umfeld einfach nicht.“

Gespart wird dabei laut Lange nicht nur an den Herstellungskosten, sondern auch am Material: „Zwar sind die Werkstoffe zertifiziert, aber das war die Babynahrung auch, die vor einiger Zeit viele Menschenleben in China gekostet hat.“

Der Saarländer glaubt auch nicht daran, dass unter solchen Umständen überhaupt ordentlich kontrolliert werden kann. Ein deutscher Zahntechnikermeister sei zwar dazu abkommandiert, die Produktion zu überwachen, aber bei den Hunderten von Produktionsplätzen „könne ein einzelner Kontrolleur unmöglich die für medizinische Produkte notwendige Qualität gewährleisten“.

„Ähnliches geschieht auch in den chinesischen Bergwerken: Europäische Unternehmen importieren die Kohle von dort zu extrem günstigen Konditionen. Diese konkurrenzlosen Preise kommen allerdings dadurch zustande, dass man in China zum Beispiel einfach an Vorkehrungen spart, die für die Sicherheit der Arbeitnehmer unentbehrlich sind. Ein Menschenleben scheint da einfach nicht so viel zu zählen, wenn es um den Profit geht.“

Als weiteres Problem sieht Lange die Abschirmung von China: „In der Volksrepublik herrscht ein geschlossenes System, aus dem kaum Informationen ins Ausland gelangen. Die Werkstoffe für den Zahnersatz sind wohl zertifiziert. An welche Grundbedingungen und Kontrollen dieses Zertifikat gebunden ist, kann ich aber nicht mit Sicherheit sagen. Daher ist eine solche Zertifizierung meiner Meinung nach nicht sonderlich aussagekräftig. Wenn es um die eigene Gesundheit geht, erwarte ich mehr Sicherheit. Zudem bin ich mir im Unklaren darüber, welchen Qualitätsmaßstab die Chinesen bei  Produkten, die ausschließlich für uns 'Langnasen' gemacht werden, überhaupt anlegen.“

Grundsätzlich, da ist sich Lange sicher, gibt es aber auch in China hochwertigen Zahnersatz. Allerdings wird dieser nicht in den eben angesprochenen Fabriken hergestellt. Und er ist eben nicht als Billigpreis-Produkt erhältlich, was den Export nach Deutschland unrentabel machen würde.

Geiz ist geil

Die Zunahme von Zahnprothesen aus Billiglohnländern hat laut Lange viel mit der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ und dem wachsenden Konkurrenzkampf zu tun: „Im Saarland ist das noch nicht so stark zu spüren wie derzeit beispielsweise im Ruhrpott. Dort versuchen viele Zahnärzte, schwindenden Patientenzahlen mit Billigpreisen zu entgegen zu treten. Und diese sind eben am einfachsten  mit Billig-Importen zu machen.“

Dabei muss man nicht mal so weit in Osten reisen. In Anzeigenblättern und auch im Fernsehen sieht man immer wieder Werbung für den „Urlaub mit Zahnbehandlung“ in unseren osteuropäischen Nachbarländern.

„Hier kann ich von einem aktuellen Fall berichten, bei dem der Geiz den Patienten letztendlich teuer zu stehen kam.“, erinnert sich Lange. „Der Patient war vor etwas mehr als einem Jahr am Plattensee, um sich in Ungarn eine günstige Keramik-Brücke einsetzen zu lassen. Bereits nach drei Monaten war die Brücke kaputt. Nach einer Rückfrage beim damals behandelnden Arzt hieß es, man könne die Brücke zwar ersetzten, allerdings zu den gleichen Kosten wie bei der Erstbehandlung. Von Garantieleistung keine Spur. Also ging der Patient zu einem deutschen Spezialisten. Dieser stellte fest, dass sich die Implantate stark entzündet hatten. Hätte der Patient noch länger mit einer professionellen Untersuchung gewartet, hätte er laut Experten mit Sicherheit seinen Kieferknochen verloren. In einer schwierigen Operation konnte das Schlimmste dann aber zum Glück nochmal verhindert werden.“

Dieses Beispiel zeigt, dass Geiz gerade bei medizinischen Produkten schnell dramatische Folgen nach sich ziehen kann. Letztendlich hatte der Patient nicht nur doppelt so hohe Kosten durch die zusätzliche Operation und den Austausch der defekten Brücke. Beinahe hätte er durch die vermeintliche Einsparung auch seinen gesunden Kieferknochen verloren. Und dies ist durch das eingesparte Geld nicht wieder gut zu machen.

Aufklärung vonnöten

Ronald Lange prangert an, dass derzeit noch viel zu wenig Aufklärung betrieben wird. Viele Zahnärzte wüssten nicht über die problematischen Umstände in China Bescheid. Von den Patienten ganz zu schweigen. Gerade die Medien müssten hier wichtige Aufklärungsarbeit leisten.

„Vor einigen Jahren kam es zu einem großen Skandal der Globudent, als aufgedeckt wurde, dass Zahnärzte von Importeuren illegale Provisionen erhielten, wenn sie den Zahnersatz über sie bezogen. Zwar wurde der Großteil der Verantwortlichen damals zur Rechenschaft gezogen. Haft- und Geldstrafen sind aber mittlerweile überstanden und viele von den damals Verurteilten heute erneut im Geschäft.“

Den Kunden müssten auch dringend vor Augen geführt werden, warum die Produkte in Deutschland so teuer sind: „Wir wollen nicht einfach nur viel Geld verdienen“, sagt Lange.

„Die Herstellung wird in Deutschland ständig überwacht. Für alle Materialien herrschen strenge Qualitätsbedingungen. Zudem gibt es für alle Arbeiten eine mindestens zweijährige Garantie. Schon alleine deswegen müssen bei Herstellung, im Labor und in der Praxis ausgebildete Fachkräfte zum Einsatz kommen. Eine ungelernte Hilfskraft kann einem solchen Qualitätsanspruch einfach nicht gerecht werden. Und das alles hat eben auch seinen Preis.“

Eine Garantie gäbe es zwar auch für ausländische Billigprodukte, aber „wie lässt sich denn der Rechtsanspruch gegenüber einer chinesischen Produktionsfirma durchsetzen? Da übersteigen die Gerichtskosten schnell die zu erwartenden Entschädigungen um Längen.“, sagt der Fachmann.

Für die hohe Qualität seiner Produkte verbürgt sich der saarländische Zahntechnikermeister hingegen gerne: „Wir erweitern die gesetzliche Garantie sogar freiwillig um weitere zwei Jahre, da wir wissen, dass unsere Materialien hochwertig, ausdauernd und gesundheitlich unbedenklich sind.“

Der Saarländer wünscht sich, dass auch weitere Zahnärzte und Zahntechniker sich auf ihren Ehrenkodex besinnen und ausschließlich Waren anbieten, die sie auch selber bei sich verwenden würden. „Viele Zahnärzte sparen an Material und Zahntechnik und kassieren selber das volle Gehalt. Anstatt an die Gewinnmaximierung, sollten sie lieber an die Gesundheit ihrer Patienten denken.“, ermahnt Lange. 

„Sinnvoller wäre es außerdem, statt mit immer günstigeren Preisen, mit hochwertiger Arbeit zu werben. Mehr Transparenz bei der Herkunft der Waren sorgt auch für eine stärkere Kundenbindung. Denn wenn der Patient weiß, was ihn beim Zahnarzt erwartet, kommt er auch gerne und kann das Vertrauen, das für eine gesunde Arzt-Patienten-Bindung unerlässlich ist, viel leichter aufbauen. Der Preis spielt dann auch nur noch eine untergeordnete Rolle.“

(Thorsten Becker)


 


 

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