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Nur Bares ist Wahres

Wo ich gerade so im Supermarkt an der Kasse stehe und mich darüber ärgere, dass alle vor mir noch die letzten Cent-Stücke aus dem Portemonnaie kratzen, damit‘s auch ja möglichst passend ist, fällt mir wieder ein Artikel ein, den ich vor kurzem gelesen habe: Schweden schafft das Bargeld ab.

Strike! Das würde bei uns zweifellos zu neuen, ganz anderen Problemen führen, aber zumindest mein Kassen-Stau-Problem wäre für’s erste gelöst.

An sich ist das aber noch nicht einmal ein ur-schwedisches Phänomen, denn Bargeld ist auch in Dänemark auf dem Rückzug. Auf 166 Kartentransaktionen bringen es die Dänen durchschnittlich bereits jetzt pro Jahr. Weltweit liegt der Schnitt bei nur 28 Kartenzahlungen. Da bin ich dann wohl einer von denen, die jede Statistik kaputt kriegen, denn die 166 schaffe ich locker in der Hälfte der Zeit. Da wird mir die schwedische Kultur doch gleich wieder ein bisschen sympathischer.

Vor zwei Jahren wurde in Schweden die Kampagne „Bargeldlos jetzt“ gestartet. Mit Slogans wie „Bargeld braucht nur noch deine Oma - und der Bankräuber“ will man die Schweden auf ein bargeldloses Zeitalter einstimmen. Manche gehen sogar noch einen Schritt weiter und orakeln „Wer Bargeld besitzt, der hat etwas zu verbergen“. Das müsst ihr mal den Leuten vor mir an der Kasse erzählen, die bekämen in Schweden sicherlich Einreiseverbot. Und ganz besonders bei dem Schickimicki-Pärchen, das gerade an der Kasse nebenan mit großen Scheinen den ganzen Verkehr aufhält, bin ich mir sicher: die fahren brav vor jedem Einkauf zum Geldautomaten und packen sich das Portemonnaie bis zum Anschlag voll, um ja niemals in die Verlegenheit zu kommen, mit Plastik bezahlen zu müssen. Macht man doch nicht. Nur Bares ist Wahres.

Und die Argumente gegen die  elektronische Geldbörse? Fadenscheinig, durch und durch: „Da habe ich einen besseren Überblick und gebe nicht so viel aus“. Hä? Ja ne is klar. Warum sollte ich mit meiner EC-Karte mehr ausgeben? Ich finde, das Gegenteil ist der Fall. Ja, wirklich.

Zugegeben, in Skandinavien sähe die Sache ganz anders aus, denn da sind in der Regel auch Kleinstbeträge bargeldlos zahlbar. Karte oder Handy. Überhaupt kein Problem. Wenn ich hier in die Apotheke gehe und die Rezeptgebühr von fünf Euro mit Karte zahlen will, höre ich nicht selten: „Tut mir leid, erst ab zehn Euro“. Beim letzten Mal waren’s sogar zwanzig. Und da ich in der Regel kein Bargeld in der Tasche habe, gehe ich einfach ein Türchen weiter. Bei anderen Dingen verzichte ich dann schlicht und ergreifend, weil ich weiß, dass ich die 2,39 Euro ohnehin nicht bargeldlos zahlen kann. Ganz schön sparsam, so ein bargeldloses Leben. Von wegen „besseren Überblick …“.

Vielleicht ist es ja auch eine Frage der Mentalität. Dickes Portemonnaie kommt schließlich immer gut. Man weiß ja auch nie, wer grad hinter einem an der Kasse steht. Da ist der frische 100-Euro-Schein dann doch beeindruckender, als so ein unscheinbares Kärtchen.

Es wird wohl noch ein bisschen dauern,  bis ich auch hier meine Brötchen beim Bäcker oder das Gemüse am Marktstand ganz ohne Cash bekomme. Vielleicht bleibt aber auch alles wie es ist. Wir sind ja schließlich nicht in Schweden. Schade eigentlich.

In diesem Sinne,
schönes Wochenende!

Ihr Jens Schlüter

(Redaktion)


 


 

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