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Interview

Ich habe meine Traumjobs gefunden

Patricia Leßnerkraus ist freie Journalistin, Autorin und Medienberaterin. Sie schreibt für Unterhaltungsmagazine, u.a. BUNTE, FRAU IM SPIEGEL, für Special Interest-Magazine sowie für diverse Online-Medien. Neben ihrer Mitarbeit an der Hannelore Kohl-Biografie, hat sie weitere Bücher, teils als Ghostwriterin, geschrieben. Das jüngste Werk ist "Streetkid - Fluch und Segen, ein Kelly zu sein".

Frau Leßnerkraus, seit mehr als 25 Jahren sind Sie nun im Journalismus tätig. Wie kamen Sie nach Ihrer ursprünglich kaufmännischen Ausbildung zu diesem Beruf?

Eigentlich wollte ich nach dem Abitur ein Lehramtsstudium beginnen, doch zu dieser Zeit gab es viel zu viele Lehrer. Also entschied ich mich zunächst für eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau in einem Autohaus. Doch schon am dritten Tag habe ich festgestellt, dass das nicht meine Welt ist. Nach meiner Abschlussprüfung heuerte ich deshalb im Bonner Büro von Studio Hamburg an, wo ich mich um die Erstellung des monatlichen „Deutschlandspiegel“ kümmerte. Das war ein Magazin gedreht auf 35-Millimeter-Film im Auftrag des Presse-und Informationsamtes der Bundesregierung für die weltweiten Goethe-Institute. Nach fünf Jahren wurde ich abgeworben und wechselte zu den Printmedien ins Korrespondentenbüro der BUNTE in Bonn. 

In der Vergangenheit haben Sie sich sehr viel mit Politik und Politikern auseinandergesetzt. Mein Eindruck ist, dass es Ihnen dabei vor allem um den Menschen hinter der öffentlichen Person geht. Zu erkennen ist dies zum Beispiel in der Hannelore Kohl-Biografie, an der Sie mitgearbeitet haben. Wie schwierig ist es, so nah an einen Menschen heranzukommen? Wie gehen Sie in der Vorbereitung an eine Biografie vor?

Bevor ich mit einer Person ein Buch schreibe, recherchiere und lese ich sehr viel über den Menschen, um schon im Vorfeld hilfreiche Informationen zu bekommen. Wo kommt die Person her, was hat sie geprägt hat, wie lebt sie? Dadurch bekomme ich ein erstes Gespür für den Menschen. Danach tauche ich durch ausführliche und sehr persönliche Gespräche immer tiefer in die Person ein. Mir hilft dabei, dass ich offen und neugierig bin und auch ein gewisses Einfühlungsvermögen mitbringe.

Einige Berührungspunkte hatten wir ja auch bereits in Ihrer Funktion als Managerin und Medienberaterin für den Blindenfußballer Mulgheta Russom. Alleine diese Arbeit fordert schon einen enormen Einsatz. Wie bekommen Sie Familie, Medienberatung, Autorin und Pressetermine unter einen Hut?

Erstens habe ich meine Traumjobs gefunden, dadurch fällt die Arbeit gleich viel leichter. Zweitens ist alles nicht nur eine Frage der Leidenschaft, sondern auch der Organisation, Disziplin und Flexibilität. Ich darf nicht nach einem starren Schema leben und arbeiten, sondern muss bereit sein, meine Prioritätenliste ständig zu verändern. Im Zweifelsfall muss die Bügelwäsche eben warten. Es funktioniert auch deshalb, weil meine Kinder sehr selbständig sind und mich nicht mehr rund um die Uhr brauchen. 

Gratulieren möchte ich an dieser Stelle zum neuesten Erfolg: Das jüngste Werk ist am 15. Mai 2017 veröffentlicht worden und sofort in die Bestsellerliste unter den Top Ten eingestiegen. „Street Kid - Fluch und Segen, ein Kelly zu sein“. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Jimmy Kelly?

Jimmy Kelly sprach mit Rolf Schroeder, dem Ex-Manager seines Bruders Joey, über die Idee eines Buches und suchte jemanden, der ihm beim Schreiben helfen könnte. Rolf kannte mich und meine Art zu arbeiten, also brachte er Jimmy und mich zusammen. Zwischen uns hat sofort die Chemie gestimmt, so dass wir sehr schnell ein gutes Vertrauensverhältnis zueinander aufbauen konnten.

Wie erlebten Sie Jimmy Kelly und andere Kelly Family-Mitglieder während der Schaffensphase der Biografie?

Jimmy habe ich als einen sehr intelligenten, fast schon philosophischen Menschen kennengelernt. Er ist ein ausgesprochen unkonventioneller Typ, bedingt durch seine Erziehung und das Leben auf der Straße, das die Kellys bis zu ihrem Durchbruch Anfang der 90er Jahre hatten. Zugleich ist Jimmy bodenständig, tief gläubig und ein absoluter Familienmensch.

Wir begannen das Buch als klassische Biografie, aber als es fertig war, merkte Jimmy, dass eine Biografie nicht seinen Vorstellungen entsprach. Er wollte lieber die letzten acht Jahre in seinem Buch verarbeiten, in denen er nämlich zu seinen Wurzeln zurückkehrte und zu sich selbst fand. Auch wenn er mal ein Weltstar war, der mit seinen Geschwistern ganze Fußballstadien gefüllt hat, fühlt er sich doch von ganzem Herzen als Kind der Straße.

Von den anderen Kellys habe ich bislang nur Angelo und Paddy persönlich kennengelernt. Auch sie sind sehr höflich und liebenswürdig, aber auch sie wissen ganz genau, was sie wollen.

Wie fühlen Sie sich, wenn ein solches Werk abgeschlossen ist?

Das ist ein bunter Mix aus Gefühlen: Erleichterung, Zufriedenheit, ein bisschen Stolz auf das Geleistete, Neugier auf das Feedback der Leser. Aber es entsteht auch für einen kurzen Moment eine gewisse Wehmut, weil dann der Mensch, mit dem ich mich über einen längeren Zeitraum gedanklich und emotional so intensiv beschäftigt habe, in meinem Leben plötzlich nicht mehr so präsent ist.

Wie geht‘s weiter, welches neue Projekt ist in Arbeit, was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ideen für Bücher habe ich viele, mal schauen, was sich davon umsetzten lässt. Im Moment bin ich mit einem Musiker und zwei unterschiedlichen Sportlern dazu im Gedankenaustausch. Mein berufliches wie persönliches Highlight in diesem Jahr wird aber die Blindenfußball-Europameisterschaft im August in Berlin sein. Dort fiebere ich live mit und hoffe natürlich für Mulgheta Russom und sein Team, dass sie den Titel holen. Managerin eines Europameisters zu sein, wäre dann eine meiner schönsten Aufgaben.

Vielen Dank für das Interview und die interessanten Einblicke in Ihre Arbeit als Autorin und Journalistin. Für die Zukunft wünscht die Redaktion weiterhin viel Glück und Erfolg, sowohl beruflich als auch privat. Seitens Business-ON verfolgen wir ja das Thema rund um Mulgheta Russom schon sehr aufmerksam. Das Business-ON Team drückt für die Europameisterschaft die Daumen und Ihnen weiterhin ein so gutes Händchen beim Management von Mulgheta Russom.

(Bernhard Eckert)


 

 

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