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Justizvollzugsanstalt (JVA) Iserlohn

Maler-Prüfung in der JVA Iserlohn

Sechs Insassen der JVA absolvierten ihre Abschlussprüfung zum Bauten- und Objektbeschichter.

Rundherum vergittert, nach höchsten Maßstäben gesichert, aber dennoch bunt und farbenfroh. So sieht es aus in der Malerfachwerkstatt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Iserlohn. Noch viel gegensätzlicher könnte er also kaum sein, der Ort an dem jetzt sechs junge Insassen vor dem Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Südwestfalen ihre Abschlussprüfung zum Bauten- und Objektbeschichter ablegten. 

In insgesamt 18 Monaten wurden die Jugendlichen zuvor auf die abschließende Prüfung vorbereitet und mussten dabei ihre praktischen Fähigkeiten in Form eines Kundenauftrages ebenso unter Beweis stellen, wie ihr theoretisches Wissen in Form eines Fachgespräches und einer schriftlichen Arbeit.

Fast 200 Häftlinge im Alter zwischen 14 und 23 Jahren sitzen in der JVA Iserlohn ein, und sollen hier bis zum Ablauf ihrer Strafe auf ihr weiteres - hoffentlich straffreies - Leben vorbereitet werden. Die größte Herausforderung für die Ausbilderinnen und Ausbilder besteht zumeist darin, den nötigen Zugang zu den Insassen zu bekommen. 

"Die Jungs sind ja eigentlich nicht hier um sich ausbilden zu lassen, sondern sie sitzen primär ihre Strafe ab", beschreibt Claudia Windmüller, Leiterin der Maler-Fachwerkstatt, die immer wieder gleichen Schwierigkeiten. "Also müssen wir mit praxisnahen Arbeiten erstmal für Begeisterung sorgen und sie damit in unseren Bann ziehen. Denn mit Spaß bei der Sache lernt es sich eben immer besser."

Im speziellen Fall bedeutete das für die Teilnehmer, dass sie während ihrer Ausbildung einen Container zu einer farbenfrohen "Schwedenhütte" umgestalteten oder aber eine Garagenwand zu einer bunten Strandlandschaft umdekoriert haben. Auch dem "Cafe Lichtblick", in dem sich die Jugendlichen in ihrer Freizeit aufhalten können, wurde ein komplett neues "Outfit" verpasst.

Im Rahmen der Prüfungsaufgabe galt es schließlich, eine Apotheke farblich umzugestalten und dabei verschiedene berufsspezifische Techniken einzusetzen. Eine dreiköpfige Jury befand anschließend über die Qualität der Werke und forderte die Teilnehmer zudem mit kniffligen Fragen im Fachgespräch heraus.

Die Ausbildung zum Bauten- und Objektbeschichter ist gleichzusetzen mit der  Zwischenprüfung im Rahmen der üblichen Ausbildung zum Malergesellen, die insgesamt 36 Monate dauert. "Aufgrund der zumeist kürzeren Haftzeiten können wir diese aber nicht anbieten", erklärt Windmüller. Dennoch habe sich der Absolvent die Qualifikation erworben, um etwa nach Ende der Haft in einem Betrieb auch noch den fehlenden letzten Teil nachzuholen.

Den Weg dorthin versucht auch hier bereits die JVA zu ebnen. "Wir vermitteln Praktika oder sogar Arbeitsplätze. Hier kooperieren wir erfolgreich mit diversen Betrieben", erklärt die Fachbereichsleiterin. "Wir müssen versuchen, den Jugendlichen eine neue Perspektive zu geben. Einige von ihnen sind seit ihrem 14. Lebensjahr hier untergebracht und kommen aus katastrophalen Verhältnissen", so Windmüller. "Da ist man dann auch schon mal Ersatzmutter für den ein oder anderen."

Bleibt den erfolgreichen Absolventen, von denen zwei schon bald den Weg in die Freiheit beschreiten werden, zu wünschen, dass sie ihr neu gewonnenes Wissen nutzen können. Damit auch ihr weiteres Leben ähnlich ausgestaltet ist, wie die Werkstatt, in der sie die letzten anderthalb Jahre tagtäglich hart an ihrer Zukunft gearbeitet haben.

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(Redaktion)


 


 

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