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Da müssen Sie jetzt durch!

So starten auch kleine Unternehmen erfolgreich in die digitale Zukunft

Wenn ich mit Kleinunternehmen über den in vielen Fällen wirklich sinnvollen Einsatz von Social Media Marketing spreche, ist ein Déjà vu quasi vorprogrammiert. Denn die Gründe, warum sich gerade kleine Unternehmen so schwer damit tun und oftmals schon kurz nach ihren ersten digitalen Gehversuchen verzweifelt das  Handtuch werfen, sind immer wieder dieselben: kein Personal, keine Zeit, mangelnde Internet-Affinität und nicht zuletzt auch die fehlenden finanziellen Mittel, um einen professionellen Berater oder eine Agentur mit der Unterstützung zu beauftragen. Hinzu kommt, dass die Zielgruppen mancher Unternehmen zum Teil sehr speziell sind und ein Puffer für strategische Fehler einfach nicht existiert. 

All das ist nachvollziehbar, aber es rechtfertigt natürlich nicht die Fahrlässigkeit,  mit der manche Unternehmer diese Entwicklung ignorieren und stattdessen versuchen, die Sache einfach auszusitzen. 

Zwar ist, was die digitale Zukunft betrifft, vieles zurzeit nicht mehr als Kaffeesatzleserei, fest steht allerdings: Was hier passiert, ist unumkehrbar und gerade kleine Unternehmen tun wirklich gut daran, rechtzeitig auf diesen Zug aufzuspringen. Die Kunden von morgen sind jedenfalls schon heute dort und – wie sagt man so schön – wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Ein anderes Problem ist, dass viele Unternehmen Social Media Marketing noch nicht als Teil ihres Marketing-Plans verstehen. Für sie ist digitales Marketing eine Spielerei am Rande, die eigentlich niemand so wirklich braucht. Man spielt mit, weil der Wettbewerb es auch tut, aber der Schaden durch dieses unmotivierte und ziellose Handeln ist unter Umständen größer, als der theoretische Nutzen.

Ich möchte in diesem Beitrag allerdings nicht so sehr auf die oftmals wirklich vertrackte Situation kleiner Unternehmen eingehen, sondern vielmehr ein paar simple Lösungsansätze aufzeigen, die sich in der Praxis immer wieder bewährt haben.

Ein wichtiger Hinweis: Social Media sind nicht für jedes Unternehmen gleichermaßen geeignet und auch die Wahl der richtigen Kanäle ist ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor. Während ein Hersteller von Consumer-Produkten mit einer entsprechenden Produkt-/Marken-Seite auf Facebook sicherlich eine ganze Menge erreichen kann, wird sich eine Gießerei oder der Werkzeugbau Mustermann auf derselben Plattform aller Voraussicht nach vergeblich bemühen. Das absehbare Ergebnis wäre jede Menge Frust, verlorene Zeit und schlimmstenfalls eine verpasste Chance. Solche Dinge müssen im Vorfeld klar sein, um Enttäuschungen und allzu hohe Erwartungen zu vermeiden. Die rosa Brille hat im Business-Alltag nichts zu suchen. 

Finden Sie die richtigen Netzwerke

Eine pauschale Lösung ist hier leider nicht in Sicht. Es gibt zwar Unterstützung auf Plattformen wie SocialMediaPlanner, aber das reicht bestenfalls um den groben Kurs zu setzen. Je nach Produkt oder Dienstleistung kann unter Umständen auch ein Nischen-Netzwerk die perfekte Wahl sein, aber in der Regel sprechen wir doch eher über die Großen, wie zum Beispiel Facebook, Google+, XING, LinkedIn, Twitter, Youtube oder vielleicht sogar den eigenen Blog.

Während für das Consumer Produkt so gut wie alle Kanäle in irgendeiner Form geeignet sind, kann man einem Industrieunternehmen je nach Angebot wahrscheinlich guten Gewissens dazu raten, sich etwas genauer mit den Business-Netzwerken XING und LinkedIn auseinander zu setzen. Geht das Business verstärkt in Richtung Ausland, könnte man sogar noch konkreter werden und den Schwerpunkt bei der international besser aufgestellten Plattform LinkedIn setzen, sollte XING mit Blick auf die D-A-CH Region aber dennoch nicht vernachlässigen. Das ist – wie gesagt – keine Lösung mit Anspruch auf allgemeine Richtigkeit, aber die Chancen stehen sicherlich ganz gut.

Tipp: Konzentrieren Sie sich auf maximal zwei Netzwerke, in denen Sie auch wirklich aktiv sein können. Alles andere ist illusorisch und für ein Unternehmen ohne entsprechende finanzielle und personelle Ressourcen einfach nicht umsetzbar.

Denken Sie genau über Ihre Ziele nach

Was wollen Sie überhaupt mit Social Media erreichen? Aufmerksamkeit? Die Pflege von Kundenbeziehungen? Online-Support? Produktinformationen und Verkauf? Das alles sind sehr unterschiedliche Ansätze, die nicht nur verschiedene Kanäle, sondern in der Regel auch eine sehr spezielle Vorgehensweise voraussetzen.

Unterlegen Sie ihre Ziele wenn möglich mit messbaren Kennziffern. So ist es später problemlos möglich, den Fortschritt Ihrer Aktivitäten und das Erreichen von Meilensteinen zu überwachen. Geben Sie sich für den Anfang genügend Zeit, um Fortschritte zu machen, aber setzen Sie (auch wenn Ihnen hier Erfahrungswerte fehlen) dennoch Deadlines für das Erreichen Ihrer Ziele.

Tipp: Beobachten Sie erfolgreiche Wettbewerber und überlegen Sie, inwiefern sich deren Aktivitäten mit Ihren Wünschen und Zielen decken. Überlegen Sie aber auch, ob Sie das wirklich leisten können und wollen. Passen Sie ihre Ziele dann den tatsächlichen Möglichkeiten an. Versuchen Sie auf keinen Fall, einfach etwas zu kopieren, ohne es zuvor gründlich mit Blick auf Ihre eigene Zielsetzung zu hinterfragen. 

Manchmal ist es zudem besser, ein paar Etappenziele einzuschieben, denn der Weg nach ganz vorn ist ein Hürdenlauf par Excellence. Wie „im echten Leben“ sollten Sie auch hier immer mit zumindest zwei Szenarien planen: 1. Es funktioniert alles (annähernd) wie erhofft. 2. Fehleinschätzung – Kurskorrektur notwendig.  Die Option „Abbruch“ streichen Sie bitte ersatzlos.

Und noch etwas: Natürlich müssen Sie vor einem scheinbar übermächtigen Wettbewerber, der in Sachen Social Media schon sehr gut aufgestellt ist, nicht gleich kapitulieren. In solchen Fällen ist die Idee entscheidend. Im viralen Marketing ist so gut wie alles möglich. Ich sage nur: David & Goliath – das gilt auch 2014.

Die Sache mit dem „Content“

Content-Marketing ist zurzeit das Thema Nummer eins bei vielen Social Media Agenturen. Zu Recht, denn erfolgreich ist nicht die Social Media Plattform als solche, sondern die Inhalte, also der Content. Ist der langweilig, werbelastig, kommt er zu selten oder spricht er die Zielgruppe einfach nicht an, war’s schlicht und ergreifend daneben.
Für große Marken oder Konzerne wäre so etwas fatal und das ist auch einer der Gründe, warum dort sehr viel Geld in Content-Strategien und die Entwicklung spannender Stories investiert wird. Das macht Sinn, nur will ein derartiger Aufwand natürlich auch bezahlt sein. 

In vielen Unternehmen sehen die Rahmenbedingungen leider nicht ganz so „konzernmäßig“ aus. Gute Inhalte sind Mangelware (Stichwort: Betriebsblindheit), die Kommunikation in Richtung Kunde beschränkt sich auf Produktfotos mit langweiligen, technischen Details und von Dialog ist keine Spur. Der virale Effekt bleibt aus und damit ist dann auch Ihr Social Media Engagement zumindest zum Teil einfach „für die Katz“.  

Was genau guter Content ist, darüber streiten sich „die Gelehrten“ noch. Sicher ist: Guter Content wird geteilt, diskutiert, kommentiert, bewertet, empfohlen – kurzum, man spricht darüber und das in der Regel positiv. Können Sie sich vorstellen, dass dies bei einem Posting im Format „Unser neues Produkt XY“ mit einem langweiligen Katalogbild passiert? Nein? Ich auch nicht.

Tipp: Sprechen Sie einmal mit Freunden aus anderen Branchen darüber, was diese an Ihrer Arbeit besonders spannend finden. Führen Sie sie durch das Unternehmen und beobachten Sie einfach, wo es einen AHA-Effekt gibt. Das könnten dann die richtigen Aufhänger für eine gute Verpackung (virale Container) Ihrer Inhalte sein. Selbst findet man das Tagesgeschäft ja oftmals zum Gähnen langweilig, daher ist dieser „externe Blick“ in Sachen Content für viele Unternehmen einfach unerlässlich. Erlaubt es Ihr Budget, leisten Sie sich zumindest für eine erste Analyse (das ist wirklich nicht teuer) einen guten Kommunikationsberater. Danach ist der Weg meist abgesteckt und zumindest grobe Fehler können auf jeden Fall vermieden werden.

Bleiben Sie bei ihren Erwartungen realistisch

Social Media sind keine Wunderwaffe. Erst recht nicht, wenn man mit sehr begrenzten Mitteln an die Sache heran geht. Wenn Sie nicht gerade über ein eigenes Social Media Team verfügen oder das Thema im großen Stil durch eine Agentur unterstützen lassen, ist es eine Frage der Zeit, Ihrer Kreativität und Ihres Engagements, wie schnell Sie Ihre Zielgruppe in digitalen Medien erreichen.
Ihre Sichtbarkeit in Sozialen Netzwerken wird anfangs gen null tendieren und es gehört in der Startphase eine Menge Selbstdisziplin dazu, sich immer wieder aufzuraffen und Beiträge für Interessenten zu schreiben, die Sie noch gar nicht haben. Kontinuität und Qualität sind dabei ganz klar wichtiger, als die verfügbaren Ressourcen. Ein großer Haufen Müll ist schließlich nicht besser, als ein kleiner.

Tipp: Gut Ding braucht Weile oder eben einen viralen Überraschungserfolg. Da der eher die Ausnahme ist, bleiben Sie einfach am Ball und messen Sie Ihren eigenen Erfolg regelmäßig. Hierzu gibt es zahlreiche, sehr gute und kostenlose Analyse-Tools wie z.B. Google Alerts, bit.ly oder Socialmention, die ich auch in meinen Buch „Der 30-Minuten-Faktor – Social Media Marketing für Unternehmer“ vorgestellt habe. 

Natürlich – es wird immer wieder Momente geben, in denen Sie den Sinn Ihres Engagements infrage stellen und vielleicht sogar überlegen, ob es nicht doch besser ist, das gute, alten Mailing wieder auszugraben, anstatt auf die neuen, digitalen Möglichkeiten des Kunden-Dialogs zu setzen. Ich würde sagen, tun Sie’s. Beides natürlich! 

Social Media können die klassischen Marketing-Kanäle nicht ersetzen. Aber sie können sie in jeder Hinsicht ergänzen und je konsequenter Sie beides aufeinander abstimmen, desto schneller wird sich der verdiente Erfolg ihrer Bemühungen auch einstellen.

Der beste Zeitpunkt, um mit Social Media Marketing zu beginnen, war vor einigen Jahren. Der zweitbeste ist jetzt!

(Jens Schlüter)


 


 

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1 Kommentar

von Werner
30.06.14 16:51 Uhr
Social Media

Gerade für KMU ist verdammt viel heiße Luft im Markt. Merke: Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

 

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