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Konjunktur

Gedämpft positiv ins neue Jahr

Die Lage ist unverändert, die Erwartungen werden besser und der Konjunkturklimaindex steigt, wenn auch nicht kräftig. Das Gesamtbild hellt sich also leicht auf.

Siegen/Olpe. „Die Lage ist unverändert, die Erwartungen werden besser und der Konjunkturklimaindex steigt, wenn auch nicht kräftig. Das Gesamtbild hellt sich also leicht auf. Allerdings erzeugen die vielfältigen internationalen Krisen und Kriege enorme Unsicherheiten, die auch durch den schwachen Außenwert des Euros nicht ausgeglichen werden.“ Mit diesen Worten fasste IHK-Präsident Felix G. Hensel die Ergebnisse der neuesten Konjunkturumfrage zusammen, die das aktuelle Stimmungsbild von rund 500 Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe einfängt. In der regionalen Wirtschaft herrscht zu Jahresbeginn ein besseres Klima als noch im vergangenen Herbst. Die Zuversicht wächst offenbar wieder. Nachdem die Erwartungen Ende des vergangenen Jahres deutlich abgesackt waren, setzt nun wieder fast ein Viertel der Betriebe auf einen besseren Verlauf. Im September 2014 meinten das nur 20 Prozent. Zudem ist der Anteil der Pessimisten von 22 Prozent auf 17 Prozent gesunken. Felix G. Hensel: „Die aktuelle Lage wird fast genauso gut eingestuft wie zuvor: Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen bewertet sie als gut und nur 16 Prozent als schlecht. Auch das macht Mut.“ 

Im Ergebnis steigt der regionale Konjunkturklimaindex, als Zusammenfassung von Lagebeurteilung und künftigen Erwartungen, von 106 auf 111 Punkte an. Das Niveau des letzten Hochs vom Januar 2014 mit 122 Punkten wird aber nicht erreicht. IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „Es ist gewissermaßen ein ,Auf’ ohne richtigen Schwung. Der Kurs stimmt, wenn wir uns auch noch mehr Dynamik gewünscht hätten. Immerhin: Zu Jahresbeginn fällt die Stimmung in fast allen Wirtschaftszweigen etwas freundlicher aus. Die einzige Ausnahme bildet der regionale Einzelhandel.“ Dieser habe sich mehr vom Weihnachtsgeschäft erhofft. Bei den hiesigen Einzelhändlern herrsche Skepsis, ob der zusätzliche finanzielle Spielraum durch steigende Löhne und gesunkene Benzinpreise bei ihnen in den nächsten Monaten tatsächlich ankomme. 

Die Industrie setzt trotz schwieriger internationaler Bedingungen in naher Zukunft vor allem wieder auf eine Besserung der Exportgeschäfte. Hierbei hilft in etlichen Sparten der aktuell geringe Außenwert des Euros, allerdings nicht in allen. Obwohl sich die Erwartungen der Unternehmen insgesamt verbessern, bestehen nach wie vor noch große Unsicherheiten innerhalb der Wirtschaft. Die anhaltende Investitionszurückhaltung im Inland ist Ausdruck dieser Verunsicherung. Felix G. Hensel: „Weniger als ein Viertel der Industriebetriebe möchte mehr investieren als zuvor. Im Herbst sagten das noch 26 Prozent. Diese Investitionsbremse muss sich lockern, damit die Konjunktur besser durchstarten kann.“

Für die Industrie gibt es weitere Wermutstropfen: Zwar werden die Inlands- und Auslandsorders besser beurteilt als im Herbst, die Einschätzungen bleiben im Saldo aber negativ. Besonders die Inlandsnachfrage wird noch zu schwach eingestuft. Auch der Export fällt bisher als nachhaltiger Konjunkturmotor noch zu gering aus. Besonders die Betriebe der Metallerzeugung melden zu geringe Auftragseingänge. Ebenso sorgt man sich bei einigen großen Anlagen- und Maschinenbauern, die in der Nähe zur Stahlindustrie Investitionsgüter produzieren, um Nachfolgeaufträge.

Die ambivalente Situation macht sich auch im regionalen Industrieumsatz bemerkbar: Im vergangenen Jahr ist er zwar insgesamt bis einschließlich November 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,3 Prozent gestiegen. Sowohl das Inlandsgeschäft (plus 2,8 Prozent) als auch der Export (plus 1,7 Prozent) trugen dazu bei. Allerdings ging der Umsatz in der Metallerzeugung um fast zwei Prozent zurück. Zudem verzeichnete der Maschinenbau bis dato nur knapp stagnierende Umsätze. Das lag am Exportminus von minus 0,8 Prozent. Von den wichtigsten Industriezweigen registrierten allein die Hersteller von Metallerzeugnissen – hier überwiegen die Autozulieferer – ein Plus von 6,4 Prozent.

Für Unsicherheit bei den Betrieben sorgen weiterhin die Krisen im Nahen Osten, die bürgerkriegsähnlichen Zustände in der Ukraine sowie die sich hochschaukelnden weltpolitischen Spannungen zwischen Russland und „dem Westen“. Zudem wächst die Sorge um die Währungsunion wieder. Dies alles schmälert das unternehmerische Vertrauen in die weitere Entwicklung. Klaus Gräbener: „Wenn es in derart vielen Ländern wie derzeit brennt, kann uns das nicht kalt lassen. Da macht es geradezu Mut, dass dennoch in allen Wirtschaftszweigen wieder mehr Personal eingestellt werden soll. Mehr als ein Fünftel aller Betriebe plant für die kommenden Monate einen Beschäftigungszuwachs. Nur 10 Prozent befürchten einen Stellenabbau. Jedenfalls befindet sich der regionale Arbeitmarkt in ausgesprochen robuster Verfassung.“

Zu den Ergebnissen im Einzelnen:

In etwa wie im vergangenen Herbst meldet knapp jeder dritte Industriebetrieb eine gute Lage und nur 16 Prozent eine schlechte. Die Firmen verzeichnen weiterhin Produktionsauslastungen auf hohem, wenn auch leicht sinkendem Niveau. Mit den Erträgen sind sie eher unzufrieden. Zwar verzeichnet knapp ein Viertel der Unternehmen Steigerungen, mehr als jedes Vierte verzeichnet jedoch Verschlechterungen. Die Auftragseingänge werden besser beurteilt als im September 2014. Viele Unternehmen melden aber auch fallende Tendenzen aus dem In- und Ausland (28 Prozent beziehungsweise 22 Prozent). Unter dem Strich steigt indes die Zuversicht in der Industrie wieder: Fast ein Viertel der Betriebe setzt auf künftige Steigerungen, nur 18 Prozent fürchten Einbußen.
Mehr als jeder dritte Baubetrieb schätzt die Lage als gut ein, nur zwölf Prozent als schlecht. Saisonal bedingt sinken die Produktionsauslastungen zwar gegenüber Herbst 2014, trotzdem ist mehr als ein Drittel zu über 85 Prozent ausgelastet. Im vergangenen Jahr erzielten die regionalen Betriebe bis November ein Umsatzplus von zwölf Prozent. Mehr als drei Viertel der Bauunternehmen gehen für die kommenden Monate von einem gleich bleibenden Verlauf aus. Zwölf Prozent erwarten sogar bessere Geschäfte, genauso viele sind aber auch pessimistisch.

Nur noch 15 Prozent der regionalen Einzelhändler geben eine gute Lage an, 30 Prozent stufen sie indes als „schlecht“ ein. In allen Einzelhandelsbranchen überwiegen die Negativanteile. Das Weihnachtsgeschäft fiel für viele Händler nicht so gut aus wie erhofft. Für Winterware war die Witterung zudem eher ungünstig. Bis jetzt registrieren die regionalen Händler wenig von der laut GfK gestiegenen Verbraucherlaune. Auch für die nahe Zukunft bleiben sie skeptisch: Nur 16 Prozent der Einzelhandelsbetriebe erwarten Besserungen, ein Viertel ist pessimistisch eingestellt.

Die Stimmung der Großhändlern hat sich aufgehellt: 22 Prozent melden eine gute Lage, nur 13 Prozent eine schlechte (September 2014: 24 Prozent). Sowohl konsum- als auch produktionsnahe Betriebe schätzen ihre Umsätze besser ein als im Herbst. Gerade von Letzteren kommen wieder mehr positivere Stimmen. Die Zuversicht der gesamten Branche steigt: Ein Drittel der Großhändler setzt künftig auf bessere Geschäfte, nur 13 Prozent befürchten Einbußen.

Fast jeder zweite Dienstleister stuft seine Lage als gut ein, nur elf Prozent sagen „schlecht“. Vor allem die unternehmensnahen und die Verkehrsdienstleister gegen positivere Urteile ab als zuvor. Über die Hälfte aller Dienstleistungsbetriebe erwarten gleich bleibende Geschäfte, 28 Prozent sogar bessere. Nur 15 Prozent sind skeptisch eingestellt.

(Redaktion)


 


 

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