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„In unser Leben haben Plagiate Einzug gehalten“

Interview mit den Machern der Ausstellung „Kopie – Alles echt“!

Südwestfalen.  Am 16. Oktober startete erfolgreich die Kunstausstellung „Kopie – Alles echt!“ im Kulturbahnhof Grevenbrück. Hierbei wird ein Werk des Künstlers Tilo Kaiser mit 14 asiatischen Kopien zeigt. Die Macher der Ausstellung – Oliver Rüsche, der als neuer Leiter des Bereiches Kunst die Ausstellung für den Kunstverein Südsauerland kuratiert, der Künstler Tilo Kaiser und die Verantwortliche der Standortmarketing-Kampagne „Südwestfalen – Alles echt“, Marie Ting – schildern im Interview ihre persönlichen Sichtweisen:

Herr Rüsche, Sagen Sie uns doch bitte mal mit einem Satz, warum diese Austellung für unsere LeserInnen interessant sein könnte.

Oliver Rüsche: Ich sehe bei dem Konzept von  „Kopie – Alles Echt!“ den Betrachter im Mittelpunkt der Ausstellung, bei der vermutlich mehr Fragen gestellt als Antworten gegeben werden. Gibt es einen Unterschied bei der Betrachtung des Originals im Vergleich zur Kopie? Spürt man als Betrachter die innere Schaffenskraft des Künstlers und die Stimmigkeit seiner hundertfachen Entscheidungen im Schaffensprozess? Vermag die Kopie des oberflächlich Sichtbaren die gleiche Stimmigkeit zu erzeugen und mich als Betrachter emotional zu bewegen und zu berühren?

Mit Tilo Kaiser haben Sie einen renommierten Künstler gewonnen, der bereits in Hongkong, Brüssel, Miami, London und Mailand ausgestellt hat. War es schwierig, ihn für dieses Projekt zu begeistern?

Oliver Rüsche: Tilo Kaiser und mich verbindet seit vielen Jahren eine enge Freundschaft. Das daraus erwachsene gegenseitige Vertrauen schafft den notwendigen Rahmen für ein derartig experimentelles Projekt. Wir fragen uns schon seit einiger Zeit, ob man zeitgenoessische Multi-Media Kunst überhaupt kopieren kann. Die Neugierde hat ihn dann letztlich bewogen, sich als Künstler und die Autonomie seines Werks „Let me out of here“ zur Disposition zu stellen.  

Herr Kaiser, was ist für Sie das Spannende an diesem Projekt?

Tilo Kaiser: Das Thema Kopie reizt mich seit langem. Es wird allerorts und viel darueber gesprochen, dass heute nichts mehr „echt“ sei und wenn, dann nicht fuer lange. In allen Bereichen unseres Lebens haben „knock-offs“, Plagiate und Kopien Einzug gehalten, sich neben den Originalem am Markt etabliert und sich teilweise sogar einen separaten Markt geschaffen.  In der Kunst, die traditionell davon lebt und ihre Wertigkeit dadurch kreiert, Originale zu produzieren und nicht die Masse zu bedienen, ist das Kopieren nach wie vor ein rotes Tuch. Spannend ist die Frage wie man mit Kopien, Kopisten und der damit verbundenen rechtlichen Situation umgehen sollte.  

Sie haben ja sicherlich schon die Kopien Ihres Werkes aus Asien vorliegen. Was war das für ein Gefühl, diese auszupacken und anzusehen?

Tilo Kaiser: In dem Moment der ersten Beruehrung mit den Kopien wurde es richtig spannend. Ein wenig nervoes habe ich beim Auspacken jede Arbeit skeptisch beaeugt und akriebisch unter die Lupe genommen, immer in der Hoffnung nichts besseres zu finden als mein eigenes Original. Mehr moechte ich an dieser Stelle nicht verraten, und die Entscheidung lieber jedem Betrachter selber ueberlassen.

Sie verantworten die Standortmarketing-Kampagne „Südwestfalen-Alles echt!“, Frau Ting. Nun widmet sich zum ersten Mal sowohl eine Kunstausstellung als auch die zugehörige Podiumsdiskussion dem Motto der Region „Alles echt!“. Wie ist Ihr Gefühl dabei?
Marie Ting: Ich freue mich! Wir haben uns vor einiger Zeit für „Südwestfalen – Alles echt!“ als Motto der Region entschieden, weil wir etwas brauchten, was die Stärken der Region auf den Punkt bringt. Die Bodenständigkeit und Unverstelltheit der Menschen hier vor Ort gehören dazu, aber auch die Wirtschaftskraft und Innovationskraft der Region, die zwar überraschend sein mag, aber eben „echt“ hieb- und stichfest belegbar ist. Das nun die Themen „Echtheit“ und „Authentizität“ durch den Kunstverein einmal auf ganz eigene Art und Weise interpretiert und zur Diskussion gestellt werden, hebt die gesamte Standort-Kampagne auf ein neues Level. Umso schöner, dass wir jeden Interessierten am 30. Oktober nun zur Podiumsdiskussion einladen können, in der wir das Thema „Kopieren“ aus rechtlicher, psychologischer, kultureller und wirtschaftlicher Sicht diskutieren können. Ich bin mir sicher, dass jeder Besucher davon inspiriert nach Hause geht!

Die Ausstellung läuft noch bis zum 16. November 2014 im Kulturbahnhof Grevenbrück. Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag, Freitag 17-20 Uhr, Samstag 16-20 Uhr, Sonntag 15-20 Uhr. Der Eintritt beträgt 1 Euro.

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Künstler: 
www.alles-echt.de

(Redaktion)


 


 

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