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Macht Arbeit suchtkrank?

VSU wehrt sich gegen AOK-Studie

Einer aktuellen AOK-Studie zufolge fehlen immer mehr Menschen aufgrund von Suchterkrankungen auf der Arbeit. Ursache für die Erkrankungen sei oftmals zu viel Stress im Job. Die VSU wies diese Behauptungen nun vehement zurück und behauptet: Arbeit mache nicht krank, der AOK-Fehlzeitenreport sei voller Fehldeutungen und Vorurteile.

"Da werden in einem Mix von Fakten, Fehldeutungen und Vorurteilen Zusammenhänge hergestellt, die schlicht falsch sind. Arbeit macht nicht krank, sondern ist ein Menschenrecht, dient der Entfaltung der Persönlichkeit und der Integration in die Gemeinschaft. Deshalb sind arbeitende Menschen sogar gesünder als nicht arbeitende Personen im erwerbsfähigen Alter. Sucht kommt nicht vom Stress auf der Arbeit, sondern es ist umgekehrt: sie bereitet dem Menschen -  privat und im Betrieb - Stress.", so Joachim Malter, Hauptgeschäftsführer der Saarländischen Unternehmensverbände e.V. (VSU).

Die VSU weist darauf hin, dass es medizinisch nicht nur verfehlt, sondern im Interesse von Suchtkranken sogar gefährlich ist, deren Erkrankung mit Schlagworten wie "Stress und Belastung" zu entschuldigen. Den Suchtkranken ist nicht damit gedient, sie in ihrer "Opferrolle" zu bestätigen. Der richtige medizinische und auch gesellschaftliche Ansatz muss dahin gehen, solche "Ausreden" nicht zuzulassen. Angehörige und Freunde dürfen nicht wegsehen oder den Betroffenen in Schutz nehmen, sondern sollten ihn sogar durch äußeren Druck zu einer Änderung seines Verhaltens bewegen. Genau so gehen übrigens betriebliche Suchtprogramme vor.

Der Fehlzeiten-Report ist schon von seiner Konstruktion her nicht geeignet, einen Zusammenhang zwischen bestimmten Erkrankungen mit der Arbeitswelt herzustellen. Dazu müsste man ja logischerweise einen Vergleich von Erkrankungen von Berufstätigen mit nicht Berufstätigen erstellen. Nicht Berufstätige werden aber - wenn sie krank sind - nicht arbeitsunfähig geschrieben und sind in diesem Report deshalb gar nicht enthalten. Übrigens: von allen im Saarland bei der AOK Versicherten sind nur etwa ein Drittel berufstätig!

Schließlich mag es ja berechtigt sein, auffällige Entwicklungen herauszugreifen und zum Thema zu machen. Die Steigerung von Suchterkrankungen fällt auch auf und muss gesellschaftlich und im Betrieb mit medizinisch sinnvollen Konzepten bekämpft werden. Dabei wirkt die Wirtschaft schon im eigenen Interesse mit. Zum Glück ist es aber so, dass diese Krankheitsbilder bei aller Sorge um die Betroffenen nicht den Schwerpunkt gesundheitlicher Leiden und damit auch der Probleme in Firmen darstellen: von den 153 Millionen Fehltagen fallen 2,42 Millionen, also 1,58 Prozent, auf Suchterkrankungen.

Malter abschließend: "Sorgen machen sich die hiesigen Unternehmen viel mehr um den generell deutlich erhöhten Krankenstand im Saarland. Wir glauben nicht, dass die Saarländer kranker sind als andere Bundesbürger. Aber wir vermuten stark, dass das Überangebot an Klinikplätzen, Ärzten und Apotheken sich hier seinen Markt schafft. Statistisch fällt auch auf, dass die Ärzte hier länger krank schreiben, als in den anderen Bundesländern. Im Gespräch geben sie offen zu, dass die Patienten dies erwarten und ansonsten den Arzt wechseln würden. Auch das ist eine Folge des hohen Angebots an Medizinern und nicht einer objektiven gesundheitlichen Verfassung der Bevölkerung." 

Mehr Informationen zum Fehlzeitenreport auf der Website des AOK-Bundesverbands

(Quelle: ME Saar)


 


 

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