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IW Köln

Mehr Anreiz für kleine Betriebe durch Innovationsförderung

7-Punkte Konzept des IW mobilisiert kleine Unternehmen

Um die Wende zum Besseren zu schaffen, braucht es unter anderem ein neues System zur Förderung unternehmerischer Innovationen. Das IW Köln hat im Auftrag des RHI ein entsprechendes Konzept entwickelt, das mehr Firmen dazu bewegen will, nach neuen Produkten und Fertigungsverfahren zu forschen. Vor allem kleine und mittlere Betriebe haben hier Nachholbedarf – von ihnen ist gerade mal jeder siebte auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung aktiv. Die Kernpunkte des IW-Modells:

Innovationsforen: Unter diesem Namen sollen zentrale Anlaufstellen für forschende Unternehmen entstehen. Die­se erhalten dort gebündelte Informationen über die Förderprogramme der EU, des Bundes und der Bundesländer. All diese Stellen müssen die Firmen auf der Suche nach Unterstützung bislang separat abklappern. Zu den Aufgaben der Foren wird zudem gehören, den Betrieben einen Überblick über die Kompetenzen der einzelnen Forschungseinrichtungen zu verschaffen und Kontakte zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu vermitteln. Weiterhin ist eine Online- Börse vorgesehen, die Erfinder und Finanziers zusammenbringt. Damit diese sich besser verstehen, müssten die Innovationsforen darauf achten, dass die jeweiligen Erfindungen in allgemein verständlicher Sprache beschrieben werden.

Forschungsprämien:Betriebe, die Forschungsaufträge an zertifizierte öffentliche oder private Einrichtungen vergeben, sollten eine staatliche Prämie erhalten, um so den Wissenstransfer zu forcieren. Die Bundesregierung will eine solche Prämie dagegen nur den öffentlich finanzierten Institutionen gewähren. Um zudem zielgenaue Anreize zu setzen, sollten größeren Unternehmen 10 Prozent ihres extern vergebenen Forschungsvolumens, kleineren und mittleren Firmen aber 25 Prozent erstattet werden. Im Gegenzug ließe sich die Grundausstattung der öffentlich finanzierten Forschungsinstitutionen reduzieren, damit diese ihre Arbeit stärker an den Bedürfnissen des Marktes ausrichten. Insgesamt würde das Prämienmodell ein Volumen von etwa 170 Millionen Euro pro Jahr haben – die Bundesregierung veranschlagt für ihr Konzept dagegen nur 33 Millionen Euro.

Steuerliche FuE-Förderung: Der Staat sollte sich von der Idee verabschieden, er könne besser als die Unternehmen beurteilen, was morgen am Markt gefragt ist. Statt einzelne Technologien zu fördern, gilt es, FuE-Aktivitäten der Wirtschaft allgemein steuerlich zu begünstigen. Diesen Weg haben Japan und Großbritannien erfolgreich eingeschlagen – dort tüfteln inzwischen deutlich mehr Betriebe an innovativen Gütern und Technologien als früher. Um für einen gleitenden Übergang zu sorgen, sollte zunächst neben die bestehenden Forschungsprogramme eine Förderung des FuE-Personaleinsatzes treten. Kleine und mittlere Betriebe mit weniger als 500 Beschäftigten – sie zählen derzeit rund 50.000 Forschungsmitarbeiter – können dann 150 Prozent ihrer Aufwendungen für FuE-Arbeitnehmer von der Steuerbelastung abziehen. Für Start-ups, die die Gewinnschwelle noch nicht erreicht haben, ist eine Gutschrift von 25 Prozent ihrer FuE-Personalkosten vorgesehen.

Eine solche Förderstrategie hat den Vorzug, Forschungsanreize unabhängig von der Branchenzugehörigkeit oder der technologischen Spezialisierung eines Unternehmens zu setzen. Zudem mildert das Konzept den Nachteil ab, den kleinere Firmen bei der Rekrutierung qualifizierten wissenschaftlich-technischen Personals haben – gerade in Zeiten eines sich verschärfenden Fachkräftemangels. Je nach steuerlicher Situation der geförderten Unternehmen könnten diese durch das IW-Konzept um bis zu 2,1 Milliarden Euro entlastet werden.

Innovationspool: In Deutschland werden zwar viele Produkte und Herstellungsprozesse patentiert, ein großer Teil davon kommt aber nicht auf den Markt. Denn nur wenige Unternehmen verfügen über das nötige Eigenkapital , und der Risikokapitalmarkt steckt noch immer in den Kinderschuhen.

Hier sollte ein mit 1 Milliarde Euro ge­füllter Innovationspool Abhilfe schaffen. Aus ihm könnten Kredite für marktnahe Innovationsaktivitäten finanziert werden. Entscheidend für die Kreditvergabe wären neben der Bonität des jeweiligen Unternehmens etwa auch der Neuheitsgrad oder die Marktchancen der in Frage stehenden Innovation. Das staatliche Darlehen ist jedoch an die Bedingung zu knüpfen, dass die Firma einen privaten Finanzier mit ins Boot holt. Dessen Ansprüche würden im Falle einer Insolvenz bevorzugt bedient, so dass der Staat mit einer Kreditausfallrate von 10 Prozent rechnen sollte. Dennoch spricht für das Verfahren, dass neben der öffentlichen Hand auch private Geldgeber die Aussichten eines Vorhabens beurteilen.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW)

(Redaktion)


 


 

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