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  • 11.09.2007, 12:14 Uhr
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  • NRW

Nach dem Sommermärchen 2006 ist der Aufschwung in der Region angekommen

Olpe. (tes) Der Konjunkturmotor schnurrt, der lang ersehnte Aufschwung hat die Branchen erfasst. Ende gut, alles gut? Nein, während der Unternehmertagung in „Olpes guter Stube“ waren sich die Redner einig: Auch wenn das Konjunkturbarometer zur Zeit ein freundliches Klima anzeigt, darf das nicht darüber hinweg täuschen, dass unsere Gesellschaft vor umwälzenden Entwicklungen und großen Herausforderungen steht.

Positive Bilanz bei Unternehmertagung/ Ministerpräsident Althaus als Festredner

Traditionell hatten am Montagabend der Arbeitgeberverband des Kreises Olpe gemeinsam mit dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, dem Groß- und Außenhandelsverband Siegen-Olpe Wittgenstein, der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, dem Einzelhandelsverband Südwestfalen und dem DEHOGA Westfalen die Unternehmer aus dem Kreis Olpe in die Olper Stadthalle eingeladen. Als Festredner hatte man diesmal den Ministerpräsidenten des Landes Thüringen, Dieter Althaus, gewinnen können.
„Nach dem Sommermärchen 2006 ist der Aufschwung in Deutschland und besonders in unserer Region angekommen“, konstatierte der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes, Felix G. Hensel, während der Begrüßung. Und trotz des verregneten Sommers 2007 sei die Wirtschaft weiterhin guten Mutes, verzeichne Wachstum und stelle neue Mitarbeiter ein, sofern qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stünden. Damit habe man auch in der heimischen Wirtschaft eine Konstellation erreicht, von der viele Unternehmen in den vergangenen Jahren geträumt hätten.
Doch nicht alle Branchen nähmen gleichermaßen am Aufschwung teil: Die konsumnahen Bereiche litten unter der Mehrwertsteuererhöhung und Landwirtschaft sowie Waldbauern hätten nach wie vor mit den gigantischen Schäden des Orkans Kyrill zu kämpfen. Auch die Tourismusbranche habe nicht allzu viel Freude in diesem Jahr. Anders hingegen die Situation in Industrie und insbesondere in der Investitionsgüterindustrie, denen es in unserer Region zur Zeit gut bis sehr gut gehe. Die Situation habe dazu beigetragen, dass die Arbeitslosenquote im Kreis Olpe mit 4,8 Prozent aktuell die besten Werte in Nordrhein-Westfalen aufweise.
Frei nach dem Motto „Wenn die Wirtschaft Vertrauen in die Politik hat und in der Lage ist, Geld zu verdienen, dann wird investiert und durch die Investitionen entstehen zusätzliche Arbeitsplätze“, so Felix G. Hensel, sei in vielen Branchen der selbsttragende Aufschwung eingetreten. Und auch die Globalisierung spiele zunehmend eine Rolle: Viele Unternehmen hätten ihre Auslandsengagements ausgeweitet, die Exportquoten seien gestiegen, die Investitionen in vielen Ländern der Welt nähmen zu.
Aber auch kritische Töne schlug der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes im Kreis Olpe, „Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube“, an: Das beste Konjunkturprogramm für Deutschland, konstatierte er mit Blick auf die geplante neue Erbschaftssteuerregelung, sei ein kompletter Verzicht auf die Erbschaftssteuer. Und absolut begrüßenswert sei es, wenn auch die zweite Legislaturperiode von der Regierung für dringend erforderliche Reformvorhaben genutzt werde. Hensel, betont „realistisch“: „Der Blick auf den nächsten Wahltermin wird leider mutige Reformschritte, die dringend erforderlich wären, verhindern helfen“. Und die Hartz-Reformen mutierten gerade von der Jahrhundertreform zum Milliardengrab. Entgegen den Thesen der Linkspartei stünde Hartz IV keineswegs für einen sozialen Kahlschlag, sondern den großen Ausbau des Deutschen Sozialstaates.
Im Rahmen seiner Begrüßung stellte Felix G. Hensel auch den neuen Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes vor. Stephan Stracke (49), Geschäftsführer des „Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Rheinland-Rheinhessen e.V. aus Koblenz, wird diese Stelle voraussichtlich im Frühjahr 2008 antreten.
„REGIONALE Südwestfalen“ – unter diesem Titel bündeln fortan die fünf Kreise aus Südwestfalen ihre Kompetenzen und Aktivitäten. Landrat Frank Beckehoff ließ bei der Vorstellung des Zusammenschlusses keinen Zweifel daran, dass auch die heimische Wirtschaft künftig nachhaltig von dem Prozess profitieren werde: Beim Wettlauf der Regionen um Wirtschaftsstärke, politischen Einfluss Investitionen und vor allem auch um Fachkräfte. Südwestfalen, so Beckehoff, sei herausragend führend in den Wirtschaftssegmenten Metall und Maschinenbau. REGIONALE – das bedeute die Förderung der regionalen Identität nach Innen und die Schärfung des Profils nach Außen.
Dass Thüringen zur Zeit ein robustes Wachstum verzeichnen könne, so der Ministerpräsident des Landes, Dieter Althaus, der während der Unternehmertagung den Part des Festredners übernahm, „ist auch dem mittelständischen Engagement aus Ihrer Region zu verdanken.“
Angesichts des derzeit positiven Konjunkturklimas könne man in Versuchung kommen, zu sagen, dass alles gut sei. Althaus: „Nein, gerade in Zeiten der positiven Konjunktur muss man überlegen, was zu tun ist, um aus dem konjunkturellen Wachstum ein strukturelles zu machen.“ Jetzt sei die Zeit, um eine Bestandsaufnahme zu machen und Perspektiven zu diskutieren. Ob Demografie oder Globalisierung – unsere Gesellschaft müsse sich auf gravierende Veränderungen einstellen, die so manche Kraftanstrengung erforderlich machten. Der Sozialstaat könne nicht mehr ausschließlich über den Arbeitsmarkt finanziert werden, sprach Althaus den Unternehmern aus der Seele. Denn: „Jeder von Ihnen weiß, dass bei 40 Prozent Lohnnebenkosten keine Entwicklung mehr möglich ist. Wir müssen von dieser Preistreiberei runter.“ Die Möglichkeiten des Staates und die Erwartungshaltung an ihn müssten endlich in Einklang gebracht werden. „Erst auf dem Boden einer gesunden Wirtschaft kann eine Gesellschaft ihre eigentlichen Ziele erfüllen“, zitierte Althaus den neoliberalen Vater des deutschen Wirtschaftswunders, Ludwig Erhard. Marktwirtschaft, so die Überzeugung des Ministerpräsidenten, benötige möglichst wenig Staat.
Löhne entwickelten sich in den Unternehmen, Flächentarife müssten individuell an den Unternehmen ausgerichtet werden. Spontanen Beifall erhielt der Ministerpräsident für seine Feststellung, ob man Vorfahrtsregelungen für Familien benötige, müsse man nicht diskutieren, schließlich seien die ein fester grundgesetzlicher Anspruch. Doch auch hier sei die Eigenverantwortung in den Mittelpunkt zu stellen, der Staat könne lediglich Optionen bieten. Althaus: „Was passiert, wenn Staat Familie regeln will, hat man in dem System gesehen, aus dem ich ursprünglich komme.“ Eine Hauptaufgabe unserer Gesellschaft bestünde darin, Gestaltungsspielräume für künftige Generationen zu erhalten. Das bedeute auch, Deutschland fit zu machen für den Wettbewerb der Regionen – schon heute würden 40 Prozent der Mediziner und 60 Prozent der Naturwissenschaftler auswandern.

(tes)


 


 

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