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Pilotprojekt der Gesundheitskonferenz

Gesundheitskonferenz fördert Betriebliches Gesundheitsmanagement in kleinen Unternehmen

„Menschliches Verständnis wird im Umgang mit den Mitarbeitern immer wichtiger“, weiß Grella. „Wissenschaftliche Studien zeigen, dass in Betrieben, die wertschätzend mit Mitarbeitern umgehen, die Zahl der ‚Blauen Montage’, Brückentagserkrankungen und andere Kurzzeiterkrankungen deutlich abnehmen“, ergänzt Mauz.


 Autohaus Piepenstock geht neue Wege

Märkischer Kreis. (pmk). Was kann ich für meinen Körper tun, wenn ich in der Werkstatt längere Zeit über Kopf arbeiten muss oder während der anstrengenden „Reifenwechselwochen“? Bei der Erarbeitung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) für das Audi-Autohaus Piepenstock in Lüdenscheid wurde es sehr konkret.

Das Autohaus an der Nottebohm Straße nimmt an einem Pilotprojekt der Gesundheitskonferenz des Märkischen Kreises mit Unterstützung der Krankenkassen AOK Nordwest, Barmer-GEK und IKK classic sowie des Märkischen Kreises und der Industrie- und Handelskammer teil. Im Fokus stehen Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeiter und damit wichtige Argumente in Zeiten des demografischen Wandels und im Wettbewerb um Fachkräfte. Ziel ist es, kleineren Unternehmen Wege aufzuzeigen, ein BGM in ihrem Betrieb zu etablieren.

Die Idee, sich an dem Projekt der Märkischen Gesundheitskonferenz zu beteiligen, ging von Lackier-Meister Uwe Mildenberger aus – er ist gleichzeitig die Sicherheitsfachkraft im Autohaus Piepenstock. Manfred Grella, Audi Service Leiter, ließ sich schnell überzeugen und reichte eine Bewerbung beim Märkischen Kreis ein. Dabei überwog bei Grella zunächst die Neugier: "Ich wollte einfach mal ausprobieren, ob ein Betriebliches Gesundheitsmanagement auch in einem Autohaus mit nur 40 Mitarbeitern funktioniert. Ich kenne es sonst nur von großen Industrieunternehmen."

Die Krankenkasse IKK classic nahm die Herausforderung an. Aus der Belegschaft gründete sich ein engagierter Gesundheitszirkel um Uwe Mildenberger, der erster Ansprechpartner für die IKK classic war. Schnell kristallisierten sich vier Themenbereiche heraus: körperliche Belastung, Raumklima, Kommunikation und Mitarbeiterführung sowie der Umgang mit Stress. "Bei den drei Sitzungen – ohne Führungskräfte – wurden alle Probleme auf den Tisch gelegt und ohne Scheu diskutiert. Zeitnah wurden bereits wichtige Lösungsvorschläge umgesetzt", macht IKK-Gesundheitsmanager Boris Mauz deutlich. Besonders beeindruckt ist Service Leiter Manfred Grella von der Kreativität des Gesundheitszirkels. "Insbesondere die junge Generation hat sich hier eingebracht. Sie steht Maßnahmen zur Gesundheitsprävention oft viel offener gegenüber als die älteren Mitarbeiter", erklärt er. Im zweiten Schritt wird nun die Belegschaft über die Ergebnisse des Gesundheitszirkels informiert und die Prioritätenliste Zug um Zug abgearbeitet.

Eine sehr gute Resonanz erzielte die IKK classic dadurch, dass sie beispielsweise im Rahmen der Verhaltensprävention den Werkstattalltag ganz praktisch einbezog. So zeigte eine Trainerin in drei Einheiten zu je 90 Minuten spezielle Haltungs- und Rückenübungen, mit denen die Mitarbeiter sich während der Arbeit entlasten können. Ein Poster soll jetzt stets an die wichtigsten rückenschonenden Arbeitshaltungen beim "Über-Kopf-Arbeiten" oder bei Arbeiten unter der Motorhaube erinnern. Bei den "Reifenwechselwochen" im Frühling konnten die neuen Verhaltensmaßnahmen bereits umgesetzt werden. „Wichtig ist, dass die Angebote des BGM nachhaltig sind“, meint Susanne Thiel, Regionalgeschäftsführerin der IKK classic.

Die Trainingseinheiten in der Werkstatt haben in jedem Fall zum Nachdenken angeregt und bereits zu kleinen Änderungen im Arbeitsalltag geführt: Die Idee eines Monteurs, ein Schaumstoffkissen für längere Arbeiten im Motorraum zu benutzen, führte zu einer entsprechenden Bestellung von zusätzlichen Kissen, die sich dem Körper und gleichzeitig dem Motorraum anpassen, ohne das Kfz zu beschädigen. Ein anderer Mitarbeiter setzte bei den letzten "Reifenwechselwochen" erstmals einen Gürtel zur Unterstützung und Schonung der Wirbelsäule und Beckenmuskulatur ein – es ist geplant, sukzessive weitere Gürtel anzuschaffen.

Über eine systematische Lagerung von Ersatz- und Karosserieteilen konnten Arbeitsabläufe wesentlich erleichtert werden. Um die besonderen Bedürfnisse der Büromitarbeiter kümmert sich die nächste Trainingseinheit. Grella hofft, dass über positive Beispiele die Zahl der Nachahmer wächst. "Langfristig geht es sowohl um die Erhaltung der Arbeitskraft als auch der Lebensqualität ", sagt er. "Und dafür ist jeder Einzelne auch ein bisschen selbst verantwortlich."

Auch in den anderen Handlungsfeldern hat sich schon einiges getan: Damit sich der Verkaufsraum – ein optisch attraktiver Kuppelbau aus Stahl und Glas – im Sommer nicht so aufheizt, wurden zusätzliche Lüftungsklappen und Lamellen an den Fenstern eingesetzt. Zum Thema gesunde Mitarbeiterführung und Kommunikation wird die IKK classic im Herbst ein praxisnahes Seminar durchführen. Im Mittelpunkt steht dabei die wertschätzende Führung der Mitarbeiter. „Menschliches Verständnis wird im Umgang mit den Mitarbeitern immer wichtiger“, weiß Grella. „Wissenschaftliche Studien zeigen, dass in Betrieben, die wertschätzend mit Mitarbeitern umgehen, die Zahl der ‚Blauen Montage’, Brückentagserkrankungen und andere Kurzzeiterkrankungen deutlich abnehmen“, ergänzt Mauz.

Darüber hinaus werden zurzeit in zwei neugestalteten Aufenthaltsräumen Rückzugsmöglichkeiten, aber auch Kommunikationsräume geschaffen. Besonders positiv wertet Gesundheitsmanager Mauz, dass im Gesundheitszirkel beim Handlungsfeld "Stress" auch ein Personalengpass am Info-Counter zur Sprache gebracht wurde. "Solche Hilferufe sind wichtig und gehören auf die Tagesordnung. Nur wenn man Probleme offen anspricht, können sie auch gelöst werden – in diesem Fall durch Aufstockung des Personals." Das BGM bei Firma Piepenstock zeigt deutlich, dass große Veränderungen meistens in Form von kleinen Maßnahmen bereits eine enorme Entlastung der Beschäftigten mit sich bringen. Besonders wichtig ist dabei die Einbeziehung der Mitarbeiter und dass der Chef ein Vorbild ist. "So lange die Firma Piepenstock hier in der Nottebohm Straße meine Unterstützung benötigt, stehe ich ihr zur Seite. Langfristig ist es das Ziel, dass der Betrieb Gesundheitsmanagement eigenverantwortlich durchführt", sagt Mauz.

(Redaktion)


 


 

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