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IHK-Wirtschaftsgespräch

Fehlende Fachkräfte und Breitband im Blickpunkt

IHK-Wirtschaftsgespräch bei SSI Schäfer in Neunkirchen

Siegen.„Wir befinden uns in einem Gezeitenwechsel. Der Markt dreht sich um. Mittlerweile haben wir gravierende Schwierigkeiten, Auszubildende für die gewerblichen Berufe zu finden.“ Die Botschaft von Michael Mockenhaupt, Geschäftsführer der EMW Stahl Service GmbH, war deutlich: Früher gab es immer mal wieder zu wenig Aufträge, aber ausreichend Personal. Heute habe man viele Aufträge, finde jedoch immer weniger geeignetes Personal. Eine Einschätzung, die bei den mehr als 50 Teilnehmern des IHK-Wirtschaftsgespräches bei der SSI Schäfer Fritz Schäfer GmbH in Neunkirchen auf Zustimmung stieß. SSI-Personalleiter Ralf Althaus bestätigte dies auch für sein Unternehmen. Es sei eine wachsende Herausforderung, geeignete Mitarbeiter für die unterschiedlichen Aufgaben zu finden. „Eine Ursache für diese Entwicklung dürfte sein, dass junge Menschen heute seltener bereit sind, im Mehrschichtbetrieb zu arbeiten“, erklärte Christian Baumgarten von der Baumgarten handle systems KG. Deutliche Kritik übte Rainer Saßmann, Geschäftsführer der GKS Industriemanagement GmbH und der H. Kleinknecht & Co. GmbH, an den gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen: „Wir machen in unseren Schulen viel zu wenig und sind auf dem völlig falschen Weg. Die jungen Leute müssen viel schneller in den Beruf kommen.“ Der zunehmende Trend zur Akademisierung wirke sich negativ auf die Betriebe aus. 

Es sei eine wesentliche Aufgabe der künftigen Bildungspolitik, die Stärken der betrieblichen Ausbildung Schülern, Lehrern und Eltern wieder viel deutlicher zu machen, unterstrich IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener. Vielfach herrsche die Überzeugung, der „normale Mensch“ fange erst bei Abitur und abgeschlossenem Studium an. „Zugleich haben wir gerade in Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren zu sehr über Schulformen diskutiert und zu wenig über die Rolle, die Strahlkraft und die Leistungsfähigkeit von Pädagogen. Lehrer benötigen allerdings die Freiräume, anspruchsvollen Unterricht auch durchsetzen zu können. Hierzu ist zudem eine erstklassige Ausbildung und im Beruf auch permanente Fortbildung erforderlich. Hätte man sich stärker darauf konzentriert, auf diesem Wege die innerschulische Rolle der Lehrer zu stärken, würden heute die Leistungstests auch besser ausfallen!“
Klare Worte fielen auch zur Breitbandanbindung von Unternehmensstandorten. Gemessen am Versorgungsgrad anderer Kommunen ist die Gemeinde Neunkirchen durchaus gut an schnelles Internet angebunden. „Hier kommt uns zugute, dass Neunkirchen flächenmäßig eine kleine Kommune mit überschaubaren Kabelstrecken ist“, so Bürgermeister Bernhard Baumann. Aber: „Die Anforderungen und Erwartungen an die Breitbandinfrastruktur werden bereits in den kommenden Jahren rasant wachsen“, ist sich IHK-Geschäftsführer Hans-Peter Langer sicher. Der derzeit betriebene, von Bund und Land geförderte Ausbau mit einer „flächendeckenden“ Mindestversorgung von 50 Mbit/s sei vor diesem Hintergrund völlig unzureichend. Zudem verzögere sich die Umsetzung durch überzogene bürokratische Vorgaben, die den Planern in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe das Leben schwer machten. Der Weg zum Gigabitnetz sei in Deutschland noch lang, die unzureichende Anbindung schon heute ein deutlicher Standortnachteil für Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen. Einen Vorschlag aus der Diskussion nahm die IHK auf und will hierzu gemeinsam mit der Kreisverwaltung auf die neue Landesregierung zugehen: Schulen und Bildungseinrichtungen sollen so schnell wie möglich Glasfaseranbindungen (FFTB/H) erhalten. 

Klaus Tersteegen, Geschäftsführer der SSI Schäfer Fritz Schäfer GmbH, bestätigte aus eigener Erfahrung, wie existentiell wichtig der Anschluss an die Datenautobahn im digitalen Zeitalter ist. Die Breitbandanbindung entscheide mit über die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens: „Wer die Daten hat, hat die Macht.“ In der Personalstruktur von SSI Schäfer spiegele sich dies bereits heute deutlich wider. Etwa 1.200 der insgesamt 9.500 Mitarbeiter seien IT-Spezialisten, die überwiegend im Software-Bereich arbeiteten. 1937 von Fritz Schäfer als kleiner Familienbetrieb in einer Garage gegründet, hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten zu einem „Global Player“ mit mittlerweile zehn Produktionsstätten und über 70 Niederlassungen in aller Welt entwickelt. Wichtigste Märkte nach Deutschland seien die USA und Asien. Bernhard Baumann zeigte ebenso wie Klaus Gräbener große Anerkennung für diese Leistung. „Dass so etwas möglich ist, spricht auch für das unternehmerfreundliche Milieu und den guten Dialog zwischen Politik und Wirtschaft. Das zeichnet unsere Gemeinde aus“, betonte Bernhard Baumann.

(Redaktion)


 


 

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