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Saar-Wissenschaftler warnt

"Banken müssen umdenken"

Professor Gerd Waschbusch, ein Saarbrücker Wirtschaftswissenschaftler, mahnt Banken zum Umdenken an. Das Ansehen der Banken sei derzeit überaus schlecht. Dies müsse sich ändern. Etwa durch mehr Transparenz den Kunden gegenüber. Und gesetzliche Regeln, die die Auswirkungen von Bankenpleiten abmildern.

Vertrauen gewinnen: Das ist es, was die Banken nach Ansicht des Saarbrücker Professors für Bankbetriebslehre, Gerd Waschbusch, leisten müssen, um ihr ramponiertes Bild in der Öffentlichkeit wieder in Ordnung zu bringen.

Dabei reicht es natürlich nicht aus, sich lediglich einen seriösen Anstrich zu verpassen und hinter den Kulissen so weiterzumachen wie bisher. Gerd Waschbusch fordert „Leitwerte“, denen sich die Banken verpflichtet fühlen müssen. Maß halten und eine angemessene Beteiligung an den Risiken sind nach seiner Meinung zwei gute Instrumente, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Seine Thesen, wie Banken das Vertrauen der Kunden wieder gewinnen können, hat der Experte in der Zeitschrift „Kreditwesen“ veröffentlicht.

„Kundenabzocke“, „Kasinospielerei“, der „Duft des Ruchlosen“: Banken und ihre Mitarbeiter genießen derzeit nicht den besten Ruf, wie Professor Gerd Waschbusch in seinem Aufsatz feststellt. Das ist auch wohlbegründet: Seien es Absprachen, um den Libor, den Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen, zu manipulieren oder die jüngst veröffentlichten Ausschnitte aus einem Telefonat zwischen dem irischen Banker David Drumm und seinem Mitarbeiter John Bowe, in welchem sich Drumm, der Chef der Anglo Irish Bank, und Bowe, der Kapitalmarkt-Manager der Bank, über die Deutschen lustig machen.

Mit deren Geld soll die angeschlagene Bank wieder auf die Beine kommen. Von Eigenverantwortung der Bankchefs ist in dem Gespräch aus dem Herbst 2008 keine Spur, stattdessen gießen sie Hohn und Spott über die „fucking Germans“ aus.

Ansehensverlust

Angesichts solcher meist „hausgemachter“ Probleme leiden die Banken unter einem massiven Ansehensverlust, der die Existenz der gesamten Branche aufs Spiel setzt. „Haben Banken überhaupt eine Zukunft?“, fragt Gerd Waschbusch in seinem Aufsatz. Wenn sie sie haben möchten, rät er den Geldhäusern zum moralischen Umdenken und der Übernahme von mehr Verantwortung.

Die Banken müssten sich beispielsweise strengeren gesetzlichen Vorschriften unterwerfen. Zum einen fordert der Wirtschaftswissenschaftler, dass Banken eine umso höhere Eigenkapitalquote bereithalten müssen, je größer sie sind. „Haftung und Risiko gehören zusammen. Dies ist ein Grundprinzip der Marktwirtschaft“, begründet der Forscher diese Forderung.

Des Weiteren können die Banken ihre einzelnen Geschäftsbereiche unter einem Konzerndach in verschiedene Teile aufspalten. Fällt einer dieser Teile aus, zum Beispiel das risikoreiche Investmentbanking, zieht seine Pleite nicht die anderen Bereiche wie zum Beispiel den Privat- und Geschäftskundenbereich mit in die Tiefe.

Ein Rettungsfonds, in den die Banken selbst nach der Höhe ihres eingegangenen Risikos einzahlen und nicht die Steuerzahler, hilft im Falle einer finanziellen Notlage einer Bank, diese geordnet und ohne Gefahr für ganze Staaten abzuwickeln. Denn Professor Waschbusch räumt auch ein: „Einen hundertprozentigen Schutz kann es nicht geben.“

Für den Fall der Pleite sollte eine Bank als weitere Maßnahme ein „Testament“ vorhalten: Diese so genannte Selbstabwicklungsverfügung regelt das schnelle und reibungslose Verschwinden der Bank vom Markt, ohne dass gleich ganze Staaten in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind.

Gleiche Spielregeln für alle

Eine weitere Motivation für die Banker, die Risiken einer Pleite nicht leichtfertig in Kauf zu nehmen, um die Rendite zu steigern, ist die „glaubhafte Androhung des geordneten Marktaustritts“. Es sei sicherzustellen, „dass auch systemisch relevante Banken wieder pleitegehen können und diese damit wieder dem Marktmechanismus unterworfen werden“, lautet daher eine weitere grundlegende Forderung von Gerd Waschbusch.

Derzeit bewegen sich Banken, die als „zu groß oder zu vernetzt, um umzufallen“ gelten, außerhalb dieser Spielregeln, denen sich funktionierende Märkte normalerweise unterwerfen müssen.

Gerd Waschbuschs Aufsatz stellt nicht nur die derzeit geltenden gesetzlichen und brancheninternen Regelungen infrage. Der Wissenschaftler plädiert darüber hinaus für ein anspruchsvolleres Berufsethos innerhalb der Bankenbranche, die das Vertrauen der Kunden in die Geldhäuser wieder herstellen soll.

So solle es zum Ethos dazugehören, „dass die Banken ein transparentes und offenes Geschäftsgebaren gegenüber ihren Kunden pflegen und bankbetriebliche Entscheidungen am Leitbild des ehrbaren Kaufmanns“ ausrichten. Redlichkeit, Weitblick, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Mäßigung sollten die Motive der Bankmitarbeiter sein. Der ehrbare Kaufmann sei sich den Folgen seines Tuns bewusst und übernehme Verantwortung für sein Handeln.

Gerade diese Vernachlässigung des Verantwortungsprinzips habe entscheidend zur aktuellen Krise beigetragen, stellt Gerd Waschbusch fest. Banken „müssen deutlich machen, dass sie nicht gierig, zügellos und unmoralisch sind.“ Denn: „Dann haben sie auch eine Zukunft.“

Der Aufsatz "Zukunft ohne Banken - Banken ohne Zukunft?" als PDF-Download

(Quelle: Saar-Uni)


 


 

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